10.10.2015

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
   NEWSLETTER

Der lange Marsch in die digitale Transformation

Innovation ist kein Sprint, sondern ein Marathon - dies hat die Assekuranz seit einiger Zeit erkannt und erste Maßnahmen für die Zukunft ergriffen. Auf dem 15. Partnerkongress der Versicherungsforen Leipzig diskutierten über 350 Experten, wie die digitale Transformation der Branche gelingen kann. Dabei ging es nicht nur um reine Produktneuerungen, die neue Kundensegmente in Aussicht stellen, sondern vielmehr um Geschäftsmodellinnovationen, die langfristigen Erfolg versprechen.

In der Eröffnungskeynote gab Martin Pluschke von der Ergo Direkt einen Einblick in seine Überlegungen zur fortschreitenden Digitalisierung. Für ihn spielt der Wandel eine wichtige Rolle, denn der zentrale Erfolgsfaktor für die digitale Transformation, die durch die Entwicklung unserer Gesellschaft unausweichlich sei, sei eine fundamentale Erneuerung der gesamten Organisation. Pluschke appellierte an die Branche, mutig zu sein und eine Kultur des Scheiterns zu leben. Belohnt werde heute nicht mehr derjenige, der auf sicher spiele. Im Gegenteil müssten neuen Entwicklungen und einem damit einhergehenden Wandel Raum gegeben werden, auch wenn nicht im Vorhinein sämtliche Daten und Informationen bekannt seien. Außerdem wies Pluschke darauf hin, dass Erneuerungen immer auch Zeit brauchen und nicht kurzfristig Deckungsbeiträge erwartet werden dürften.

Wie lernt man von den Kleinen?
Das Konzept der Acceleratoren, Labs und Inkubatoren hat in den vergangenen Monaten in der Branche Einzug gehalten und wird von einigen Versicherern als gute Möglichkeit gesehen, die eingefahrenen Strukturen aufzubrechen. Die Zusammenarbeit mit Start-ups verspricht neue Blickwinkel, Arbeitsansätze und Ideen, die auf das eigene Geschäft übertragen werden können. Bernd Scharrer vom Allianz Digital Accelerator und Roland Farnbacher (Ergo Direkt iLab) berichteten von ihren Erfahrungen in diesem Bereich. Während die Allianz in ihrem Accelerator Talente unterstützt, die mit ihrer (Unternehmens-)Idee noch am Anfang stehen, setzte das Ergo Direkt iLab auf Ideenfindung innerhalb des Unternehmens. Mit einem Inside-out-Ansatz sollen dabei neue Ideen generiert und verprobt werden.

Blick über den Tellerrand

Einblicke in andere Branchen, in die Bedürfnisse und Sichtweisen der Kunden vermittelte der Partnerkongress anhand dreier verschiedener Themenwelten, die besondere Zukunftschancenfür die Assekuranz bergen:
  • Die Themenwelt "Mobilität" griff ein Thema auf, dass nach wie vor weit oben auf der Agenda vieler Branchen steht. Christian Helwig vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband betonte, dass der Kunde immer selbstbestimmter in der Wahl der Kommunikationskanäle werde. Unternehmen müssten den Kunden daher dort bedienen, wo dieser mit dem Unternehmen in Kontakt treten möchte und nicht umgekehrt. Auch wenn der persönliche Kundenkontakt gerade in der sensiblen Finanzdienstleistungsbranche nicht gänzlich verschwinden werde, gewönnen Kommunikationskanäle wie Apps an Relevanz.
  • In der Themenwelt "Individualisierung & Lifestyle" ging Michael Sandvoss, Head of Luxury and Lifestyle bei der Axel Springer Media Impact GmbH & Co. KG, auf Lebensstile in der digitalisierten Welt ein und zeichnete ein Bild des heutigen Kunden. In der Smartphone-Generation herrsche das On-demand-Prinzip. Alle Inhalte müssten sofort verfügbar sein, was Sandvoss als "digitalen Sofortismus" bezeichnete. Gleichzeitig wünschten sich Kunden individualisierbare Produkte und Services. Unternehmen stelle dies vor große Herausforderungen: Sie müssten den Spagat zwischen Individualisierung und Standardisierung meistern und dabei dem Wunsch der Kunden nach Einfachheit und Transparenz gerecht werden.


