BVK und GDV: Moratorium zur „Provisionsdeckelung“ vereinbart

Ein Moratorium zum Thema „Provisionsdeckelung“ hat der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vereinbart. „Wir arbeiten derzeit mit dem Maklerverband an einer Lösung, wie künftig Provisionen für den Verkauf von Lebensversicherungen geregelt werden sollen“, sagte BVK-Präsident Michael Heinz zum Auftakt der Tagung Zukunftsforum Assekuranz´2013 des BusinessForum21 in Köln.

Der Kompromissvorschlag werde Ende November dem GDV vorgestellt. „Bis dahin haben wir die Zusicherung, dass keine weiteren Schritte unternommen werden“, so Heinz. Der GDV hatte im Juli in einer Mitgliederumfrage unter Lebensversicherern angeregt, die Provisionshöhe zu deckeln und die Stornohaftung für Vermittler zu erweitern. Der GDV will, dass die Regierung ein solche Modell gesetzlich festlegt. Ein ähnliches Gesetz hatte der Verband der privaten Krankenversicherer (PKV-Verband) 2012 durchgesetzt. „Ein zweites Mal wird es keine gesetzliche Beschneidung der Verdienstmöglichkeiten geben“, betonte Heinz. Der BVK werde dies mit allen Mitteln bekämpfen.

Wollen keine weiteren unzulässigen Eingriffe zulassen
Gegenüber dem PKV-Verband erhob Heinz schwere Vorwürfe. „Wir wurden damals belogen“, so Heinz. So habe der PKV-Verband fälschlicherweise suggeriert, dass ohne seine Initiative der Gesetzgeber eine viel strengere Regelung eingeführt hätte. Einen weiteren unzulässigen Eingriff in den freien Beruf der Versicherungsvermittler werde der BVK nicht zulassen. Es gebe auch keine Verdienstregulierung bei Metzgern, Bäckern oder Autohändlern. Viele mittelständische Lebensversicherer fühlten sich durch das Vorgehen des GDV „gefoult“.

Nach Einschätzung von Heinz gehe die Initiative zur Provisionsdeckelung von einigen großen Versicherern aus, die vom privaten Vorsorgegeschäft relativ unabhängig seien. Die Assekuranzen würden möglicherweise darauf bauen, dass politisch andere Zugänge zum Kunden eröffnete würden. „Möglicherweise setzen sie auf ein Opting-Out-Modell in der betrieblichen Altersversorgung“, so Heinz. Rückendeckung erhielt Heinz von Norman Wirth vom AfW Bundesverband Finanzdienstleistung. Uns ist es gelungen, alle Maklerpools an einen Tisch zu bekommen“, so Wirth.

Anfang September hatten sich 17 Pools gegen einen gesetzlichen Eingriff zur Begrenzung der Höhe der Provisionen ausgesprochen. Sie hatte zudem für einen unabhängigen Versicherungsmakler votiert, der ausschließlich im Interesse seiner Kunden handelt, während abhängige Versicherungsvertreter durch Ausschließlichkeitsorganisationen der Versicherer subventioniert würden.

Google will nur „vorsichtig“ in den Markt

Gleichzeitig dürften Versicherungsvergleichsportale im Internet bald heftige Konkurrenz bekommen. Alexander Zerdick, Direktor bei Google in Hamburg, bestätigt das Interesse des Suchmaschinenbetreibers im deutschen Markt als Versicherungsvermittler tätig zu werden. Wir wollen nicht als Makler auftreten und haben auch kein Interesse am Kunden um Folgegeschäft zu generieren“, sagte Zerdick. „Wir wollen aber den Kunden die Chance geben, künftig über uns das beste Produkt zu bekommen“, so der Google-Manager weiter. Ein solcher Einstieg ins Vermittlungsgeschäft mit Kfz-Versicherungen sei viel mehr Wert als die bisherige Werbung, die rund um Vergleichsportale geschaltet wird.

User wollen nur ein Formular ausfüllen
Nach Ansicht von Detlef Frank, Mitglied des Vorstandes des Onlineversicherers HUK24 und Björn Weikert, Vorstand des Vergleichsportals Check24, würde der Einstieg von Google keinen neuen Markt schaffen, sondern nur zu einer Umverteilung der Kunden führen. Für 2013 rechnet Schweikert damit, dass über alle Vergleichsportale zusammen deutlich über eine Million Verträge verkauft werden. Das seien rund 15 Prozent des gesamten Neugeschäfts. Check24 würde derzeit wieder überproportional wachsen. Vergleichsportale erlaubten den Versicherern einen viel effizienteren Zugang zum Kunden als klassische Vertriebswege. Der Marktanteil werde noch zunehmen. Das glaubt auch Google-Manager Zerdick: „Die User mögen es, wenn sie leidglich ein Formular ausfüllen müssen.“

Wollen keine persönlichen Daten zur Preisfindung heranziehen
Google suche derzeit nach einer Lösung, noch besser als bisherige Vergleichsportale den besonders guten Versicherer für den Kunden zu finden. „Wenn wir in den Markt einsteigen, werden wir sehr vorsichtig sein und uns erst einmal wie in Großbritannien aufstellen“, erläuterte Zerdick. Kategorisch schloss er aus, dass beim Vergleich auch persönliche Daten aus der Suchmaschine mit zur Preisfindung beim Versicherungsabschluss herangezogen werden. „Die Daten aus dem Browser sind viel zu ungenau. Eine solche Tarifierung wäre viel zu riskant“, meinte Zerdick. Zudem sei eine solche Auswertung datenschutzrechtlich kaum möglich.

Bild: © Christian Riedel /

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

 

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