07.08.2015

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Kommentar: Wann Privat- und Betriebsrenten die Versorgung kürzen

Hinterbliebene reiben sich die Augen, wenn die Hinterbliebenen-Versorgung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) nach drei Monaten bis auf Null gekürzt wird. Betroffen sind von dieser Regelung ab 2002 geschlossene Ehen oder solche, wenn beide Ehegatten ab 1962 geboren sind.

In diesen Fällen werden 40 Prozent des zusätzlichen Nettoeinkommens angerechnet, also von der Hinterbliebenenversorgung abgezogen. Die Werbung der Versicherer für die „eigene Versorgung“ von Ehefrauen erweist sich dann als sicheres Verlustgeschäft.

Nur das Sozialhilfeniveau ist vor Kürzungen gesichert
Durch einen Freibetrag bleibt nur das Existenzminimum verschont, nämlich 755,30 Euro pro Monat in den alten Bundesländern und 696,70 Euro pro Monat in den neuen Bundesländern. Frei von Abzügen bleiben nur steuerfreie Einnahmen (zum Beispiel Arbeitslosengeld II, Grundsicherung im Alter, bei Erwerbsminderung und Sozialhilfe) sowie Riesterrenten.

Damit dürfte bei Betriebsrenten aus Entgeltumwandlung, Direktversicherungen wie auch bei Privatrenten die verbleibende "Rendite" - es dürfen vom Nettobetrag nach Steuern und Sozialabgaben nur 60 Prozent behalten werden - sofort ins Negative gehen. Es fragt sich, ob der Neuabschluss oder die Fortführung solcher Verträge sinnvoll ist, oder durch rechtzeitige Kündigung und Einmalzahlung dieser Effekt verhindert werden kann.

Eine Chance zur Rückabwicklung von Direktversicherungen
Die Lebensversicherer werben für eine eigene Vorsorge der - verheirateten - Frauen. Für Makler und Versicherungsvertreter stellt sich die Frage der Haftung, zum Beispiel wenn derartige Verträge mit Verlust gekündigt werden. Ebenso für Arbeitgeber: Gegebenenfalls wäre dies eine Chance zur Rückabwicklung von Direktversicherungen oder Entgeltumwandlungen, womit dann auch die Belastung mit den vollen GKV-Beiträgen im Alter als Rentner nicht mehr anfällt.

Will sich ein Privatrentner von seinem Vertrag lösen, wird ihm zugute kommen, dass rund 85 Prozent der Beratungen durch Vermittler nicht dokumentiert werden. Dies führt bis hin zur Beweislastumkehr im Haftungsprozess gegen den Vermittler. Die Nachteile bei der Hinterbliebenenversorgung werden von Arbeitgebern erst gar nicht benannt, oder von seinem Vermittler beraten, denn dies würde ja den Verkauf erschweren und größeren Aufwand bedeuten. Darin werden die Vermittler weder geschult noch ausgebildet, so dass die Aussichten für Rückabwicklungen oder Schadenersatz in derartigen Fällen überwiegend gut sein dürften.

Auch Finanzplaner kennen die Spielregeln selten
Ein zielführender Ansatz wäre, dass die Witwe arm an Einkünften ist und von der Witwenrente leben soll. Alles was man über den gesetzlichen Freibetrag erzielt, wird später zum Teil angerechnet, natürlich auch die eigene DRV-Rente.

Bei der Privatrente liegt ein Lösungsansatz darin, dass die Ehefrau auf eine Rente einbezahlt, für die sie begünstigt ist, aber auf das Leben Ihres Ehemanns, und die dann mit dessen Tod endet. Diese Rente ist dann höher als eine eigene lebenslange Rente und entfällt mit dem Tod weg. Damit ist sie also besser versorgt. Dies kann mit einer separaten Risikolebensversicherung mit fallenden Summen ab Rentenbeginn auf den Ehemann abgesichert werden.

Bei der Privatrente des Ehemannes wird dann keine Garantiezeit nach dem Tode und keine Hinterbliebenenrente vereinbart. Stattdessen wird eine höhere Rente gezahlt, für die die Frau begünstigt ist, bis zum Tod des Mannes.

Bei der eigenen DRV-Rente der Ehefrau können solche Anrechnungen auf die Hinterbliebenrente minimiert werden, indem darauf nichts zusätzlich freiwillig eingezahlt, der Rentenantrag erst später gestellt oder zunächst nur eine Teilrente beantragt wird, was den künftigen Rentenanspruch nochmals erhöht.

Wie die reiche Witwe auf dem Papier einkommensarm wird
Bei den Kapitaleinkünften kann sich die Frau von Zinseinnahmen verabschieden und stattdessen auf eine Anlage in Edelmetallen ausweichen, wie sogar als Goldsparplan islamkonform von iFIS Islamic Capital bei Stuttgart nicht nur für Muslime angeboten. Vermietete Immobilien können rechtzeitig verkauft werden. Die Ehefrau kann auf Entgeltumwandlung dann gerne verzichten – oder sich zeitnah abfinden lassen.
Jede Art von Kapital (Antiquitäten, Gold, Schmuck, Kunst oder Sammlerteppiche), das keine Zinsen oder laufende Erträge bringt, aber eine Wertsteigerung, ist unschädlich.

Ein Rentensplitting führt direkt dazu, dass der Witwenrentenanspruch gänzlich wegfällt. Dieses Vorgehen ist also grenzwertig, weswegen man genau rechnen muss. Auch dazu braucht es Sachverstand.

Einkommensarmut später noch verändern

Armut gemäß dem Steuerbescheid bedeutet für Ehefrauen, dass sie aber bis zum Tod des Mannes selbst auch gerne noch reich an Einkommen sein können, denn arm müssen sie erst später sein, also erst als Hinterbliebene. Eine Million und mehr in Schmuck, Gold, Diamanten, eigener selbstbewohnter Immobilie, Fremdwährungen oder Gemälden und Antiquitäten ist aber unschädlich. Im günstigsten Fall lässt sich Einkommensarmut auch noch bei einer steuerlich reichen Witwe später umgestalten, wenn nicht frühzeitiger disponiert wurde.

Bildquelle: © sp-pic / fotolia
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Autor(en): Rechtsanwalt Dr. Johannes Fiala, geprüfter Finanz- und Anlageberater (A.F.A.) und Diplom-Mathematiker Peter A. Schramm, Sachverständiger für Versicherungsmathematik
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

am 10.08.2015 10:39:32 von Jens Patze: Für 400 Euro Rente auf sämtliche Zusatzversorgungen verzichten?

Der Artikel greift wieder zu kurz. Polemisch wird die Anrechnung von weiteren Versorgungen negativ dargestellt. Ein Rechenbeispiel wäre gut gewesen.

Ob es sich lohnt, für z. B. 400 Euro monatliche Witwenrente auf eine angemessenen zusätzliche Absicherung zu verzichten ist fraglich.
Und wenn die Versorgung der Witwe anderweitig gesichert ist, kann man auf die 400 Euro Witwenrente auch verzichten. Und dann freut sich natürlich auch jeder, wenn die Sparbemühungen des Verstorbenen nicht umsonst waren, und eine Todesfallleistung aus der bAV oder anderen Absicherungen erfolgt. Natürlich muss man den Todesfall berücksichtigen, aber er stellt nicht das Hauptziel der Versorgungsberatung dar.

Zudem wird sich jeder Einbrecher über die Witwe freuen, wenn es eine Million an Gold, Schmuck und Diamanten zu holen gibt...

PS: Un der Staat freut sich natürlich über die Mehrwertsteuer beim Kauf von Diamanten...
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am 10.08.2015 15:52:17 von Dirk Franke: Schmarotzen auf Kosten der Solidargemeinschaft

Guter Tip -legen Sie doch eine Million in Diamaten an, um sich Ihre Witwenrente zu erhalten! Wissen Sie überhaupt von was Sie reden? Worin liegt der Sinn der Hinterbliebenenversorgung aus der GRV? Bestimmt nicht um das Zubrot zum Champagnertrüffel und das Trinkgeld für den Parkservice sicher zu stellen. Ist Ihnen überhauot bekannt wie viele Frauen mit unterbrochener Erwerbsbiographie heute in die Grundsicherung fallen?
Helfen Sie ruhig weiter der Personengruppe die Diamanten, Oldtimer Fremdwährunghorten können, dochwundernSie sich bitte nicht wenn der "böse" StaatzurFinanzierung des notleidenden Rentensystems eine Vermögenssteuer einführt.
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am 11.08.2015 15:52:17 von Jürgen Beiler: Guter Hinweis, aber Handlungsempfehlung realitätsfern

Der Beginn des Artikels ist ja gut und hilfreich zur Mehrung des Vermittlerwissens. Die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen sind aber nur für einen minimalen Kreis von Personen überhaupt darstellbar, von denen wiederum die meisten gar keine bAV - mangels Möglichkeit oder mangels Nutzwert - haben werden. Die Personen, für die aus dieser Verrechnung ein wirtschaftlich wirklich wichtiger Nachteil entstehen würde, liegen in ihrem Einkommen wahrscheinlich weit unter dem, was man haben müsste, um Ihren Handlungsempfehlungen sinnvoll nachkommen zu müssen. Ganz abgesehen von dem aus Ihren Anlageempfehlungen resultierenden Rattenschwanz an zusätzlichen Aufklärungspflichten. Wenn man sich dann nicht in höheren Einkommensklassen des Kunden bewegt, steht man meines Erachtens mit deutlich mehr in der Haftung, als mit der Nichtbeachtung der eventuellen Verrechnung.
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am 11.08.2015 15:52:17 von Jürgen Beiler: Guter Hinweis, aber Handlungsempfehlung realitätsfern

Der Beginn des Artikels ist ja gut und hilfreich zur Mehrung des Vermittlerwissens. Die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen sind aber nur für einen minimalen Kreis von Personen überhaupt darstellbar, von denen wiederum die meisten gar keine bAV - mangels Möglichkeit oder mangels Nutzwert - haben werden. Die Personen, für die aus dieser Verrechnung ein wirtschaftlich wirklich wichtiger Nachteil entstehen würde, liegen in ihrem Einkommen wahrscheinlich weit unter dem, was man haben müsste, um Ihren Handlungsempfehlungen sinnvoll nachkommen zu müssen. Ganz abgesehen von dem aus Ihren Anlageempfehlungen resultierenden Rattenschwanz an zusätzlichen Aufklärungspflichten. Wenn man sich dann nicht in höheren Einkommensklassen des Kunden bewegt, steht man meines Erachtens mit deutlich mehr in der Haftung, als mit der Nichtbeachtung der eventuellen Verrechnung.
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