Markus Rosenbaum, Geschäftsführer der Versicherungsforen Leipzig, übersetzte dieses Kundenbild für die Versicherungswirtschaft. "Super-Individualisierung in der Assekuranz: Ist das möglich?" Nein, heiße es vielfach in der Diskussion um Pay-as-you-live-Tarife in der Lebens- oder Krankenversicherung. Super-individuelle Tarife würden das Prinzip der Versicherung infrage stellen. Dies sei zu kurz gegriffen, machte Rosenbaum deutlich. Der Risikoausgleich im Kollektiv sei weiterhin gewährleistet, denn er erfolge im Kollektiv selbst, indem risikoarme Elemente diejenigen mit einer hohen Risikowahrscheinlichkeit ausbalancierten. Zudem minimiere sich das Kumulrisiko, wenn kein homogenes Versicherungskollektiv vorliege.

Gesetzgeber könnte eingreifen
Die Grenzen lägen demnach nicht in der Versicherungstechnik, sondern eher im Faktischen, etwa dort, wo Bevölkerungsteile systematisch vom Versicherungsschutz ausgeschlossen würden, etwa weil so genannte schlechte Risiken kein Vertragsangebot mehr erhielten oder einen prohibitiv hohen Preis bezahlen müssten (z.B. Vermögensschadenhaftpflichtversicherung für Hebammen). Rosenbaum erwartet, dass der Gesetzgeber dann eingreifen werde, wenn die Superindividualisierung zu Marktunvollkommenheiten führen werde.

  • Die Themenwelt "Connectivity" beschäftigte sich mit einer Entwicklung, der in immer mehr Bereiche des Alltags eindringt. Die digitale Vernetzung beeinflusst die Gesellschaft und die Wirtschaft wie kaum ein anderer Trend. Professor Dr. Andreas Dengel (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) betonte, dass heutzutage nahezu jedes reale Ereignis augenblicklich mit der digitalen Welt verbunden werde. Die Digitalisierung erzeuge eine neue Qualität von Konnektivität. Diese Entwicklung sei jedoch keineswegs nur eine technologiegetriebene, sondern vielmehr ein sozialer Prozess.

Weitere Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie unter www.versicherungsforen.net/partnerkongress

Bildquelle: © Wavebreak media/gettyimages thinkstock
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Katharina Thiemann, Versicherungsforen Leipzig
Diskutieren Sie über diesen Artikel:

FIRMEN RECHERCHIEREN


BranchenIndex - B2B-Firmensuche für Industrie und WirtschaftDie B2B-FIRMENSUCHE für Industrie und Wirtschaft
In Kooperation mit der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH

Kostenfrei in über 300.000 Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren:


 » Zur Business-to-Business-Firmensuche
MEHR ZUM THEMA
Das neu gegründete Data Innovation Lab der Axa Deutschland hat drei große Ziele: Kundenbedürfnisse frühzeitiger erkennen, Beziehungen zu Kunden vertiefen und helfen, effizienter zu arbeiten. Das Data Innovation Lab versteht sich als Begegnungsfläche für Analytik, in der...  » mehr
26.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Anlässlich der Zehn-Jahr-Feier der DFV Deutschen Familienversicherung am 21. April in der Alten Oper in Frankfurt am Main meinte deren Vorstandsvorsitzender und Gründer Dr. Stefan M. Knoll, dass die DFV das "einzige echte wirklich funktionierende Insurtech Deutschlands" sei....  » mehr
25.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Innovationen und neue Geschäftsmodelle in der Assekuranz VERANSTALTUNG
Die Versicherungsbranche befindet sich bereits seit ihren frühesten Anfängen in einem ständigen Wandel, der durch Anpassungsprozesse an eine sich technologisch und wirtschaftlich weiterentwickelnde Gesellschaft zustande kommt. Doch nie zuvor sahen sich die Führungskräfte der...  » mehr
18.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Dass Versicherer neue Produkte auf den Markt bringen, ist nichts Besonderes. Dass aber von der Produktidee bis zur Markteinführung nur 60 Tage vergehen, schon. Die Roland Rechtsschutzversicherung testet derzeit in einem Pilotprojekt ein Produkt, mit dem Kunden ihren privaten...  » mehr
18.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Künstliche Intelligenz und die Mensch-Maschine-Kommunikation bieten Unternehmen vielfältige Einsatzmöglichkeiten, etwa im Kundenservice. Die Deutschen begegnen diesen aber reserviert.  » mehr
15.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
Jungmakler im Dialog VERANSTALTUNG
Auf der Veranstaltung steht der Dialog der Jungmakler untereinander im Fokus. Erfahrungsaustausch, Netzwerken, Best Practice - dies sind nur ein paar der Schlagworte, die die Veranstaltung prägen werden. Im Rahmen der startenden AKS-Tour findet im Swissotel in Neuss ein...  » mehr
11.04.2017
   WebTV   Bildergalerie  
 
