Wie es künftig um die Rente steht

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"Unsere Rente ist  viel besser als ihr Ruf. Sie ist nämlich gerecht", lautete das Credo von Professor Dr. Bernd Raffelhüschen, Professor für Finanzwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, bei der Vorstellung des Vorsorgeatlas Deutschland 2017. Der Atlas wurde vom  Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg unter Leitung des Wissenschaftlers  im Auftrag von Union Investment erstellt.

Das Rentensystem sei leistungsgerecht, weil es ein relatives Einkommensniveau einfriere. "Wer viel zahlt kriegt viel, wer wenig zahlt kriegt wenig und wer durchschnittlich durchs Leben geht, wird auch durchschnittlich durchs Altersleben gehen", lobte Raffelhüschen.  Die Ergebnisse des Vorsorgeatlas belegten die Stabilität des Vorsorgesystems über drei Schichten. "Grundlegende Veränderungen sind nicht erforderlich", betonte er. Dies gelte insbesondere für die gesetzliche Rente, die für rund 34 Millionen Versicherte die Basisversorgung darstelle.

Vorsorgeatlas zeigt die Zukunftsaussichten
Der Vorsorgeatlas zeigt, bis auf Regierungsbezirksebene heruntergebrochen, wie es um die Vorsorgesysteme und die zu erwartenden Renten der 20 bis 65-jährigen Deutschen über alle drei Schichten hinweg bestellt ist. Durchschnittlich können  die Versicherten eine monatliche gesetzliche Rente von 1.070 Euro erwarten. Dies entspricht einer Ersatzquote von rund 48 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens (Die Ersatzquote gibt den Anteil der Rente gemessen am letzten Bruttoeinkommen wieder). Zur Sicherung des Lebensstandards im Alter sind mindestens 60 Prozent nötig. Zusätzliche Vorsorge ist deshalb notwendig, um den Lebensstandard im Alter zu sichern.

Je jünger die Erwerbstätigen sind, desto weniger können sie sich auf die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) verlassen. Während die 50- bis 65-Jährigen mit einer Ersatzquote von 64,1 Prozent alleine mit der GRV ihren Lebensstandard sichern können, kommen die 20- bis 34-Jährigen auf lediglich 38,6 Prozent. Sie müssen deshalb zusätzlich aktiv werden. 

Zweite Schicht ergänzt die GRV
Auch regional gibt es Unterschiede. Während die Menschen in den östlichen Bundesländern im Schnitt 53,4 Prozent ihres letzten Einkommens mit der GRV ersetzen können, sind es in Süddeutschland weniger als 48 Prozent. Die Ursache dafür sind die höheren Gehälter in den wirtschaftlich starken Gebieten sowie die Beitragsbemessungsgrenze in der GRV.

Der Vorsorgeatlas  erfasst

- die "klassischen" Alterssicherungssystemen der ersten Schicht (Gesetzliche Rentenversicherung, Beamtenversorgung, berufsständische Versorgung)

- die Vorsorgewege der zweiten Schicht (Riester-Rente, betriebliche Altersversorgung, Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes)

- sowie das Geld- und Immobilienvermögen der Haushalte (dritte Schicht).

Leistungen aus der zweiten Schicht ergänzen die Grundversorgung aus der GRV. Die Menschen, die diese Möglichkeiten nutzen, erreichen im Zusammenspiel mit der ersten Schicht im Durchschnitt eine Ersatzquote von 61,8 Prozent. Selbst die junge Generation, die besonders von den Rentenreformen der Vergangenheit betroffen ist, erzielt aus beiden Schichten im Durchschnitt bereits eine Quote von 55 Prozent. Somit müssen sie nur noch wenig zusätzlich sparen, um auf eine Quote von über 60 Prozent zu kommen.

Unterschiede zur bAV sind systembedingt
In der zweiten Schicht ist die Riester-Rente mit über 16 Millionen Verträgen am weitesten verbreitet. An zweiter Stelle steht die betriebliche Altersversorgung  (bAV), die rund acht Millionen Menschen abgeschlossen haben. Bei der Riester-Rente haben insgesamt 44 Prozent der Förderberechtigen einen Vertrag. Mit den aktuellen Sparraten erhalten sie im Rentenalter durchschnittlich 290 Euro im Monat. Damit können sie die GRV um 10,6 Prozent des Einkommens ergänzen. Die heute 20- bis 35-Jährigen kommen mit ihrem Riester-Vertrag auf einen Wert von 14,1 Prozent. Im Schnitt sind dies monatlich 392 Euro.

Die Unterschiede zur bAV sind teilweise systembedingt: Während bei der Riester-Rente über die Zulagen besonders Familien und Geringverdiener und über den Steuervorteil Menschen mit höheren Einkommen profitieren, wird bei der bAV der Sparer über den Steuervorteil gefördert. Darüber hinaus hängt der Abschluss einer bAV am Arbeitsverhältnis. Im Schnitt erhalten die Versicherten rund  575 Euro aus ihrer Betriebsrente und können damit durchschnittlich 14,9 Prozent des letzten Bruttoeinkommens ersetzen. Jüngere Personen verfügen hingegen seltener über eine bAV (12,7 Prozent).

Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment, wies Kritik an der Riester-Rente zurück. "Wir können die Kritik nicht nachvollziehen", sagte er. Das jüngst verabschiedete Betriebsrentenstärkungsgesetz sieht er als wichtigen Meilenstein zur Stärkung der Altersvorsorge: "Die Anpassungen in der betrieblichen Altersvorsorge und der Riester-Rente waren richtig und notwendig." Gleichwohl werde es auch künftig erforderlich sein, das System durch das Drehen und Feinjustieren einzelner Stellschrauben zu optimieren.

Kein Grund zur Panikmache vorhanden
"Insbesondere bei der Riester-Rente gibt es noch Möglichkeiten, die Akzeptanz zu erhöhen und die Verbreitung auszubauen." Der Staat strecke den jüngeren Menschen mit der Riester-Rente die Hand aus. Sie müssten nur zugreifen. Reinke sprach sich dafür aus, alle Bevölkerungsgruppen in die Riester-Rente einzubeziehen, die steuerliche Förderhöchstgrenze zu dynamisieren und zusätzliche Anreize wie eine Treuezulage einzuführen.

Die dritte Schicht der Altersvorsorge bilden die privat angesparten Geld- und Immobilienvermögen. Sie ersetzen im Durchschnitt ein Viertel (26,1 Prozent) des Einkommens bei Renteneintritt. Verfügen Menschen über Ansprüche aus allen drei Schichten, können sie auf durchschnittlich 82,6 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens kommen.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten, dass es für die künftigen Rentner keinen Grund zur Panikmache gebe, sagte Reinke. "Die gesetzliche Rente bleibt über das Jahr 2030 die tragende Säule der Altersvorsorge. Aber erst die private Vorsorge sichert den Lebensstandard", fasste Raffelhüschen die Studienergebnisse zusammen.

Autor(en): Alexa Michopoulos

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