Versicherer sind für den Start von Solvency II gewappnet

Der Gesetzgeber und die nationale Aufsicht sehen eine schrittweise Umsetzung von Solvency II bis 2017 vor – je nach rechtlicher und faktischer Realisierbarkeit. Experten gehen davon aus, dass die deutschen Versicherer beim Risikomanagement innerhalb der zweiten Säule bereits relativ weit fortgeschritten sind und auch Teile der dritten Säule früher als 2017 implementiert werden könnten.

Vor dem Hintergrund, dass Unternehmen an der Umsetzung von Solvency II mit Hochdruck arbeiten, befragten Universal-Investment und die Unternehmensberatung d-fine diese nach ihrem Anlage- und Datenmanagement. Die Ergebnisse der Befragung würden die Aussage der BaFin unterstreichen, hätten doch 78 Prozent der Teilnehmer angegeben, bereits mit einem Solvency-II-Reporting-Projekt begonnen zu haben. Und sogar 83 Prozent hätten sich schon heute mit den Auswirkungen von Solvency II auf die Kapitalanlage beschäftigt. Bis auf zwei der 23 befragten Versicherungsunternehmen würden alle auf die Standardformel zur Berechnung der Eigenmittelunterlegung zurückgreifen und keine individuellen Modelle einrichten.

Enge Zusammenarbeit mit Kapitalanlagegesellschaften gewünscht
Die Befragten sähen im Bereitstellen von granularen Daten eine Mindestanforderung an Kapitalanlagegesellschaften (KAG): 87 Prozent von ihnen planten, diese Daten von einer Service-KAG zu beziehen. Noch einen Schritt weiter gehen wollten Dreiviertel der Teilnehmer und zusätzlich aufbereitete Daten für ihre Quantitative Reporting Templates (QRT) durch die KAG setzen. „Beim Risikomanagement fällt der Datenaufbereitung und -bereitstellung eine Schlüsselrolle zu“, betont Ralf Bräuer, Bereichsleiter für das institutionelle Geschäft von Universal-Investment. Zudem sei das Anlagemanagement mit seinen Wertsicherungsstrategien wichtiger Bestandteil einer Solvency-II-Strategie. „Nur so können Versicherungen den gestiegenen Eigenkapitalanforderungen gerecht werden“, so Bräuer.

Es zeichne sich ab, dass Kennzahlen für die Berechnung des SCR (Solvency Capital Requirement) nicht nur für das Reporting herangezogen werden, sondern mittelfristig zu gängigen Steuerungsgrößen des Kapitalanlageportfolios von Versicherungen werden, ähnlich wie es heute schon Value at Risk ist. „Die schnelle und qualitativ anspruchsvolle Datenlieferung und -aufbereitung durch KAGs kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten und den Unterschied bei einem erfolgreichen Anlagemanagement ausmachen“, so Dr. Christoph Bennemann, Partner von d-fine. Und so ist die Berechnung von SCR-Untermodulen, um die Eigenkapitalquote zu bestimmen ein Service der KAGs, auf den fast die Hälfte zurückgreifen möchte.

Unterstützung beim Management von Kapitalanlageanforderungen erforderlich
Solvency II werde zu einem Wandel der bei Versicherungen weitverbreiteten Wertsicherungsprogramme führen, da die regulatorischen Anforderung zur Anerkennung von Hedges deutlich höher würden. Laut Umfrage könne das Portfoliomanagement der KAGs hier eine wichtige Funktion übernehmen und umfassend unterstützen: Bei 65 Prozent der Teilnehmer bestünde Interesse am externen Management von Kapitalanlageanforderungen durch eine KAG. Dies treffe vor allem auf kleine und mittlere Unternehmen zu.

Hintergrundinformation
Die Umfrage lief von Oktober bis Dezember 2012. An der Befragung haben 23 Versicherer teilgenommen, die in der Summe ein Anlagevolumen in Höhe von über 200 Milliarden Euro verwalten. Unter den Teilnehmern waren sowohl kleine, spezialisierte Unternehmen als auch große internationale Versicherungskonzerne, die zahlreiche Versicherungssparten betreiben.

Quelle: Universal Investment und d-fine; Bild: © Gerd Altmann /

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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