DKM 2015: Schlechte Zeiten für Schnäppchenjäger

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Digitalisierung, Niedrigzinsen, Demografie und Nachfolgeproblematik sind einige Themen, die die Besucher am ersten Tag der DKM in Dortmund bewegten. Ruhiger, weniger laut und marktschreierisch, weniger Schnäppchenjägern, mehr qualifizierte Gespräche - so der erste Besuchseindruck. Die Zahl der Kongresse hat sich von zwölf auf 17 erhöht. Neu hinzugekommen sind Generationenberatung, Growth and Value, Prozessoptimierung, Vergütungsmodelle sowie Expansion und Nachfolge.

15 Aussteller mehr als im Vorjahr, also 284 gesamt, sind dieses Jahr laut Messechef Dieter Knörrer von der bbg Betriebsberatungs GmbH bei der DKM vertreten. Wer durch die Hallen schlenderte, konnte den Zuwachs allerdings nicht so recht wahrnehmen. Die Zahl der Ruhezonen und so genannten Meetingpoints hat sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Besucher, die wie früher hofften, Schneeschaufeln, Besen oder ähnliches mit nach Hause nehmen zu können, wurden enttäuscht, denn sperrige Werbegeschenke sind auf der diesjährigen DKM Tabu. Hier macht sich wohl auch verstärkt die gewachsene Rolle der Compliance bemerkbar. "Die Qualität der Besucher ist von Jahr zu Jahr gestiegen"“, stellte Knörrer fest.

Gleiches Recht für alle

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) nutzte den Messeauftakt traditionell, um die Themen, die seinen Mitgliedern unter den Nägeln brennen, anzusprechen. BVK-Präsident Michael H. Heinz erläuterte, warum der BVK juristisch gegen das Vergleichsportal Check24 vorgeht. Der Verband hat im September 2015 vor dem Landgericht München wegen unlauteren Wettbewerbs Klage eingereicht. Er wirft dem Unternehmen vor, nur scheinbar Preisvergleiche anzubieten, in Wirklichkeit aber Versicherungsverträge abzuschließen, ohne die gesetzlichen Anforderungen für Versicherungsvermittler einzuhalten.

"Verbraucherschützer und Politik nehmen das Thema nicht zur Kenntnis", beklagte Heinz. "Das meiste Lob für die Klage kommt von der falschen Seite", so der BVK-Präsident weiter. Nämlich von Versicherern, die die Vergleichsportale fütterten sowie von Verbraucherzentralen. Selbst seine "Lieblingsfeindorganisation", die Verbraucherzentrale Hamburg, habe den Verband gelobt.

IDD könnte deutsches Modell aufweichen
"Die Initiative 'gut beraten' ist sehr positiv angenommen worden, das tut der Branche gut", erläuterte BVK-Vizepräsident Gerald Archangeli. Mittlerweile nähmen über 110.000 Vermittler an der Initiative teil, 70.000 mehr als im vergangenen Jahr. Archangeli kritisierte, dass die Vorgaben der Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD die Anforderungen an die Mindestqualifikation von Versicherungsvermittlern eine Unterteilung nach Produktgruppen vorsähen. "Für Deutschland kann diese Einteilung dazu führen, dass die Pflicht, eine spartenübergreifende Sachkundeprüfung abzulegen, neu konzipiert werden muss", so seine Sorge. Der BVK-Vize plädierte auch dafür, dass die Anforderungen an Mindestqualifikation auch auf den angestellten Versicherungsaußendienst und die über die Versicherer registrierten Vermittler ausgeweitet werden sollten. Denn die Differenzierungen seien nicht sinnvoll, so die BVK-Position.

Klarheit beim Bestandsverkauf

In Zusammenarbeit mit Professor Dr. Matthias Beenken von der Fachhochschule Dortmund hat der BVK ein Kalkulationsprogramm für Bestandsbewertung entwickelt. Das Excel-basierte Tool kostet 79 Euro inklusive Mehrwertsteuer und soll Maklern helfen, eine objektive und marktgerechte Bewertung zu erhalten. Denn nur eine qualifizierte und differenzierte Bewertung könne eine Grundlage für Kauf- und Verkaufsverhandlungen sein, sagte Andreas Vollmer, ebenfalls Vizepräsident des BVK. Laut einer Vema-Umfrage beschäftigen sich 70 Prozent aller Makler derzeit mit dem Thema Bestandsberatung. Sei es, weil sie überlegen, einen Bestand zu kaufen oder zu verkaufen. Mit Hilfe des Programms hätten Makler nun eine solide Informationen, um eine nachvollziehbare Wertbasis zu kommunizieren.

Bildquelle: © bbg GmbH

Autor(en): Alexa Michopoulos

 

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