Apple Pay startet als Bezahlsystem in Deutschland

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Der US-Konzern Apple hat seinen Bezahldienst in dieser Woche auch für den deutschen Markt freigeschaltet. Damit können die Verbraucher an der Ladenkasse oder im Restaurant auch direkt mit iPhone, iPad oder Apple Watch zahlen. Zum Start sind Unternehmen wie Aldi, Lidl, DM, Vapiano, die Telekom und die Berliner Verkehrsbetriebe dabei. Allerdings muss der Verbraucher Kunde einer Bank sein, die mit dem Bezahldienst kooperiert.

Derzeit funktioniert der Dienst nur mit Kredit- und Debitkarten der Deutschen Bank, N26, HypoVereinsbank, Hanseatic Bank, Fidor Bank, Santander und Comdirect Bank sowie von American Express, Visa und Master Card. Im kommenden Jahr sollen auch Banken wie die DKB, ING und Consorsbank dazukommen, berichtet der Bankenverband. 

 Sparkassen kritisieren Apple

Nicht dabei sind die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die auf eigene Lösungen setzen. Die Sparkasse etwa bietet eine eigene App für Mobile Payment an, die bislang nur für Android-Geräte verfügbar ist. Der Grund: Apple hat bislang den Übertragungsstandard NFC nicht für andere Payment-Dienste geöffnet und bremst nach Ansicht des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes die Weiterentwicklung mobiler Zahlungslösungen hierzulande aus.

"Letztendlich sollten Smartphone-Zahlungen auf allen Endgeräten möglich sein, ohne technische Hürden und Restriktionen, damit Kunden problemlos die für sie passende Lösung auswählen können", argumentiert der Verband. Zu angemessenen Konditionen müsse NFC nicht nur für die eigene Lösung, sondern auch für Dritte offen sein, damit alle Kunden Zugang hätten. 

Schnelleres Bezahlen möglich

Apple Pay verknüpft Bankkontodaten mit einem mobilen Gerät – etwa einem iPhone oder einer Apple Watch. Statt die Bankkarte aus der Börse zu nehmen, ins Gerät einzustecken und den Beleg zu unterschreiben, legen Kunden das Smartphone oder die Smartwatch auf ein kompatibles Kartengerät, die Abbuchung erfolgt automatisch.

Der Apple-Pay-Button beschleunigt laut "Computerbild" Kaufvorgänge per App oder Webbrowser spürbar, ohne dass ein Kundenkonto nötig ist. Für die Sicherheit verwendet Apple den Fingerabdruck- oder Gesichtsscanner des iOS-Gerätes statt Pin-Eingabe oder Unterschrift.

Experten halten Anwendung für sicher

Jede Zahlung erfolge über einen eigenen Token, erklärt die Berliner Direktbank N26, einer der Startpartner von Apple Pay. Zudem müssten in Deutschland alle Abbuchungen über 25 Euro mit einem biometrischen Merkmal oder einem Code freigegeben werden. Tokens sind keine echten Kreditkartennummern, sondern einmalige Ersatznummern.

Nur dieser Token, nicht die eigentliche Kreditkartennummer, wird an Apple gesendet und verschlüsselt auf dem iPhone gespeichert. Somit werde die Plastikwelt von der Mobile-Welt getrennt, wie es Volker Koppe, Digitalchef von Visa Deutschland, in einem Artikel von "Spiegel online" erklärt. Werde dieselbe Kreditkarte beispielsweise bei Apple Pay, Google Pay und Netflix eingesetzt, werde für jeden Anbieter ein anderer Token berechnet und werde für Betrüger wertlos. Verliere man sein Smartphone, könne man den Token sperren, die dahinterliegende Kreditkarte aber weiter nutzen. 

Zurückhaltung ist noch groß

Laut Schätzungen wird Apple Pay weltweit von rund 235 Millionen Menschen genutzt, in den USA sollen es 38 Millionen sein. Bereits seit Oktober funktioniert Google Pay in Deutschland. Noch ist aber die Barzahlung bei uns sehr beliebt. Rund die Hälfte der Umsätze im deutschen Einzelhandel erfolgt noch mit Bargeld.

Und nur ein Viertel der Bundesbürger, hat eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group herausgefunden, glaubt, dass bargeldlose Zahlungen sicher sind. 2017 kannten nur 15 Prozent der Deutschen das Angebot von Apple, obwohl es bereits 2014 vorgestellt wurde. Die anschließenden Verhandlungen mit potenziellen Partnerinstituten in Deutschland verzögerten den Start immer wieder. In fast 30 Ländern wurde Apple Pay daher bereits vor dem Start hierzulande eingeführt, unter anderem in den USA, China, Frankreich, Polen und der Schweiz.

Autor(en): Elke Pohl

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