PIM-Apps: Deutschsprachiger Markt ist führend

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Die Digitalisierung hat bereits ganze Branchen verändert. Mittlerweile ist auch die Assekuranz in den Fokus gerückt - knapp 60 Insurtechs tummeln sich auf dem deutschen Markt. Sie zeigen, dass Versicherungslösungen nicht mehr zwangsläufig an Versicherer gebunden sein müssen: Mittlerweile haben Insurtechs Kurzzeitversicherungen, Peer-to-Peer-Gruppen, Roboadvice-Angebote oder Vergleichsportale auf den Markt gebracht.

Mit so genannten Personal Insurance Managern (PIM) können Anwender, ihre Policen digital verwalten. Zwölf Anwendungen gibt es aktuell, sie übernehmen neben der Vertragsverwaltung meist noch Zusatzleistungen wie Tarif- und Leistungsvergleiche, Bedarfsanalysen und Beratung. Die Unternehmensberatung iic solutions GmbH hat neun PIM in einer Marktstudie untersucht.

Prognose: Mittelfristiger Erfolg
Dabei wird zwischen Software-PIM und Makler-PIM unterschieden. Sofware-PIM sind Unternehmen, die Maklern eine Software gegen Lizenzgebühr für den Einsatz bei deren Kunden zur Verfügung stellt. Sie positionieren sich somit als digitale Enabler der Makler. Makler-PIM hingegen treten selbst als (neue) Online-Makler gegenüber dem Endkunden auf. Die Experten prognostizieren, dass PIM mittelfristig erfolgreich sein werden, weil sie wesentliche Kundenbedürfnisse ansprechen und eine Lücke bei Internet- beziehungsweise Smartphonenutzern schließen.

Versicherungsmagazin sprach mit Dr. Ralph Altenburger (im Bild), Partner bei iic solutions, über das Potenzial der Personal Insurance Manager sowie ihren möglichen Einfluss auf Assekuranz und Versicherungsmakler.

Welche PIM-Apps haben tatsächlich Potenzial? Welche werden wir in fünf Jahren nicht mehr sehen?
Altenburger: Aus der Menge der heutigen Startups werden sich unserer Einschätzung nach im Bereich Software-PIM (beispielsweise Mobilversichert) sowie Makler-PIM (beispielsweise Getsafe) jeweils nur einige Unternehmen etablieren. Bei Unternehmen, die eine reine Vertragsverwaltung anbieten (beispielsweise Netsuxxess), sind wir skeptisch, da Kunden übergreifende, umfassende Lösungen präferieren.

Im Bereich der Software-PIM halten wir das Modell von Simplr und Mobilversichert für interessant. Hier könnten wir uns auch vorstellen, dass Versicherer einsteigen, die einen PIM-Service als White Label den etablierten Maklern zur Verfügung stellen und diese damit stärken.

Bei den Makler-PIM zeichnen sich Markterfolge etwa von Knip und Getsafe ab. Hier wird es darauf ankommen, dass diese neuen Makler eine vernünftige Beratung, kombiniert mit Online-Mehrwertfunktionen liefern. Welche Funktionen das sind, zeigt unsere Studie.

Für welche Sparten sehen Sie das größte Potenzial für Versicherer-Apps?
Altenburger: Grundsätzlich wollen Kunden eine integrierte Anwendung und nicht zehn verschiedene Versicherungs-Apps. Dieser Wunsch ist erst einmal spartenunabhängig und gilt für die Kommunikation mit den Versicherern etwa bei Adressänderungen, Schaden-/Leistungsmeldungen. Insofern sind diese gut beraten, an App-Lösungen zu arbeiten, die die wichtigsten Kundeninteraktionen unterstützen.
Was PIM angeht, die ja insbesondere auf Beratung und Optimierung des Versicherungsportfolios als Makler fokussieren, sehen wir viel Potenzial im Kompositbereich (Privat und Gewerbe). Bei komplexeren Produkten und langfristigen Vertragsbindungen, wie einer Lebensversicherung, sind wir zurückhaltender.

Welche Optionen haben Versicherer? Abwarten und Teetrinken oder doch lieber selbst einsteigen?
Altenburger: Das hängt natürlich von der Marktpositionierung und der (Makler-)Strategie des Versicherers ab. Grundsätzlich sehen wir folgende Optionen:
  • Kooperation mit Makler-PIM: Hier sollte man sich strukturiert überlegen, mit wem man kooperieren will und dieses PIM dann vernünftig unterstützen, um etwa lange Wartezeiten für Kunden bei Bestandsübertragung zu vermeiden.
  • Verweigerung: Die Behandlung als Korrespondenzmakler ist auch eine Möglichkeit, aber unserer Auffassung nach nur bei kollektiver Verweigerungshaltung erfolgversprechend, da der Kunde in der Regel einen Maklerauftrag erteilt und es dann zu Umdeckungen kommt.
  • White Labelling/Kapitalbeteiligung, bis hin zur Eigenerstellung: Eine Beteiligung an einem Software-PIM kann eine zielführende Strategie sein, um die Bestandsmakler zu unterstützen und um sich als Versicherer mit digitalen Services bei Maklern zu positionieren - Neutralität immer vorausgesetzt. So kann man seine Makler fit machen für die digitale Konkurrenz.

Was vermissen Sie bisher noch bei den PIM-Apps?
Altenburger: Die heutigen Features sind schon ein ganz guter Anfang und bieten einen echten Mehrwert. Ein wirklicher Durchbruch wäre die permanente, vollautomatisierte Optimierung des Versicherungsportfolios. Jeder möchte bei Versicherungen das gute Gefühl haben, dass sich jemand um den "besten Deal" kümmert. Und das nicht nur auf Nachfrage, sondern permanent und automatisiert, bei jeder Änderung der Lebenssituation oder bei neuen Produktangeboten auf dem Markt. Das bieten die von uns analysierten PIM heute nicht an. Ein PIM ist im Prinzip dazu in der Lage, wenn es alle Nutzerdaten und Lebensumstände kennt und dies automatisiert gegen die Produktangebote hält.

Welche internationalen oder branchenfremden Märkte können als Vorbild dienen?
Altenburger: Bei Versicherungen beobachten wir international vor allem in den angelsächsischen Märkten eine Reihe von sehr interessanten Entwicklungen. Beispielsweise Startups, die Funktionalitäten anbieten, die grundsätzlich in ein PIM integriert werden könnten. Ein Beispiel sind Schaden-Apps, die dem Versicherungsnehmer im Schadenfall Unterstützung bieten.

Bei branchenfremden Anwendungen kann man etwa vom Einzelhandel, wie dem Klassiker Amazon, viel lernen. Es gibt bisher keinen Versicherer, der die Prozesse so sehr vom Kunden her denkt, wie dieses Unternehmen.

Interessanterweise ist der deutschsprachige Markt bezüglich PIM-Angeboten führend, sowohl gemessen an der Anzahl der Angebote als auch der Marktreife.



Ralph Altenburger (45) ist seit Januar 2016 Partner bei iic solutions. Der Berater und Versicherungsmanager soll den Ausbau der Strategie- und Managementberatungsleistungen im Bereich der Digitalisierung vorantreiben und auch neue Startups entwickeln. Vor seinem Wechsel war der promovierte Betriebswirtschaftler unter anderem als CEO bei Great Lakes UK und in verschiedenen Managementpositionen für die Munich Re tätig.

Über die Studie
iic solutions analysierte im Mai 2016 neun Personal Insurance Manager: Knip, Getsafe, Clark, Finance Fox, Feelix, TED, Mobilversichert, Asuro sowie Allesmeins. Die PIM unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Geschäftsmodelle in drei Kategorien: als Makler lizensierte Apps, Software-PIM sowie Anwendungen zur reinen Vertragsverwaltung. Diese sind selten und wurden in der Studie nicht berücksichtigt. Die Auswertung wird laufend erweitert.

Das Thema "Personal Insurance Manager" und weitere Trends in der Versicherungsbranche werden am 15. und 16. November 2016 auf der "Innovario - Ideen- und Innovationsmarktplatz für die Versicherungswirtschaft" in Köln von einem breiten Fachpublikum diskutiert
(http://www.vers-leipzig.de/index.php/leistungen/innovario).



Und die Studienergebnisse finden Sie hier: http://www.iic-solutions.de/studie

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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