Nachhaltiges Engagement soll bitte nichts kosten

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Nachhaltigkeit ist 2021 bei Versicherungskunden stärker zum Thema geworden. Inzwischen geben mehr als neun von zehn Verbraucherinnen und Verbrauchern an, den Begriff zu kennen und eine überwiegende Mehrheit hat zu Inhalt und der Zielsetzung auch konkrete Vorstellungen. Insbesondere aus Sicht der deutschen Kunden darf Nachhaltigkeit im Kontext von Versicherungsschutz aber nichts kosten, wie die neue Yougov-Umfrage für die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz zeigt.

Dass Versicherungsunternehmen eine wichtige Rolle bei der Förderung von Nachhaltigkeit spielen sollen, bejahen jetzt deutlich weniger Verbraucher. Mit Zustimmung von 53 Prozent der Deutschen, 64 Prozent der Österreicher und 67 Prozent der Schweizer sollten Versicherungen mit ihren Produkten nachhaltiges Verhalten fördern. Eine Mehrheit – im Vorjahr waren es aber noch 71, 80 und 81 Prozent.

Investitionen in Umweltschutz stehen weiterhin ganz oben

Bei den Zielen überlagern laut Umfrage Aspekte der Umwelt- und Ressourcenschonung ganz maßgeblich andere ESG-Elemente wie soziales Engagement oder gute Unternehmensführung. Dies mag auch unter dem Eindruck der aktuellen Kriegsfolgen stehen, in denen Ressourcenschonung auch im Kontext der Energieeinsparung erkannt wird. Gefragt nach den für sie wichtigsten Themen stehen Investitionen in Umweltschutz weiterhin ganz oben. Doch auch Transparenz und eine insbesondere positive Verbindung zwischen nachhaltigem Verhalten und Prämienhöhe spielen für die Verbraucher bei nachhaltigen Produkten eine nicht minder wichtige Rolle.

Vielen Bürgern ist eine externe Zertifizierung wichtig

Der Anteil derjenigen, die Kenntnis zur konkreten Umsetzung einfordern, ist weiterhin groß. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass für 48 Prozent der Deutschen, 59 Prozent der Österreicher und 58 Prozent der Schweizer eine externe Zertifizierung – zum Beispiel durch ein Siegel – bei der Entscheidung zugunsten eines nachhaltigen Produkts wichtig ist.

Zwar sind die Zustimmungswerte in der jungen Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen deutlich höher. In der Gesamtbevölkerung wären in Deutschland aber nur 32 Prozent, in Österreich 41 Prozent und in der Schweiz 46 Prozent bereit, für mehr Nachhaltigkeit auf Versicherungsleistungen zu verzichten.

Lehnen in eine erhöhte Prämie ab, um eine nachhaltige Produktausrichtung abzubilden

Gefragt nach der Bereitschaft zur Zahlung einer höheren Prämie für einen nachhaltigen Zweck, wären nur 27 der Deutschen, 39 Prozent der Österreicher und 36 Prozent der Schweizer dazu bereit. Über 50 Prozent lehnen in allen drei Ländern eine erhöhte Prämie ab, um damit eine nachhaltige Produktausrichtung abzubilden. Schon im Vorjahr stimmten weniger als ein Drittel der Idee zu, etwa den Versicherungsschutz für weniger umweltfreundliche Fahrzeuge (zum Beispiel große SUV) zugunsten von Fahrzeugen mit guter Klimabilanz zu verteuern.

Unter den Befragten, die zu einem eigenen Beitrag bereit wären, stimmt in allen drei Ländern eine Mehrheit verschiedenen Varianten der Prämienkalkulation zu. Über 40 Prozent können sich auch den Verzicht bei Ersatzleistungen, beispielsweise keine Neuteile oder Reparatur, und über 30 Prozent eine Einschränkung bei Leistungen im Schadensfall vorstellen.

Die größere Skepsis deutscher Verbraucher im Vergleich zu Versicherungskunden in Österreich und der Schweiz zeigt sich auch im Hinblick auf die Beurteilung von nachhaltigen Anlageprodukten von Versicherungen. In Deutschland ist der Anteil derjenigen, die im Vergleich zu herkömmlichen Anlageprodukten bei nachhaltiger Ausrichtung langfristig mit einer niedrigeren (47 Prozent) und einer höheren Rendite (46 Prozent) rechnen, nahezu gleich verteilt. Anders in Österreich und der Schweiz: Mit 57 Prozent der Österreicher und 56 Prozent der Schweizer rechnen deutlich mehr Verbraucher mit einer höheren Rendite nachhaltiger Versicherungsprodukte als in Deutschland.

Hintergrundinformationen

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Umfrage von Bearing-Point, die über das Marktforschungsinstitut Yougov Deutschland umgesetzt wurde. An der Online-Umfrage zum Thema „Sustainable Insurance“ nahmen zwischen dem 20. und 23. Mai 2022 insgesamt 3.137 Personen in Deutschland (1.033), Österreich (1.053) und der Schweiz (1.051) teil.

Nachhaltigkeit Yougov

Quelle: Yougov

 

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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