21.12.2015

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Eiopa sieht Gefahren durch Big Data

Die Europäische Versicherungsaufsicht positioniert sich weiter zu diversen Verbraucherschutz-Themen. Bestimmten Vertriebspraktiken erteilt sie eine klare Absage.

Die Europäische Versicherungsaufsichtsbehörde Eiopa hat ihren vierten, jährlichen "Consumer Trends Report" veröffentlicht, in dem sie auf Mängel im Verbraucherschutz bei Versicherungsverträgen sowie erstmals auch von Pensionskassen eingeht. Ein wichtiges Thema ist diesmal Big Data, das heißt die Analyse sehr großer, unstrukturierter Datenbestände mit intelligenten Werkzeugen, um Kundenwünsche gezielter aufzuspüren und ansprechen zu können. Da die Kunden selber in den Sozialen Medien und auf Suchportalen eine enorme Menge an Daten über sich preisgeben, reizt dies die Anbieter zur Nutzung an.

Bessere Versicherungen, aber Gefahr des Datenmissbrauchs
Die Eiopa sieht darin durchaus Chancen wie die Entwicklung passgenauer Versicherungen, innovativer neuer Deckungskonzepte und einer differenzierten Preisfindung. Sie warnt aber auch, dass durch Big Data neue Verbraucherschutzfragen auf die Tagesordnung kommen. Versicherer sollten personengebundene Daten nicht bedenkenlos nutzen, mahnt die in Frankfurt am Main ansässige, im Jahr 2011 gegründete Behörde. Außerdem befürchtet die Eiopa einen weiteren Anstieg der Komplexität der Versicherungen, wodurch der Zugewinn der Qualität der Deckungen ins Leere geht, weil die Kunden die Deckungen nicht verstehen.

Interessenkonflikte und damit letztlich die Frage, "wer bezahlt den Vermittler", werden von der Aufsicht ebenfalls als ein weiterhin sehr wichtiges Verbraucherschutzthema eingeschätzt. Offensichtlich verspricht man sich viel von der Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD, die am 14. Dezember im EU-Ministerrat ihre letzte politische Hürde erfolgreich genommen hat und nun nur noch im Amtsblatt veröffentlicht werden muss. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Eiopa eine aktive Rolle bei der Umsetzung einnehmen will, zumal sie dazu an einigen Stellen in der IDD ausdrücklich ermächtigt wird.

Lieber freiwillig den Empfehlungen folgen
Wie das konkret aussehen kann, hat die Behörde vor kurzem erneut deutlich gemacht. In ihrem "Report on Consumer Protection Issues arising from the sale of Mobile Phone Insurance (MPI)" spricht sie zwar ausdrücklich unverbindliche Empfehlungen aus, verweist aber auch deutlich auf ihre kommende Rolle und die Umsetzung der IDD. Mit anderen Worten mahnt sie die nationalen Regierungen an, lieber freiwillig die Verbraucherschutzstandards umzusetzen, anstatt abzuwarten, bis die Eiopa die Vollmacht hat einzugreifen.

Im erwähnten Report geht es um Handyversicherungen, die sich insbesondere in Großbritannien Frankreich größter Beliebtheit erfreuen, aber auch in Deutschland reichlich verkauft werden. Der Report nennt Zahlen dazu: In Deutschland werden damit rund 46 Millionen Euro umgesetzt, in Spanien 48 Millionen Euro, in Frankreich 323 Millionen Euro und in Großbritannien sogar 450 Millionen Euro. In keinem anderen EU-Land werden auch nur annähernd so viele Umsätze mit Handyversicherungen erzielt.

40 Prozent Provision sind zu viel
Die Analyse der Beschwerdestatistiken der nationalen Versicherungsaufsichten hat nach Überzeugung der Eiopa gezeigt, dass die oft im Bündel von nicht dafür speziell qualifizierten Handyverkäufern angebotenen Versicherungen vielfach Probleme hervorrufen. Am häufigsten betrifft das Schadenfälle, wenn Kunden irrige Vorstellungen über ihren Versicherungsschutz haben, weil sie zuvor nicht angemessen aufgeklärt und beraten wurden. Auch seien die Schadenabwicklungen teilweise außergewöhnlich kundenunfreundlich geregelt. In Deutschland zum Beispiel wurden knapp 6.600 Beschwerden gezählt, damit liegen wir an einer unrühmlichen dritten Position und produzieren mit knapp zwölf Prozent aller EU-weit erhobenen Beschwerden mehr als den doppelten Anteil als denjenigen an den Prämieneinnahmen (knapp fünf Prozent).

Außerdem kritisiert die Eiopa übertrieben hohe Provisionen für Handyversicherungen. Durchschnittlich würden 40 Prozent der Prämien gezahlt, wovon meist die Telekommunikationsanbieter und -händler profitieren.

