Anlagegeschäft - Etwas mehr Spannung, bitte

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Fehlendes Fachwissen und begrenztes Interesse an Finanzthemen führt meist zu Fehlentscheidungen. Wie die Weitergabe familiärer Erfahrungen und Wertvorstellungen die Geldanlage negativ beeinflussen kann.

Die Bereitschaft und Fähigkeit, sich mit Geldanlagen auseinanderzusetzen, ist bei den Bundesbürgern nur schwach ausgeprägt. Eine Studie im Auftrag von Union Investment ergab, dass der in der Familie tradierte Erfahrungsschatz über den Umgang mit Geld häufig zu fehlerhaften Entscheidungen führt. „Der Umgang mit Geld wird nachhaltig von der Familie geprägt“, sagt Professor Rolf von Lüde, wissenschaftlicher Begleiter der Studie sowie Professor an der Universität Hamburg. „Deshalb fällt es vielen Menschen schwer, sich von vorgegebenen Bahnen eines "richtigen" Sparverhaltens zu lösen, auch wenn das vielleicht notwendig wäre.“

Abgeguckt und nachgeahmt
Die im Familienkreis übliche Vereinfachung durch Daumenregeln und Glaubenssätze ermöglicht zwar eine schnelle Orientierung bei der Geldanlage, doch meist sind negative Entscheidungen die Folge. Denn die wirtschaftliche Realität verändert sich und die Schlussfolgerungen, die aus Erfahrung getroffen wurden, sind meist nicht an die aktuellen Umstände angepasst. Eine weitere wichtige Rolle bei der Vermittlung von Finanzwissen spielt die Tatsache, dass der Umgang mit Geld unbewusst vorgelebt wird, denn Kinder lernen durch Beobachtung und Nachahmung. Inkonsistentes Rollenverhalten innerhalb der Familie erschwert die Orientierung, vergrößert die Unsicherheit und führt zu widersprüchlichem Verhalten. „Kinder lernen zunächst durch die Familie die Regeln, Konventionen und Wertvorstellungen der Gesellschaft“, sagt von Lüde. Der Einfluss von Emotionen und Symbolen ist ebenfalls über Generationen stabil. So sind Geld und damit zusammenhängende Symbole wie das Sparschwein, ein Sparbuch oder das erste Girokonto bis zum Erwachsenenalter sehr positiv besetzt. Erst ab einem bestimmten Alter verändert sich die positive Einstellung, wenn Geldanlagen zur Last werden und damit auch bei vielen Menschen die Bereitschaft sinkt, sich damit auseinanderzusetzen.

Brücken bauen für die Geldanlage
Da Familien ihrer Rolle als Vermittler des finanziellen Basiswissens nur eingeschränkt nachkommen können, weil ihnen das Fachwissen fehlt und sie sich eher auf Erfahrungswissen stützen, werden Anleger gehindert, bestmögliche Entscheidungen zu treffen. Weiter haben diese nur begrenzt Zeit, Lust und auch Fachwissen, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Die wenigsten Deutschen gehen bei ihrer Geldanlage nach dem Lehrbuch vor“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment. Sie horten ihr Erspartes in Anlageformen, die sich über Generationen bewährt haben, aber in Zeiten niedriger Zinsen die Renditeerwartungen nicht mehr erfüllen können. „Wir müssen Brücken bauen, damit Privatanleger nicht von vornherein Anlageformen ausschließen, die grundsätzlich zu ihnen passen und Nutzen stiften können“, so Reinke. Anlageberater müssen Glaubenssätze und Binsenweisheiten, die den Umgang mit Geld prägen, ernst nehmen. Der emotionalen Seite sollte mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, um der lästigen Pflicht eines „Low-Interest“-Themas wieder den Aspekt des Spannenden und Reizvollen zu verleihen. Professor von Lüde sieht auch die Schulen in der Pflicht: „Das allgemeinbildende Schulsystem darf den zentralen gesellschaftlichen Bereich der Finanzbildung nicht länger ignorieren.“

Quelle: Union Investment
Bildquelle: © Werner Dreblow / Fotolia.com

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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