Beschäftigungszahlen in der Assekuranz weiter im Sinkflug

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Die Zahl ist ernüchternd: 204.700. So viele, besser gesagt so wenige Mitarbeiter haben 2017 in Versicherungsunternehmen in Deutschland gearbeitet. Das ist ein Rückgang um 1, 2 Prozent zum Vorjahr. Diese aktuellen Zahlen liefert der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland e. V. (AGV).

Vor zehn Jahren, also 2007, waren noch 218.900 Menschen in der Versicherungswirtschaft tätig. Einen Beschäftigungshöchststand gab es 1992. In diesem Jahr arbeiteten 259.000 Personen in der Versicherungsbranche. Die Zeit nach der Wende, in der die alten und neuen Bundeländer für diese Statistik erfasst wurden.

Weniger Beschäftigte im Innendienst, noch weniger im Außendienst
159.400 Menschen arbeiteten 2017 im Innendienst der Versicherungswirtschaft. Somit ist dort nur ein leichter Rückgang der Mitarbeiterzahl im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen (- 0,3 % oder - 400 Mitarbeiter). 2007 lag die Zahl noch bei 162.900. Der angestellte Außendienst belief sich 2017 auf 34.200 Personen. Folglich sank die Zahl dieser Personengruppe um fünf Prozent (- 1.800 Mitarbeiter). Zehn Jahre zuvor lag die Anzahl der Außendienstler noch bei 44.300. Rückläufig sind auch die Zahlen der Auszubildenden.

Und zwar zum sechsten Mal in Folge. Deren Zahl sank im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent auf 11.100. 2011 lag die Zahl mit 13.300 Azubis noch um fast ein Fünftel höher. 2002 wurde mit über 16.000 Auszubildenden der Höchststand erreicht. Der Rückgang seitdem betrug in etwa ein Drittel.

2008 und 2017 die gleichen schlechten Quoten
Die Ausbildungsquote in den Versicherungsunternehmen lag bei 5,4 Prozent, 2016 erreichte sie noch 5,5 Prozent. Zwischen 2010 und 2012 betrug die Quote noch jeweils rund 6,1 Prozent. Bereits 2008 hatte die Ausbildungsquote in den Unternehmen nur bei 5,4 Prozent gelegen. In den Agenturen sehen die Zahlen etwas besser aus. Dort lag die Azubi-Quote bei 6,3 Prozent, 2016 lag diese noch bei 6,5 Prozent. Nur vier Jahre davor, also 2012, betrug die Quote noch 7,3 Prozent.
Das immer noch sehr schlechte Image der Branche ist ein möglicher Grund für den Negativtrend der Azubi-Zahlen. Dieses wird der Assekuranz in diversen Untersuchungen immer wieder bescheinigt.

Auszubildende nicht selten unfähig und unwillig
Auch eine aktuelle Ausbildungsumfrage des AGV und Berufsbildungswerks der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) liefern nachvollziehbare Gründe für diese Entwicklung. Demnach können sechs Prozent der Lehrstellen erst gar nicht besetzt werden – und rund jede zehnte Ausbildung wird vorzeitig abgebrochen. Hauptursache: Die Auszubildenden sind oft nicht fähig und nicht willens, die Ausbildungsanforderungen zu erfüllen. Eine Einschätzung, die auch zahlreiche Unternehmenslenker immer wieder bestätigen können.  

Nicht nur weniger, sondern auch älter
Interessant auch weitere Zahlendetails der AGV, die aber bislang nur bis zum Jahr 2016 reichen. So untersucht der Verband auch kontinuierlich die Altersstruktur der Versicherungssparte. Im Jahr 2016 lag diese bei Frauen und Männern insgesamt im Innen- und Außendienst bei 43,3 Jahren. 2006 betrug diese noch 40,8 Jahre. Die Auszubildenden sind dabei bereits eingerechnet.

Und: Grundsätzlich hat sich die Fluktuationsrate im Innendienst kaum verändert. Lag sie 2016 bei 5,3 Prozent, war sie 2006 leicht geringer, genauer gesagt 5,2 Prozent. Doch die Gründe haben sich etwas verschoben. War zum Beispiel 2006 ein wichtiger Grund für die Fluktuation, dass in 1,2 Prozent der Fälle die Arbeitsverträge abliefen. 2016 traf dies in 0,7 Prozent der Fälle zu. Erkennbar zugenommen hat dagegen der Grund „Kündigung durch den Arbeitnehmer“. War dies 2006 zu einem Prozent der Grund für das Ausscheiden aus dem Unternehmen, lag er 2016 bereits bei 1,3 Prozent.

Betrüblich: Kaum Bewegung bei der Frauenquote
Nicht wirklich viel Bewegung gab es laut der Statistik des AGV auch bei der Entwicklung des Frauenanteils auf den Führungsetagen im Innendienst. Lag diese 2001 bei 26 Prozent, liegt sie 15 Jahre nur knapp darüber, genauer gesagt bei 27 Prozent. In den Jahren dazwischen sah dies noch trauriger aus. So waren 2011 etwas mehr als 24 Prozent Frauen in den Führungsetagen zu finden, 2006 gerade einmal 21,4 Prozent. Aber immerhin auf der 1. und 2. Ebene ist der Frauenanteil seit 2000 erkennbar gestiegen. Waren 2011 gerade einmal 10,1 Prozent Frauen auf der 1. Führungsebene zu finden, waren es 2016 immerhin bereits 15,2 Prozent. Auf der 2. Ebene ist das Wachstum nicht so stark. Waren 2011 ziemlich genau 21 der Chefposten von Frauen besetzt, waren es fünf Jahre später 23,1 Prozent.

Hintergrundinformationen
Der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland e. V. (AGV) gilt als die sozialpolitische Spitzenorganisation der deutschen Versicherungswirtschaft. Er führt auf Arbeitgeberseite bundesweit die Tarifverhandlungen für die rund 207.000 Beschäftigten seiner Mitgliedsunternehmen.

Der Organisationsgrad des Verbandes liegt bei 99 Prozent. Das heißt: Nahezu alle Versicherungsangestellten arbeiten in deutschen beziehungsweise in Deutschland tätigen Versicherungsunternehmen, die Mitglied des Verbandes sind.

Quellen: AGV, Versicherungsjournal, Versicherungsmagazin

Autor(en): Meris Neininger

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