Bis zu einem Drittel wird in Leben umverteilt

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Die Lebensversicherungen bieten allen Unkenrufen zum Trotz eine attraktive Verzinsung der Kundenguthaben, so die aktuelle Übersicht im Map-Report. Sowohl wer früh kündigt als auch wer den Vertrag bis zum Ende durchhält, wird besonders gut bedient.

Die laufenden Verzinsungen in der Lebens- und Rentenversicherung sind marktweit gesenkt worden. Dabei spielt auch eine Rolle, dass viele Versicherer noch Altverträge in den Beständen haben, in denen bis zu 4,0 Prozent Garantiezins zu gewährleisten sind, die von der Mehrheit der Versicherer derzeit nicht mehr erwirtschaftet werden. Die notwendigen Zinszusatzreserven belasten jüngere Verträge. Wie sich das auswirkt, macht Analyst Manfred Poweleit in seiner Analyse der Lebensversicherungs-Deklarationen (Map-Report Heft 853-854) deutlich.

Nur zwei Versicherer bedienen alle Tarifgenerationen gleich
Beispielsweise in der Kapitallebensversicherung können derzeit nur noch Targo und Ideal durchgängig 4,0 Prozent laufende Verzinsung gewähren. Beim Versicherer HDI dagegen werden den jüngsten Verträgen mit 1,75 Prozent Garantiezins insgesamt 3,0 Prozent gutgeschrieben. Auch Kunden mit 2,25 Prozent Garantiezins erhalten dieselbe Gutschrift, dagegen diejenigen mit 2,75 Prozent auch nur diesen Satz. Altkunden mit 3,25, 3,5 und 4,0 Prozent erhalten jeweils diesen Satz. Daraus errechnet der Map-Report eine durchschnittliche Verzinsung von 3,21 Prozent.

Auch im Gesamtmarkt steigt die laufende Verzinsung, wenn man den Durchschnitt aller Tarifgenerationen und ihre jeweils unterschiedlich hohen garantierten Verzinsungen betrachtet. Bezogen auf die jüngste Generation liegt der Mittelwert von 60 verglichenen Lebensversicherern bei 3,38 Prozent, im Mittel aller Tarifgenerationen dagegen bei 3,50 Prozent.

Erhebliche Umverteilungen im Bestand
Umverteilungen finden aber nicht nur innerhalb der Tarifgenerationen mit ihren unterschiedlichen Garantiezinsen statt. Wesentlich bedeutsamer sind die Umverteilungen innerhalb der Kollektive nach der Dauer der durchgehaltenen Vertragslaufzeit. Hier zeigt sich eine Zweiteilung: Begünstigt werden sowohl diejenigen, deren Verträge entweder aktuell ablaufen oder frühstorniert werden sowie diejenigen, die ihre Verträge generell bis zum Ende durchhalten.

Der erstgenannte Effekt ist auf die gesetzliche Beteiligung der Versicherten an den Bewertungsreserven zurückzuführen. Poweleit zeigt auf, dass im Jahr 2014 allein 10,5 Prozent der Gesamtverzinsung auf solche oft nur vorübergehende Reserven zurückzuführen sind, die vor allem durch die aktuelle Marktlage entstehen. Denn ältere hoch verzinste Anlagen werden angesichts der derzeitigen Magerzinsen deutlich teurer am Markt gehandelt – dieser Aufschlag verflüchtigt sich aber bei Anleihen vollständig zu deren Ablauf hin. Das heißt dass Lebensversicherungskunden derzeit Arbitrage betreiben können, also sich einen zeitbefristeten Vorteil verschaffen können, wenn sie entweder das Glück haben, dass ein alter Lebensversicherungsvertrag aktuell abläuft, oder aber wenn sie einen jüngeren Vertrag aus welchen Gründen auch immer vorzeitig kündigen. Diese Arbitrage geht zu Lasten derjenigen Versicherten, deren Verträge weder kurzfristig fällig sind noch vorzeitig abgebrochen werden – sie werden künftig entsprechend weniger erhalten können.

Mehr als jeder zehnte Euro für vorübergehende Vorteile
Der Anteil der Bewertungsreserven an der Gesamtverzinsung ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen, 2013 waren es immerhin auch schon 10,2 Prozent. Den höchsten Anteil an der Gesamtverzinsung machen die Bewertungsreserven bei der Sparkassenversicherung Sachsen mit 31,7 Prozent aus. Auch bei Targo, Saarland, Nürnberger Beamten, LV 1871, VHV und Postbank werden über 20 Prozent Anteil erreicht. Keine Beteiligung an Bewertungsreserven haben derzeit Kunden bei Provinzial Nordwest, Ergo Direkt und HDI zu erwarten.

Rückläufig ist dagegen ein anderer Anteil an der Gesamtverzinsung, den man auch als Umverteilung innerhalb eines Versicherungskollektivs betrachten kann. Der Schlussgewinnanteil belohnt diejenigen Kunden, die ihre Verträge bis zum Schluss aufrechterhalten. Marktweit ist der Anteil von 8,1 auf 7,5 Prozent gesunken. Den höchsten Anteil weist VGH mit 23,8 Prozent auf, bei Huk-Coburg, Ideal, Familienfürsorge und Provinzial Nordwest werden jeweils mindestens 15 Prozent aus dieser Quelle zur Gesamtverzinsung beigesteuert. Keinen Schlussgewinnanteil gibt es derzeit bei Swiss Life.

Umverteilungsanteile von vier bis 35 Prozent
Die Bandbreite der Umverteilungen in den Versicherungsbeständen ist enorm. Die geringste Umverteilung oder anders ausgedrückt den höchsten Anteil an laufenden Verzinsungen an der Gesamtverzinsung weist Mylife mit knapp 96 Prozent auf. Auch Ergo, Concordia, Swiss Life, Generali, Bayerische, Oeco Capital und die beiden DEVK-Gesellschaften liegen jeweils bei mindestens 90 Prozent Anteil der laufenden Verzinsung.

Am anderen Ende steht die Sparkassenversicherung Sachsen mit nur 64,9 Prozent Anteil der laufenden Verzinsung, der Rest steckt in Beteiligungen an Bewertungsreserven und dem Schlussgewinnanteil. Auch bei VGH sind es knapp unter und bei Nürnberger Beamten genau 70 Prozent Anteil.

Im Ergebnis fallen damit die Gesamtverzinsungen sehr unterschiedlich aus und liegen zwischen 3,3 Prozent (Swiss Life) und 5,42 Prozent (Ideal). Selbst wenn man berücksichtigt, dass Verzinsungen nicht auf den vollen Beitrag des Kunden gewährt werden, sondern der Zinsträger durch Risiko-, Verwaltungs- und Abschlusskosten gemindert wird, bleiben im Marktvergleich attraktive Überschüsse übrig.

Autor(en): Matthias Beenken

 

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