Betriebsrente: Arbeitgeberbeteiligung mit "Erinnermich"

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Die Betriebsrente vom Chef ist eine Sozialleistung, die schnell in Vergessenheit gerät oder als unangenehme monatliche Belastung empfunden wird. Daher hat sich die HDI Versicherung nun anscheinend von der weltberühmten Kinderbuchsaga Harry Potter inspirieren lassen und ein besonderes "Erinnermich" für die betriebliche Altersversorgung (bAV) entwickelt.

Während in der Zauberwelt von Harry Potter das "Erinnermich" eine Glaskugel ist, die mit rot anzeigt, dass etwas vergessen wurde, ist das "HDI-Erinnermich" eine Prepaid-Kreditkarte, die grundsätzlich nur positiv wirken soll. Die HDI bAV Plus Cashback-Karte wird monatlich vom Arbeitgeber mit 40 Euro aufgeladen. Das Geld ist eine Art kleine Rückvergütung für den Abschluss einer Betriebsrente auf Basis der Entgeltumwandlung.

Immer nur 40 Euro für den Konsum
Zahlt ein Arbeitnehmer, der monatlich 3.000 Euro brutto verdient, 100 aus seinem Brutto-Gehalt in eine Direktversicherung ein, ist seine Nettobelastung aufgrund der Steuer- und Sozialabgabenfrei rund 50 Euro. Im bAV-Motivationsmodell der HDI-Versicherung zahlt der Arbeitgeber über die Prepaid-Kreditkarte des Mitarbeiters monatlich 40 Euro zurück. "Damit kostet die Direktversicherung den Arbeitnehmer unter dem Strich nur noch 10 Euro", erläutert der HDI. Im Beispiel spart der Arbeitgeber durch die bAV seines Mitarbeiters jeden Monat 20 Euro Lohnnebenkosten. Weiterhin kann er die 40 Euro Sachkostenzuschuss steuerlich absetzen. Damit reduziert sich der Netto-Aufwand beim Arbeitgeber ebenfalls auf rund zehn Euro pro Monat.

Laut HDI bleibt es aber auch bei einer höheren Einzahlung in die Betriebsrente - begünstigt wären derzeit monatlich vier Prozent der Rentenbeitragsbemessungsgrenze West, also 254 Euro - hinsichtlich der Aufladung der Kreditkarte bei 40 Euro. Grund hierfür ist, dass die Steuerfreigrenze bei Sachbezügen für Arbeitnehmer bei 44 Euro monatlich liegt. Danach wäre es ein geldwerter Vorteil, der versteuert werden müsste. Die bAV Plus Cashback-Karte ist somit ein Gimmick, dass laut HDI vor allem Geringverdiener motivieren soll, die überproportional zu den 40 Prozent der Arbeiternehmer gehören, die noch keine bAV abgeschlossen haben. "Das Konzept ermöglicht Vorsorge ohne spürbaren Konsumverzicht. Damit merken Arbeiter und Angestellte schon heute, dass bAV sich lohnt", meint Fabian von Löbbecke, Vorstandsvorsitzender von Talanx Pensionsmanagement und verantwortlich für bAV bei HDI.

Verbindung mit Indexpolice problematisch
Für 100 Euro Entgeltumwandlung prognostiziert der HDI derzeit eine Rente von monatlich 246 Euro. Gerechnet wurde ein 32-jähriger Arbeitnehmer, der bis zu seinem 67. Lebensjahr in die bAV-Direktversicherung einzahlt. Als Mustervertrag diente "TwoTrust Selekt", eine Indexpolice. Das Produkt ist eine konventionelle Rentenversicherung mit Indexbeteiligung. Das Vertragsguthaben liegt dabei immer als Sicherungsvermögen im Deckungsstock. Da Kursverluste nicht auf den Kunden abgewälzt werden sollen, wird die Entwicklung über eine so genannte Partizipationsquote gesteuert. Damit erhalten die Kunden auch bei positiver Entwicklung des Index nur einen Teil des Gewinnes gutgeschrieben.

Die obige Hochrechnung geht von einer Performance von vier Prozent aus. Angesichts hoher Kosten ist das eine ambitionierte Prognose. Immerhin gibt es knapp 124 Euro monatliche Garantierente, die auf dem Bruttobeitragerhalt basiert. Laut HDI hat das Konzept "bAV Plus Cashback" aber keine Auswirkungen auf die Auswahl des Tarifes. "Der Kunde wählt den Tarif, der am besten zu ihm passt", betont der Versicherer. Ob Index-Policen, bei dem Arbeitnehmer jährlich vorab entscheiden müssen, ob sie eine geringe Verzinsung oder die Index-Partizipation wählen wollen, überhaupt Laien vermittelt werden können und damit für die bAV geeignet sind, dürfte umstritten sein. Seit 2016 bietet der HDI keine konventionellen Lebensversicherungen alter Bauart mehr an.

Sachkostenzuschuss oft schon weg
Das bAV-Motivationsmodell setzt der HDI bereits mit ersten Firmen um. Eine Durchdringungsquote kann der Versicherer aber noch nicht nennen, weil die Kooperationen noch ganz "frisch sind". Kooperationspartner für die Kreditkarte ist die Firma Spendit AG. Herausgeber der Prepaid-Kreditkarte ist die Firma Mastercard. Die Verwaltungsgebühr für die Kreditkarte inklusive eines individuellen Firmenlogos des Arbeitgebers beträgt 40 Euro jährlich. Ein Hindernis der Umsetzung könnte sein, dass viele Firmen ihren Sachkostenzuschuss schon anderweitig verbrauchen, etwa für einen Essens- oder Mobilitätszuschuss. Ob dem HDI solche Unternehmen zum Umschwenken auf das bAV-Erinnermich gelingt, wird die Zukunft zeigen.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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