PKV wirbt nur verhalten um freiwillig GKV-Versicherte

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Rund sechs Millionen Angestellte sind potenzielle Kunden der privaten Krankenversicherung (PKV). Sie sind freiwillig Mitglied der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Diese Zielgruppe wird von den PKV-Unternehmen aber nicht offensiv beworben – so eine Umfrage.

Die Wahlfreiheit wird aber ab 2024 wieder ein Stück eingeschränkt, denn Angestellte müssen im kommenden Jahr deutlich mehr verdienen, um sich frei für die PKV entscheiden zu können. Die Jahresarbeitsentgeltgrenze steigt laut PKV-Verband auf 69.300 Euro (2023: 66.600 Euro). Gleichzeitig wird aber die GKV durch eine höhere Bemessungsgrenze und Steigerung der kassenindividuellen Zusatzbeiträge für viele teurer. Der GKV-Höchstbeitrag inklusive der Pflegeversicherung dürfte bei über 1.000 Euro im Monat liegen.

Mit preislichen Vorteilen wollen die meisten PKV-Unternehmen aber nicht um die freiwillig versicherten Angestellten werben. Das geht aus einer Umfrage von Versicherungsmagazin unter 26 PKV-Unternehmen hervor. Viele Versicherer betonen, dass sie nur ganzheitlich beraten wollen. Wenige sprechen die wichtige Zielgruppe intensiv an. Dabei hat die PKV-Branche ein Problem im „Brot- und Butter-Geschäft“ der Vollversicherung. Sie schafft es seit einigen Jahren nicht die hohen Sterberaten durch Neukunden auszugleichen. Dabei gibt es seit fünf Jahren einen positiven Wechselsaldo für die PKV. Es steigen mehr Menschen von der GKV in die PKV um als umgekehrt.

Kunden sind sensibler

Immerhin aus der Praxis gibt es positive Botschaften. „Die Neukundenberatung ist aus meiner Erfahrung deutlich einfacher geworden, weil sich die Menschen seit Beginn der Pandemie viel mehr Gedanken über ihren eigenen Gesundheitszustand und die vorhandene Absicherung machen“, beschreibt Versicherungsmakler Sven Hennig aus Bergen auf Rügen die veränderten Marktbedingungen. Dabei ginge es vielen Patienten darum, dass sie zu dem Arzt kommen, den sie wollen.

Private sind schneller

Auch wer schnellen Zugang zu Ärzten haben möchte, für den dürfte die PKV wichtig sein. Das zeigt eine Stichprobe des öffentlich-rechtlichen Sender rbb im Oktober 2022 über die Terminangebote der Plattform "Doctolib“. Danach würden Kassenpatienten im Vergleich bis zu drei Mal länger warten als Privatpatienten. Auch Deutschlands größter Krankenversicherer, die Debeka, hat in der Vergangenheit bereits bestätigt, dass es in Deutschland eine „Zwei-Zeiten-Medizin“ gebe. Laut der Assekuranz sei das Budget-System der GKV ursächlich. Sei das Budget aufgebraucht, würden Termine für Kassenpatienten in den nächsten Monat verschoben. Nach Meinung der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) sind Privatpatienten für die Arztpraxen „lukrativer“.

Starker Wettbewerb im Beihilfemarkt

Die Umfrage des Versicherungsmagazins zeigt zudem, dass es tariftechnisch in der Branche weiter einen scharfen Wettbewerb um innovative Angebote und gute Bewertungen durch Ratingagenturen gibt. Absolut umkämpft ist zudem der öffentliche Dienst. Im Beihilfegeschäft sucht nun auch die in der Vollkostenversicherung sehr erfolgreiche Arag, ihre Marktanteile auszuweiten. Neben den klassischen Beamtenversicherern Debeka, Huk-Coburg und Axa (DBV) wollen auch Generali, Alte Oldenburger und Ergo (DKV) hier 2024 besonders aktiv agieren.

Nur verhaltende Kritik gibt es von den Unternehmen am Medien-Highlight, dem „Krebs-Scan“ der Hanse-Merkur. Bisher will kein Unternehmen eine ähnliche Ausschnittsdeckung auf den Markt bringen. Eine echte Baustelle der Branche ist die elektronische Patienten-Akte (ePA).

Unser Lesetipp für Sie

Umfangreich berichtet das Versicherungsmagazin in seiner Ausgabe 11/23 über die Umfrage zur PKV-Marktentwicklung 2024.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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