Trennung von Produkt und Annexversicherung
Als Konsequenz werden eine Reihe Vorschläge gemacht, wie nationale Regierungen und Aufsichtsbehörden solche Missstände beheben sollen. Im Zentrum steht die auch von der IDD geforderte Trennung der Annexversicherung vom Produkt, das heißt der Kunde soll bewusst die Versicherung abwählen können. Verkäufer solcher Versicherungen müssen dafür aus- und weitergebildet werden, eine Vorstellung, die auch im deutschen Markt der Annexversicherungen schwerlich realisierbar ist, ohne den Vertriebskanal des Konsumgüterhandels zu verlieren.

Bild: Eiopa
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Matthias Beenken
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Die Rahmenbedingungen für die Umsetzung der IDD in deutsches Recht stehen fest. Nun ist es höchste Zeit, dass die Provisions- und Vergütungsmodelle neu gestaltet werden. Eine aktuelle Studie skizziert, wie weit die Unternehmen sind und was noch zu tun ist.  » mehr
26.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Die Europäische Union berät derzeit über die Delegierten Rechtsakte, mit denen wichtige Details zur Versicherungsvertriebsrichtlinie geregelt werden sollen. Dabei geht es auch um den Aufwand, den Vertreiber künftig haben werden. Eine aktuelle Umfrage dient der Transparenz über...  » mehr
24.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Vor allem junge Frauen können nach Einschätzung der Stiftung Warentest sparen, wenn sie in der Autoversicherung einen Telematik-Tarif wählen. Damit könnten die Frauen in positiver Weise das seit 2012 bestehende Geschlechterverbot umgehen.  » mehr
21.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Die Weiterbildungsinitiative "Gut beraten" hat ihre Zahlen für das erste Quartal 2017 veröffentlicht. Diese können sich sehen lassen: 125.381 Weiterbildungskonten wurden in der Weiterbildungsdatenbank Ende März 2017 geführt. Durchschnittlich 780 neue Teilnehmer eröffneten...  » mehr
18.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Jungmakler im Dialog VERANSTALTUNG
Auf der Veranstaltung steht der Dialog der Jungmakler untereinander im Fokus. Erfahrungsaustausch, Netzwerken, Best Practice - dies sind nur ein paar der Schlagworte, die die Veranstaltung prägen werden. Im Rahmen der startenden AKS-Tour findet im Swissotel in Neuss ein...  » mehr
11.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Die Versicherungsmaklerschaft läuft weiter Sturm gegen die geplante Pflicht, künftig nur noch von Versicherern bezahlt zu werden und hat sich dafür prominente Schützenhilfe von Professor Schwintowski geholt. Aber es geht keineswegs nur um die Makler.  » mehr
10.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
Fahrerassistenzsysteme
Die Zukunftsstrategien der Versicherer Die Zukunftsstrategien der Versicherer

Die 3. Internationale ATZ-Fachtagung Automatisiertes Fahren, die von Versicherungsmagazin und der Zeitschrift ATZ veranstaltet wird, beschäftigt sich mit den Trends Telematik, Fahrerassistenzsysteme und autonomes Fahren. Diskutiert wird dort auch über: Versicherungskonzepte für automatisiertes Fahren, Innovationen in der Kfz-Versicherung, Neue Mobilität und traditionellen Versicherer. Auf dieser Tagung erwarten Sie spannende Vorträge hochkarätiger Experten aus der Versicherungs- und Automobilbranche.
Agentur-Champions 2017
Versicherungsagenten beurteilen ihre Versicherer Versicherungsagenten beurteilen ihre Versicherer

Es gibt viele Gründe, warum Agenten für ihren Versicherer tätig sind und Produkte vermitteln. In dieser Partnerschaft können Versicherer punkten, wenn sie einen guten Service bieten. Welche Unternehmen nehmen diese Aufgabe ernst und bei welchen besteht Verbesserungsbedarf? Helfen Sie mit, den Markt transparenter zu gestalten. Die anonyme Online-Befragung dauert nur wenige Minuten.
Innovationspreis
Auf der Suche nach neuen Ansätzen Auf der Suche nach neuen Ansätzen

Zum vierten Mal sucht Versicherungsmagazin in Kooperation mit den Analysten von Morgen & Morgen die innovativsten neuen Versicherungsprodukte. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es einige Neuerungen. Einsendeschluß für Bewerbungen zum Innovationspreis der Assekuranz ist der 31. Mai 2017.
Award
Unternehmer-Ass 2017 Unternehmer-Ass 2017

Auch 2017 wird der renommierte Unternehmer-Ass-Award für die beste deutsche Versicherungsagentur und den besten deutschen Versicherungsmakler verliehen. Die Teilnahme ist bis 30. April möglich.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
Award-Bewerbung
So bewerben Sie sich für einen Award! So bewerben Sie sich für einen Award!

Sie kennen bereits die drei Awards von Versicherungsmagazin: „Makler-Champions“, „Innovationspreis der Assekuranz“ und „Vorbildlicher Finanzvertrieb“. Doch wie sehen die Prüfkriterien für diese Awards im Detail aus? Wer kann sich bewerben und welches Profil müssen die Interessenten vorweisen, um mitwirken zu können? Die Details.
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen