ADAC-Angriff auf Rechtsschutz lässt Branche kalt

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Der ADAC greift in der Rechtsschutzversicherung an. Denn er steigt nun voll ins Geschäft ein und erweitert sein Angebot um Privat-, Wohn- und Berufs-Rechtsschutz. Bisher hatte der Autoclub nur Verkehrsrechtsschutz angeboten. Erstmals können auch Nichtmitglieder das Angebot kaufen. Die Versicherer sehen die Konkurrenz allerdings gelassen.

Mitglieder erhalten einen Prämiennachlass. In Europa gilt eine unbegrenzte Deckung; die Summe für weltweiten Schutz beträgt 300.000 Euro. Angeboten wird das 4-Baustein-Modell als Exklusiv- oder Premium-Tarif. In der Premium-Variante gibt es auch Rechtsschutz beim Vorwurf eines Halt- oder Parkverstoßes. Diese Leistung wird von anderen Rechtsschutzversicherern in der Regel nicht mehr angeboten.

Premium-Tarif nicht außergewöhnlich
Sonstige Premium-Leistungen sind hingegen kaum außergewöhnlich. So wird im Berufsrechtsschutz die anwaltliche Unterstützung bereits bei Angebot eines Aufhebungsvertrags oder Eröffnung des Insolvenzverfahrens des Arbeitgebers abgesichert.

Im Wohnrechtsschutz sind alle selbstgenutzten Immobilien, wie Wohnungen und Häuser sowie Dauercampingstellplätze in Deutschland mitversichert. Im Privatrechtsschutz gibt es einen Beratungs-Rechtsschutz bei familien- und erbrechtlichen Angelegenheiten sowie die Mitversicherung von Kapitalanlagen. Kauf, Finanzierung oder Verwaltung von Aktien, Rentenwerten oder Fondsanteile sind aber im Exklusiv-Tarif vom Rechtsschutz ausgenommen. Im Premium-Tarif liegt der Kostendeckel bei 10.000 Euro für alle Streitigkeiten im Jahr.

Verluste stabilisieren
Risikoträger ist die ADAC Rechtsschutz AG. Eine Rückversicherung gibt es nicht und ist laut dem Club aktuell auch nicht geplant. Mit dem Start ins allgemeine Rechtsschutzgeschäft will der ADAC nach eigener Aussage seinen "Bestand stabilisieren und darüber hinaus mittelfristig wachsen". Seit der Affäre um die Manipulation bei der Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" durch die Mitgliederzeitschrift "Motorwelt", die Anfang 2014 von der "Süddeutsche Zeitung" aufgedeckt wurde, hat der Autoclub nach neuen Zahlen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mehrere 100.000 Verträge in der Rechtsschutzversicherung verloren.

Vieles digital
Laut Marion Ebentheuer, im Vorstand der ADAC SE für Versicherungen und Finanzdienste verantwortlich, soll der erweiterte Rechtsschutz vor allem online verkauft werden. Zudem soll die Fallbearbeitung und Erstberatung ebenfalls verstärkt digital erfolgen.

Ein erster Blick auf die Prämie zeigt, dass sich der ADAC mit seinem Angebot eher im oberen Marktdrittel bewegt. Nicht nur Deckungskonzeptanbieter, sondern auch große Rechtsschutzversicherer sind bei starken Leistungen günstiger.

Rechtschutzbranche reagiert gelassen
Die angegriffene Rechtsschutzbranche gibt sich dann auch sehr gelassen. Keiner der großen Rechtsschutzversicherer erwartet durch den Einstieg des ADAC im eigenen Hause Kündigungswellen. Vor allem Versicherer, die überwiegend im Maklermarkt unterwegs sind, glauben nicht, dass sie durch den ADAC-Angriff ihre Strategie ändern müssen.

Auch große Anbieter sehen sich gut aufgestellt. So stellt die Arag fest: "Wir sind in einem ohnehin sehr wettbewerbsintensiven Markt mit vielen Wettbewerbern sehr gut aufgestellt." Allein im vergangenen Jahr hat der Düsseldorfer Versicherer per Saldo knapp 50.000 neue Rechtsschutzverträge dazugewonnen. Der Anstieg der Kundenzahl halte auch im ersten Halbjahr 2018 weiter an. Und auch die Huk-Coburg stellt fest: "Eine spezielle Reaktion halten wir für nicht notwendig. Wir haben ein attraktives und preislich überzeugendes Angebot, das sich im Markt hervorragend schlägt. Wir denken, das wird auch in Zukunft so bleiben."

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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