Gewinner und Verlierer der Umdeckung

"Desinteresse? Ignoranz? Geheimniskrämerei?" - Map-Report-Herausgeber Manfred Poweleit findet im aktuellen Bilanzanalyse-Report zur Privaten Krankenversicherung (PKV) harte Worte für die lückenhafte Informationspolitik mancher zum Teil sehr bedeutender Unternehmen der Branche. Viele Angaben fehlen, obwohl sie für die Beurteilung des jeweiligen Geschäftsmodells wichtig wären.

Viele Angaben fehlen
So informieren viele Versicherer in ihren Geschäftsberichten nicht über ihren Bestand an Pflegeversicherten, als hätten sie gar kein Interesse an diesem Geschäftsfeld. Dabei besteht ein enormer Nachholbedarf an privater, ergänzender Vorsorge.

Auch beklagt Poweleit teilweise fehlende Angaben zur Zahl der Basis- und der Standardversicherten oder zu den Nichtzahlern, die seit 2009 nicht mehr gekündigt werden dürfen und von den übrigen Versicherten "durchgefüttert" werden, wie Poweleit sarkastisch anmerkt. Der PKV-Verband empfiehlt zwar die Anwendung bestimmter Kennzahlen. Diese wurden inzwischen angepasst, um die Ergebniswirkungen aus der Übertragbarkeit von Alterungsrückstellungen zu berücksichtigen. Doch auch hier fehlen oft Angaben oder werden nur "alte" Quoten angegeben.

Wanderungsbewegungen werden deutlich
Gerade das Thema Übertragungswerte von Alterungsrückstellungen hat eine besondere Brisanz, denn damit wird erstmals ein Teil der Wanderungsbewegungen zwischen den Versicherern deutlich. Und selbst wenn einige große Versicherer wie Allianz, DKV und Huk-Coburg Angaben verweigerten, zeigt sich, dass es um erhebliche Summen geht.

Die höchsten Zugänge an Alterungsrückstellungen hatte 2011 wie schon im Vorjahr die Hanse-Merkur zu verzeichnen. In absoluten Beträgen ist der Zugang von rund 11,5 auf knapp 29,8 Millionen Euro angestiegen. Einen wesentlichen Anteil dürfte das Geschäft mit Selbstständigen ausmachen, die bei anderen Versicherern nicht mehr in so genannten Billigtarifen unterkommen. Besonders gebeutelt ist in dieser Hinsicht die Central Krankenversicherung, die ihre Einsteigertarife teilweise drastisch anheben musste. Sie hat mit knapp 21,8 Millionen Euro am meisten Alterungsrückstellungen abgeben müssen, wenn auch sie mit knapp 14,3 Millionen Euro den zweithöchsten Zugewinn erreichte. Unter den Krankenversicherern, die ihre Zahlen offenlegen, hat die Central mit knapp 7,5 Millionen Euro netto am stärksten Alterungsrückstellungen verloren.

Der Saldo netto der Hanse-Merkur liegt immerhin bei 25,6 Millionen Euro. Mit deutlichem Abstand folgen Deutscher Ring, Continentale, Debeka und Hallesche. Bei allen anderen Unternehmen liegt der Saldo netto unter einer Million Euro. Die höchsten Nettoverluste mussten Central, Barmenia, Gothaer, Axa, UKV und Universa mit jeweils mindestens mehr als einer Million Euro hinnehmen.

Der Map-Report deckt weiter auf, zu welchen Kosten die Krankenversicherer ihr Geschäft akquirieren und verwalten. Auch die Kapitalanlagen, deren Erträge und Solvenzkennzahlen werden aufgezeigt. Entgegen dem allgemeinen Trend konnten die Krankenversicherer ihre Kapitalerträge sogar etwas von 4,71 auf 4,83 Prozent erhöhen. Das allerdings nur durch Auflösung älterer, höher verzinster Kapitalanlagen, wohingegen durch die Neuanlagen die Durchschnittsrendite sinken wird.Damit ist absehbar, dass viele Krankenversicherer den derzeit marktüblich angewendeten Höchstrechnungszins von 3,5 Prozent nicht als Garantiezins durchhalten können, sondern ihn senken werden.

Der Map-Report erwartet eine Absenkung auf 2,5 bis 2,75 Prozent. Dies führt im Umkehrschluss zu Beitragsanpassungen.Den Befürwortern einer gesetzlichen Einheitsversicherung hält der Map-Report aber Zahlen entgegen. Zwar könne sich die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) derzeit in einem medial viel beachteten Überschuss von rund 20 Milliarden Euro sonnen. Aber dieser Betrag entspricht gerade einmal 280 Euro pro Versichertem in der GKV. Die PKV dagegen kann auf Deckungsrückstellungen von umgerechnet 19.000 Euro pro Vollversichertem verweisen.

Der Map-Report 817-819, Bilanzanalyse Private Krankenversicherung 2000-2011, ist für 77,50 Euro als PDF-Datei oder für 87,50 Euro als gedrucktes Heft beim Verlag Map-Report ( info@map-report.com ) zu bestellen.


Autor(en): Matthias Beenken

 

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