26.02.2016

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BdV-Ratgeber: Versicherungen zwischen gut, schlecht, günstig und überflüssig

Der Ratgeber "Gut und günstig versichert" wurde vom Bund der Versicherten (BdV) im Januar 2016 neu aufgelegt. Was versteht der BdV unter gut und günstig? Und was ist wohl schlecht und ungünstig?

Das Werk startet mit einer Bedarfsermittlung, die sehr holzschnittartig nach Lebensbereichen aufgegliedert ist. Insgesamt gibt es sechs Lebensabschnitte die von Schüler, Studenten, Auszubildende über Paare bis hin zu Rentner und Pensionäre reichen. Mit kleinen Plus-Symbolen wird die Wichtigkeit der empfohlenen Absicherung dargestellt. So brauchen Paare nach Meinung des BdV vor allem eine Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung, die das Prädikat "sehr wichtig" erhalten. Immerhin noch "wichtig" für Paare seien Risikolebens-, Unfall-, Hausrat- und Pflegezusatzversicherung.

Vorher gibt es übrigens einen interessanten Warnhinweis. So meint der BdV, dass das passende Altersvorsorgeprodukt von so vielen individuellen Faktoren abhängt, dass eine Bewertung nach Wichtigkeit nicht möglich sei. Umfassend werden dann die wichtigsten Schaden- und Unfallversicherungen sowie die Rechtsschutzpolice erläutert.

Nützliche Tipps
Der Ratgeber ist gut lesbar und leicht verständlich. Viele "Tipps" sind nicht nur wertvoll, sondern helfen sparen. So erläutert der Ratgeber, wie beispielsweise eheähnliche Gemeinschaften durch kluge Vertragsgestaltung bei der Risikolebensversicherung im Ernstfall die Erbschaftssteuer vermeiden. Zudem wird beispielsweise ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass Nebengebäude wie Garagen oder Gartenhäuser extra in die Wohngebäudepolice eingetragen werden müssen und der Kunde werterhöhende Ein-, An- oder Umbauten mitteilt.

Bei Elementar auf dem Holzweg
Allein bei der Elementarschadenversicherung behauptet der BdV weiterhin, dass es in Hochwasser "gefährdeten" Gebieten schwer sei, einen Schutz zu erhalten. Laut Branchenlobby gilt das aber nur noch für rund ein Prozent der Gebäude. Etwas veraltet ist auch der Hinweis auf die "Haushaltsversicherung" aus DDR-Zeiten, die Elementarschäden mit umfasst. Schon vor einigen Jahren hat die Allianz hier eine umfassende Sanierung der Bestände durchgeführt und viele Kunden auf neue Policen umgestellt.

Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) warnen die Verbraucherschützer vor Policen als Zusatz zu einer kapitalbildenden Versicherung. Sonst werde die Police unbezahlbar und Kunden riskierten ihren BU-Schutz. Staatlich geförderte Pflege-Bahr-Policen werden nur Kunden empfohlen, die aufgrund ihres Gesundheitszustands keinen Vertrag am freien Markt erhalten.

Erstaunlich sachlich
Die große Überraschung: Auch im Bereich der Altersvorsorge bleibt der Ratgeber sachlich und erläuternd. Politische Kritik findet nicht statt oder nimmt eine deutliche sanftere Form an, als man sie in der Ära des BdV-Chefs Axel Kleinlein eigentlich erwartet. So empfiehlt der BdV-Ratgeber lediglich in einem Tipp Vorsorge und Risikoabsicherung zu trennen. Vor allem bei der staatlich geförderten Altersvorsorge, also bei Riester-, Rürup- und Betriebsrente, bleibt der Ratgeber sachlich beschreibend. So heißte es zur Riester-Rente: "Von der Riester-Rente haben Sie ganz bestimmt schon in Presse, Funk und Fernsehen gelesen und gehört: Der Staat begünstigt Altersvorsorgeverträge, die aus Bank-, Versicherungs- oder Investmentprodukten bestehen. Gefördert werden ebenfalls Bausparverträge, Immobiliendarlehen sowie der Erwerb von Anteilen an Wohnungsbaugenossenschaften." Zu Fondspolicen heißt es: "Da Sie auch keinen Anspruch auf eine garantierte Erlebensfallleistung haben, müssen Sie bei diesen Verträgen ein besonders hohes Vertrauen in den Versicherer haben."

Ohne Vermittler-Bashing geht es wohl doch nicht
Etwas Vermittlerschelte ist dann doch noch zu finden. "Oft versuchen Versicherungsvertreter, Sie mit ihrer Überredungskunst zum Abschluss zu verleiten", heißt im Kapitel zu kapitalbildenden Lebensversicherungen. "Achten Sie darauf, dass nur die garantierten Leistungen für Sie zählen. Die von den Vertretern bevorzugt angeführten Überschüsse beschönigen nur."

Sehr interessant ist die Aussage zum privaten Rentenversicherung. "Von Versicherungsschutz kann nur gesprochen werden, wenn Sie Langlebigkeit als Risiko ansehen: Je länger Sie leben, desto häufiger muss der Versicherer Ihre Rente überweisen. Sterben Sie jedoch früh, zahlt sich diese Versicherung für Sie nicht aus." Hier ist die Botschaft etwas seltsam. Denn wer gesund ist, hat ja das Langlebigkeitsrisiko und braucht den "Versicherungsschutz". Das macht der Ratgeber an anderer Stelle auch deutlich. So werden Rentenpolicen mit Einmalzahlung tatsächlich empfohlen. Natürlich gibt es eine kleine Einschränkung: "Das kann aber nur interessant sein, wenn Sie kurz vor dem Ruhestand stehen und bei bester Gesundheit sind und auf ein sehr langes Leben hoffen können", so der BdV.

"Überflüssige Versicherungen"
Als überflüssig empfindet der BdV die Sterbegeldversicherung, Insassenunfallversicherung, Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr, Versicherungen gegen "häusliche Notfälle", die Handyversicherung, die Reisegepäckversicherung, die Krankenhaustagegeldversicherung, die Brillenversicherung und die Glasversicherung.

Unter dem Strich ist der Ratgeber, den man kostenlos aus dem Netz herunterladen kann, ein Werk, das Vermittler ihren Kunden in die Hand drücken oder zumailen können - auch wenn an vielen Stellen der Hinweis auf eine "BdV-Beratung" steht. Eigenwerbung muss wohl auch sein.

Bildquelle: © Edler von Rabenstein/ Fotolia.com
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

am 02.03.2016 08:15:44 von W.Strassnig: Langlebigkeit

Diese wird von den Verbraucherschützern generell in Frage gestellt.
Was von diesen noch in den 90. Jahren als irreal dargestellt wurde ist längst Realität.
Dazu sollte noch bedacht werden, das die Leute die sich eine Zusatzrente
leisten können (auch viele Besserverdienende und Privat Krankenversicherte, in der Regel eine bis zu 8 Jahre längere Lebenserwartung als der Durchschnitt haben.
Und dann sollte man Beamter sein oder über sehr sehr hohe Rücklagen verfügen
können.Da gibt es selbst bei Ärzten u. ä. (die eigene Versorgung wird ja auch wegen der niedrigen Verzinsung immer niedriger) Bedarf (Lebensstandard) an höherer Versorgung.
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