16.11.2015

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

IDD ist immer noch im Fluss

Beim 4. Berliner Juristentag des Arbeitskreises Beratungsprozesse wurden einige interessante Änderungen am Inhalt und am Veröffentlichungstermin der neuen Vertriebsrichtlinie vorgestellt, die die bekannte Vermittlerrichtlinie ablösen soll.

Rechtsanwalt Andrè Molter vom Verband Deutscher Versicherungsmakler (VDVM) ging bei der Veranstaltung des Arbeitskreises Beratungsprozesse auf Details zur neuen Versicherungsvertriebsrichtlinie mit dem angelsächsischen Kürzel IDD ein. Danach solle sie nach über fünf Jahren Vorbereitungszeit im Februar 2016 endlich im Journal der EU stehen. Ministerialrat Dr. Erich Paetz vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz war an der Stelle noch etwas optimistischer, dass die Richtlinie noch in diesem Jahr veröffentlicht wird.

Muss der Vermittler seine Provision nennen?
Deutlich wurde, dass der Text sich in der Endabstimmung durchaus an wichtigen Stellen noch ändert. So zeigte Molter in einer Gegenüberstellung, was die drei Europäischen Institutionen Kommission, Parlament und Rat jeweils in Sachen Interessenkonflikte durch Provisionen gefordert hatten. Im derzeitigen Textstand - einen deutschen Übersetzungsentwurf gibt es von vergangener Woche – gibt es eine deutliche Abweichung zu allen drei Richtlinienvorschlägen.

Danach gibt es zwar weiter eine Pflicht des Vermittlers, den Kunden über die Quelle seiner Vergütung zu informieren. Entfallen ist der bisher vorgesehene Anspruch des Kunden, auf Nachfrage nähere Informationen zur Vergütung zu erhalten, das sogenannte „Soft disclosure“, als Provisionsoffenlegung auf Nachfrage. Ob das aber ein redaktionelles Versehen oder beabsichtigt ist, konnte Molter nicht einschätzen.

Indirekte materielle Versicherungsaufsicht
Ebenfalls neu ist ein Artikel, in dem es um die so genannten POG, die "Aufsichts- und Lenkungs-Anforderungen" geht. Danach müssen Versicherer und unter Umständen auch Vermittler, wenn sie neue Versicherungsprodukte konzeptionieren, verschiedene Regeln beachten. Es muss ein Produktgenehmigungsverfahren etabliert werden.

So soll "ein Zielmarkt" für das Produkt festgelegt und sichergestellt werden, dass für das neue Produkt alle wesentlichen Risiken dieses Zielmarktes bewertet werden. Die Vertriebsstrategie soll diesem Zielmarkt entsprechen. Das läuft letztlich darauf hinaus, dass keine Produkte mehr entwickelt und angeboten werden sollen, die wichtige Risiken nicht einschließen und deshalb für Kunden im Wettbewerbsvergleich von Nachteil sind.

Je nach konkreter Umsetzung könnte das im Extremfall bedeuten, indirekt zur materiellen Versicherungsaufsicht zurückkehren, in der eine Behörde bestimmt, wie ein Versicherer seine Kunden zu versichern hat. Das gab es alles schon einmal - vor 1994.

Justizministerium will aktive Rolle bei IDD-Umsetzung
Dazu passt, dass nach den Worten von Paetz die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ausgelöst vom Kleinanlegerschutzgesetz inzwischen seine Rolle geändert hat. Sah sich die Bafin bisher nur für den kollektiven Verbraucherschutz zum Beispiel durch solvente Versicherer als zuständig, rückt nun auch der individuelle Verbraucherschutz der einzelnen Kunden in den Blickpunkt. Interessant auch der Hinweis von Paetz, dass sein Ministerium in der Umsetzung der IDD eine aktivere Rolle einnehmen will, als es bei der Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie der Fall war. Damals hatte das Bundeswirtschaftsministerium die Führung, das Finanz- und das damalige Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerium hatten nur eine beratende Rolle.

In dieser Woche soll eine Ressortabstimmung starten, in der es um die Umsetzungsverantwortung für die IDD gehen wird. Das könnte im Ergebnis bedeuten, dass die bisher schwerpunktmäßig gewerberechtliche Umsetzung mit geringer Neigung zur Beschränkung der Unternehmen in ihrer Entfaltungsfreiheit am Markt einer anderen, strikteren Regulierung Platz machen könnte.

Bafin kann bei reformunwilligen Versicherern eingreifen
Bezogen auf das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) meinte Paetz, dass es durchaus Absicht war, durch das Gesetz Frühstornierer von Lebensversicherungen besser zu stellen als bisher. Deshalb passe eine Verteilung von einem Teil der Abschlussprovision in die Laufzeit des Vertrags besonders gut zu den Vorstellungen der Bundesregierung. Gleichzeitig betonte er aber, dass es nicht Aufgabe des Gesetzgebers sei, der Wirtschaft vorzuschreiben, wie sie Vergütungssysteme gestaltet.

Michael Salzburg, Geschäftsführer des Friedels Fairsicherungsbüro Langer & Salzburg, hatte zuvor ein ernüchterndes Fazit der bisherigen Umsetzung des LVRG gezogen. Zwei Drittel der Versicherer seien bisher untätig geblieben. Manche Umsetzungsideen führen zudem zu deutlichen, betriebswirtschaftlichen Problemen bei den Vermittlern, wie er anhand von Beispielen aufzeigte.

Paetz kündigte dazu an, dass es innerhalb von drei Jahren eine Evaluierung des LVRG geben wird. Zudem deutete er an, dass die BaFin durchaus auch vorher schon berechtigt sei, im Einzelfall einzugreifen, wenn sich ein Versicherer dem Thema nicht sachgerecht stellen sollte.

Bildquelle: © Fotogestöber/Fotolia.com
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Matthias Beenken
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Die Rahmenbedingungen für die Umsetzung der IDD in deutsches Recht stehen fest. Nun ist es höchste Zeit, dass die Provisions- und Vergütungsmodelle neu gestaltet werden. Eine aktuelle Studie skizziert, wie weit die Unternehmen sind und was noch zu tun ist.  » mehr
26.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Die Europäische Union berät derzeit über die Delegierten Rechtsakte, mit denen wichtige Details zur Versicherungsvertriebsrichtlinie geregelt werden sollen. Dabei geht es auch um den Aufwand, den Vertreiber künftig haben werden. Eine aktuelle Umfrage dient der Transparenz über...  » mehr
24.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Die Weiterbildungsinitiative "Gut beraten" hat ihre Zahlen für das erste Quartal 2017 veröffentlicht. Diese können sich sehen lassen: 125.381 Weiterbildungskonten wurden in der Weiterbildungsdatenbank Ende März 2017 geführt. Durchschnittlich 780 neue Teilnehmer eröffneten...  » mehr
18.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Jungmakler im Dialog VERANSTALTUNG
Auf der Veranstaltung steht der Dialog der Jungmakler untereinander im Fokus. Erfahrungsaustausch, Netzwerken, Best Practice - dies sind nur ein paar der Schlagworte, die die Veranstaltung prägen werden. Im Rahmen der startenden AKS-Tour findet im Swissotel in Neuss ein...  » mehr
11.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Die Versicherungsmaklerschaft läuft weiter Sturm gegen die geplante Pflicht, künftig nur noch von Versicherern bezahlt zu werden und hat sich dafür prominente Schützenhilfe von Professor Schwintowski geholt. Aber es geht keineswegs nur um die Makler.  » mehr
10.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) hat mit seiner Aktion in Berlin auf einen Dissens in der Branche aufmerksam gemacht. Allen Sonntagsreden und Verhaltenskodizes zum Trotz soll der Kunde mit seinen Bedürfnissen doch nicht immer im Mittelpunkt stehen. Wie...  » mehr
03.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
Agentur-Champions 2017
Versicherungsagenten beurteilen ihre Versicherer Versicherungsagenten beurteilen ihre Versicherer

Es gibt viele Gründe, warum Agenten für ihren Versicherer tätig sind und Produkte vermitteln. In dieser Partnerschaft können Versicherer punkten, wenn sie einen guten Service bieten. Welche Unternehmen nehmen diese Aufgabe ernst und bei welchen besteht Verbesserungsbedarf? Helfen Sie mit, den Markt transparenter zu gestalten. Die anonyme Online-Befragung dauert nur wenige Minuten.
Innovationspreis
Auf der Suche nach neuen Ansätzen Auf der Suche nach neuen Ansätzen

Zum vierten Mal sucht Versicherungsmagazin in Kooperation mit den Analysten von Morgen & Morgen die innovativsten neuen Versicherungsprodukte. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es einige Neuerungen. Einsendeschluß für Bewerbungen zum Innovationspreis der Assekuranz ist der 31. Mai 2017.
Award
Unternehmer-Ass 2017 Unternehmer-Ass 2017

Auch 2017 wird der renommierte Unternehmer-Ass-Award für die beste deutsche Versicherungsagentur und den besten deutschen Versicherungsmakler verliehen. Die Teilnahme ist bis 30. April möglich.
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
Award-Bewerbung
So bewerben Sie sich für einen Award! So bewerben Sie sich für einen Award!

Sie kennen bereits die drei Awards von Versicherungsmagazin: „Makler-Champions“, „Innovationspreis der Assekuranz“ und „Vorbildlicher Finanzvertrieb“. Doch wie sehen die Prüfkriterien für diese Awards im Detail aus? Wer kann sich bewerben und welches Profil müssen die Interessenten vorweisen, um mitwirken zu können? Die Details.
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen