Autoversicherung: Rabattkampf bei Wechselkennzeichen

Für Autofahrer, die zwei Fahrzeuge mit einem Wechselkennzeichen zulassen, gibt es bei einigen Kfz-Versicherern künftig hohe Rabatte. "Bei der Versicherung von Wechselkennzeichen räumen wir einen nach Fahrzeug- und Versicherungsarten differenzierten Beitragsnachlass von bis zu 25 Prozent ein", bestätigt beispielsweise DEVK-Vorstand Engelbert Faßbender. Der Nachlass gilt je Vertrag für beide Wechselfahrzeuge, solange diese bei dem Kölner Versicherungsunternehmen versichert sind. Auch Huk-Coburg, LVM, Aachen-Münchener, Zurich sowie Allianz haben Sonderkonditionen angekündigt.

Die Zulassung von Fahrzeugpärchen mit einem Wechselkennzeichen ist ab dem 1. Juli möglich. Das Hauptnummernschild muss immer an dem Fahrzeug befestigt sein, mit dem der Autofahrer unterwegs ist. Für Haushalte, die zwei Fahrzeuge besitzen, diese aber meist nicht gleichzeitig nutzen, könnte die neue Zulassungsart interessant sein.

Nach neuem Recht können aber nur Fahrzeuge der gleichen Gruppe mit einem gemeinsamen Wechselkennzeichen ausgestattet werden. In die Gruppe der Pkw fallen Cabrios, Reisemobile oder Oldtimer. Außerdem können zwei Motorräder oder zwei Anhänger mit einem Wechselkennzeichen ausgestattet werden. Steuerliche Vorteile, wie sie in der Schweiz und Österreich üblich sind, gibt es aber in Deutschland nicht. Lediglich die die Versicherung kann günstiger werden. Und hier entscheidet der Wettbewerb.

Noch halten sich Versicherer zurück
Noch machen nicht alle Kfz-Versicherer mit. So gibt es beispielsweise bei Axa, Ergo, Gothaer, VHV oder Provinzial Rheinland keine Rabatte. Diese Versicherer argumentieren, dass die geringere Fahrleistung von wechselseitig genutzten Fahrzeugen längst in den Beiträgen berücksichtigt werde. Viele Versicherer fürchten anscheinande den Einstieg in einen ruinösen Wettbewerb. Noch immer machen die Autoversicherer Minus. Für 2012 solle es sich nach einer Schätzung der Gen Re aus Köln auf 800 Millionen Euro belaufen.

Wechselkennzeichenrabatte dienen den Versicherern derzeit vor allem dazu Neukunden zu gewinnen und Altkunden zu halten "Außer dem Beitragsnachlass bieten wir eine Vergünstigung bei der Einstufung in die Schadenfreiheitsklasse an", erläutert DEVK-Mann Faßbender. Wer ein Wechselkennzeichen nutzt, erhält für einen zusätzlichen Zweitwagen dieselbe Rabatt-Stufe wie für den Erstwagen. Das sei deutlich vorteilhafter als eine Einstufung mit Zweitfahrzeugrabatt. "Die bessere Rabattklasse gilt natürlich nur, wenn und solange beide Wechselfahrzeuge bei uns versichert sind", so Engelbert. Vorreiter für hohe Nachlässe könnte zudem die ADAC-Autoversicherung werden. An der Club-Police ist die Zurich mit 51 Prozent beteiligt. Auch sie dürfte daher höhere Nachlässe auf Markt bringen.Der Autoclub hatte sich in der Vergangenheit immer für Wechselkennzeichen stark gemacht. Mit ihrer Einführung soll der Kauf von Kleinwagen und Elektrofahrzeugen für die Stadt forciert werden, so das Bundesverkehrsministerium.

Umsteigemöglichkeit für treue Kunden
Während in der Schweiz zehn Prozent aller Autobesitzer ein Wechselkennzeichen nutzen, dürfte die Nachfrage in Deutschland deutlich geringer ausfallen. Der Bundesrat rechnet anfänglich nur mit 54.000 Kunden. Die Assekuranz lässt einen Umstieg ab Juli auch unterjährig zu - solange die Kunden treu bleiben. Wer den Kfz-Versicherer verlassen will, weil es anderswo bessere Konditionen für Wechselkennzeichen gibt, der muss bis 2013, also bis zum Auslaufen des regulären Vertrages warten.

Hohe Rabatte allein sind übrigens kein Garant für einen günstigen Vertrag. Unter Umständen können zwei Einzelversicherungen preiswerter sein, als ein rabattierter Wechselkennzeichentarif. Am Markt gibt es immer noch große Preisunterschiede. Zudem wird für die Neuzulassung pro Fahrzeug über 30 Euro Gebühren fällig, hinzu kommen die Kosten für vier Halterahmen und zwei Wechselkennzeichen. Außerdem darf das ruhende Fahrzeug nur auf privatem Gelände abgestellt werden. Dort genießt es immerhin Kaskoversicherungsschutz, etwa gegen Diebstahl, Brand oder Hagel.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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