 LOGIN
Benutzername
Passwort
 
Fahrerassistenzsysteme
Die Zukunftsstrategien der Versicherer Die Zukunftsstrategien der Versicherer

Die 3. Internationale ATZ-Fachtagung Automatisiertes Fahren, die von Versicherungsmagazin und der Zeitschrift ATZ veranstaltet wird, beschäftigt sich mit den Trends Telematik, Fahrerassistenzsysteme und autonomes Fahren. Diskutiert wird dort auch über: Versicherungskonzepte für automatisiertes Fahren, Innovationen in der Kfz-Versicherung, Neue Mobilität und traditionellen Versicherer. Auf dieser Tagung erwarten Sie spannende Vorträge hochkarätiger Experten aus der Versicherungs- und Automobilbranche.
Agentur-Champions 2017
Versicherungsagenten beurteilen ihre Versicherer Versicherungsagenten beurteilen ihre Versicherer

Es gibt viele Gründe, warum Agenten für ihren Versicherer tätig sind und Produkte vermitteln. In dieser Partnerschaft können Versicherer punkten, wenn sie einen guten Service bieten. Welche Unternehmen nehmen diese Aufgabe ernst und bei welchen besteht Verbesserungsbedarf? Helfen Sie mit, den Markt transparenter zu gestalten. Die anonyme Online-Befragung dauert nur wenige Minuten.
Innovationspreis
Auf der Suche nach neuen Ansätzen Auf der Suche nach neuen Ansätzen

Zum vierten Mal sucht Versicherungsmagazin in Kooperation mit den Analysten von Morgen & Morgen die innovativsten neuen Versicherungsprodukte. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es einige Neuerungen. Einsendeschluß für Bewerbungen zum Innovationspreis der Assekuranz ist der 31. Mai 2017.
Award
Unternehmer-Ass 2017 Unternehmer-Ass 2017

Auch 2017 wird der renommierte Unternehmer-Ass-Award für die beste deutsche Versicherungsagentur und den besten deutschen Versicherungsmakler verliehen. Die Teilnahme ist bis 30. April möglich.
NEWSLETTER
Newsletter Der Versicherungsmagazin Newsletter informiert Sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Versicherungsszene. Natürlich kostenlos!

  
VM digital
Versicherungsmagazin als E-Magazin Versicherungsmagazin als E-Magazin

Digital, interaktiv, mobil: Ab sofort erhalten alle Abonnenten das neue E-Magazin kostenlos zusätzlich zu jeder gedruckten Ausgabe.
Award-Bewerbung
So bewerben Sie sich für einen Award! So bewerben Sie sich für einen Award!

Sie kennen bereits die drei Awards von Versicherungsmagazin: „Makler-Champions“, „Innovationspreis der Assekuranz“ und „Vorbildlicher Finanzvertrieb“. Doch wie sehen die Prüfkriterien für diese Awards im Detail aus? Wer kann sich bewerben und welches Profil müssen die Interessenten vorweisen, um mitwirken zu können? Die Details.
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen