05.11.2015

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LVRG: Gesetzgeber könnte noch mal aktiv werden

Da einige Lebensversicherer trotz Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) und der damit verbundenen Absenkung des Höchstzillmersatzes von 40 auf 25 Promille ihre Provisionssätze nicht angepasst haben, könnte als Konsequenz der Gesetzgeber noch einmal mit verschärften Vorschriften aktiv werden. Davon sind Branchenkenner wie Professor Dr. Fred Wagner und Dietmar Bläsing (im Bild von links nach rechts) überzeugt, wie bei der 7. Vertriebskonferenz des Instituts für Versicherungswissenschaften e. V. der Universität Leipzig am 2. und 3. November in Köln deutlich wurde.

"Der Gesetzgeber wird noch reagieren", sagte Professor Dr. Fred Wagner, Vorstand des Instituts für Versicherungswissenschaften e. V. an der Universität Leipzig. Auch Dietmar Bläsing, Vorstand Volkswohl Bund, sieht diese Gefahr. Ebenso äußerte sich bei der Veranstaltung Wolfgang Hanssmann, Vorstand Talanx Deutschland AG. Im schlechtesten Fall würde der Gesetzgeber die Abschlussprovision ganz abschaffen, meinte Hanssmann.

Höhere Rückkaufswerte
Bereits zum 1. Januar 2015 habe der Volkswohl Bund seine Vergütungsregelungen im Markt angepasst, berichtete Vorstand Bläsing. Zwar habe der Gesetzgeber keine Vorschriften zur Vermittlervergütung, sondern zur Tarifkalkulation gemacht. Unumstrittene Absicht des Gesetzgebers seien jedoch erhöhte Rückkaufwerte für die Versicherungsnehmer zu Beginn des Vertrags. Dieses Ziel sei erreicht worden. Die Rückkaufswerte (Tarifbeispiel Privat-Rente, Tarif SR mit Beitragsrückgewähr) lägen um 16 bis 18 Prozent höher als vor LVRG - trotz gleichzeitiger Senkung des Garantiezinses.

Zehn Prozent weniger Vermittlervergütung
Der Vorstand stellte die neuen Vergütungsregelungen für Altersvorsorgeprodukte seines Hauses vor. Dabei habe man einen Teil (15 Promille) der Abschlussprovision (AP) in eine laufende AP auf acht Jahre umgewandelt. Hier entstehe aus Sicht des Versicherers kaum Vorfinanzierungsbedarf, gleichzeitig sei die Liquidität des Maklers (Volkswohl Bund ist ein reiner Maklerversicherer) durch einen Vorschuss gesichert. Wenn der Vertrag also nicht vom Kunden in dieser Zeit storniert würde, bekomme der Makler die gleiche Courtage wie beim alten Modell. Der Kunde erhalte damit höhere Ablaufleistungen als bei einer Verteilung der laufenden AP über eine längere Laufzeit. Insgesamt gebe es bei durchschnittlichen Stornoquoten von 2,8 bis 4,9 Prozent eine Verminderung der Vermittlervergütung von rund zehn Prozent. Diese Reduktion sei nicht homöopathisch: "Das ist nicht nichts", meinte Bläsing.

"Diskutierst du noch ...?"
Gegenüber "Nicht-Umstellern" habe man zu Beginn auch Nachteile im Markt gespürt, gab Bläsing zu. Im dritten Quartal habe aber das Lebengeschäft im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozent zugelegt. Die notwendige Umstellung sei "transparent, fair, verlässlich und schnell" über die Bühne gegangen. Und für "Nicht-Umsteller" werde die Luft "extrem dünn". Man solle die Diskussionen jetzt bald beenden. Der Vorstand schloss seinen Vortrag mit den Worten - angelehnt an einen Werbeslogan: "Diskutierst du noch über Provisionen, oder machst du schon wieder Geschäfte?"

Bildquelle: © Bernhard Rudolf
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Autor(en): Bernhard Rudolf
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

am 05.11.2015 10:53:03 von Peter Müller: Provisionen

Ich möchte mal die Damen und Herren Bundestagsabgeordneten sehen, die locker ihre Diäten um 10% kürzen, diese auf längere Zeiträume auszahlen und wenn der Kunde (also wir, das Volk) unzufrieden ist oder es sich schlicht anders überlegt, dann zahlen die Ihre Diäten halt zurück.

Ach nee, mit dem Argument, "Wir haben unsere Arbeit ja dann schon gemacht" wird das vom Tisch gewischt. Erbärmlich, wie hier wieder der sozialistische Neiddrang sich ausleben darf. Natürlich bitte schön nur auf Kosten anderer.
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am 05.11.2015 12:27:34 von Mathias Englert: völlig richtig

Kommentar zu: Provisionen

Ich möchte mal die Damen und Herren Bundestagsabgeordneten sehen, die locker ihre Diäten um 10% kürzen, diese auf längere Zeiträume auszahlen und wenn der Kunde (also wir, das Volk) unzufrieden ist oder es sich schlicht anders überlegt, dann zahlen die Ihre Diäten halt zurück.

Ach nee, mit dem...
Hallo Herr Müller,

Sie haben völlig Recht in Ihrer Begründung.
Eine gesetzliche Vorgabe der Höhe der Provision dürfte m.E. juristisch nicht haltbar sein (Gewerbefreiheit, usw.).

Daher scheint es mir eine Allianz aus den politisch Verantwortlichen einerseits und aus den Vorständen der Versicherer andererseits zu geben. Letzten ist es doch nur Recht, weniger Provision zahlen zu müssen.

Es sollen doch auch Herr Bläsing und Konsorten auf 40% ihrer Bezüge verzichten!
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am 02.12.2015 11:42:26 von Peter Schramm: Nicht vor der Politik einknicken?

Sollten alle Lebensversicherer vor der Politik einknicken, ist es nur eine Geldfrage, einen neuen eigenen Makler-Versicherer zu gründen.

Mit genug Eigenkapital kann dieser auch hohe Provisionen trotz der eingeschränkten Zillmerung anbieten. Denn diese ist ein rein bilanzielles Problem - eine entsprechende allgemeine Vorgabe für die Tarifkalkulation gibt es nämlich entgegen allgemeiner Kolportierung gar nicht. Hier können daher weiterhin 4 % und mehr eingerechnet werden. Zu Zeiten des Höchstzillmersatzes von 4 % haben einzelne Versicherer auch bereits bis zu 6 % der Beitragssumme einmalig eingerechnet.

Mit dann wieder etwas geringeren Rückkaufswerten konnte man früher auch gut leben.

Zudem ist es mit genug Eigenkapital ab Wegfall des Höchstrechnungszinses auch zulässig und möglich, wieder nach wie vor gefragte Garantieprodukte sogar mit 2,25 % Garantiezins oder gar mehr anzubieten.

Wenn man als Lebensversicherer nur will und bereit ist, seine Interessen trotz Missfallens der Politiker zu vertreten, ist vieles möglich.

Zum Beispiel auch Gruppenversicherungen mit reinen Männer- und Frauenvereinen, in denen dann erlaubt risikogerecht weit günstigere Rententarife nur für Männer und Risikolebensversicherungen nur für Frauen kalkuliert angeboten werden, statt teurer von der EU-Politik aufgedrückter Unisextarife. Hier könnten Männer dann z.B. weit günstiger - selbst wenn nochmal 4 % Abschlusskosten anfallen - die Kapitalabfindungen ihrer Unisex-Rententarife einzahlen und weit höhere Renten garantiert erhalten.

Mehr Eigenkapital bedeutet allerdings geringere Rendite für die Aktionäre. An der Sache selbst interessierte Namens-Aktionäre müssen aber auch keine bei Lebensversicherungs-Aktiengesellschaften nicht unübliche mehr als 30 % Eigenkapitalrendite erwarten - 6 % reicht womöglich auch.

Sollte der deutsche Gesetzgeber in Reaktion das Aufsichtsrecht verschärfen wollen, so kann immer noch nach Liechtenstein ausgewichen werden. Dort ist eine Lebensversicherung sogar statt als Verein oder AG auch als Genossenschaft zu gründen.

Weniger aufwendig ist allerdings, sich als Vermittler einfach mit den Entwicklungen abzufinden.
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