Das Vertrauen ist geschrumpft

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Wer sich nicht gegen eine Infektion mit dem Corona-Virus impfen lassen möchte, der hat signifikant weniger Vertrauen in die Gesetze und Gerichte in unserem Land. Die Polarisierung der Gesellschaft in der Impf-Frage zeigt sich somit auch in der Bewertung des deutschen Justizsystems. Das geht aus dem Roland Rechtsreport 2022 hervor, den Roland Rechtsschutz kürzlich veröffentlicht hat.

70 Prozent der Befragten haben sehr viel oder ziemlich viel Vertrauen in die Gesetze und in die Gerichte. Auf einen besseren Wert kommen nur kleine und mittlere Unternehmen sowie die Polizei. In der Trendanalyse der vergangenen Jahre zeigt sich, dass das Vertrauen in die Justiz relativ stabil ist. So bewegt sich das Vertrauen in die Gesetze seit drei Jahren um die 70 Prozent. Die Gerichte verzeichnen seit 2019 gar einen Anstieg des Vertrauens um fünf Prozentpunkte. Dagegen zeigt sich, dass unter den Impfverweigerern nur 27 Prozent sehr viel oder ziemlich viel Vertrauen in die Gesetze und 34 Prozent in die Gerichte haben.

Nur elf Prozent der Nicht-Geimpften vertrauen der Regierung

Außerdem hat das Vertrauen in die Bundesregierung und in die Verwaltung im vergangenen Jahr abgenommen. Beiden gegenüber bringen 44 Prozent sehr viel oder ziemlich viel Vertrauen entgegen, das ist ein Rückgang im Vergleich zur vorangegangenen Studie um fünf Prozentpunkte (Verwaltung) beziehungsweise 13 Prozentpunkte (Bundesregierung). Noch schlechter sieht es hier bei den Impfverweigerern aus: Elf Prozent der Nicht-Geimpften vertrauen der Regierung, 23 Prozent der Verwaltung.

„Die Polarisierung der Gesellschaft aufgrund der Impf-Frage kann auch für das Vertrauen in die Justiz erhebliche Konsequenzen mit sich bringen. Wie die Ergebnisse unserer Studie zeigen, ist dies aber nur eine von vielen Herausforderungen, denen sich die Justiz aktuell stellen muss“, erklärt Ulrich Eberhardt, Vorstand von Roland Rechtsschutz.

Auch wenn der Justiz vergleichsweise viel Vertrauen entgegengebracht wird, äußern die Befragten deutliche Kritik am Rechtssystem. 81 Prozent der Befragten kritisieren, dass viele Verfahren zu lange dauern würden – dies stellt den größten Kritikpunkt dar. 75 Prozent sind der Meinung, dass Gerichte heute zu viel Arbeit hätten und überlastet seien. Außerdem kritisieren die Befragten eine mangelnde Gleichbehandlung vor Gericht: 59 Prozent glauben, dass sich mit einem bekannten Anwalt die Aussichten auf ein günstiges Urteil verbessern würden. Und 55 Prozent vertreten schließlich die Ansicht, dass die Gesetze heutzutage zu kompliziert seien.

 

 

 

 

Digitalisierung macht auch vor Justizsystem nicht Halt

56 Prozent der Befragten vertreten die Auffassung, dass sich mit einer Mediation oder Schlichtung viele rechtliche Auseinandersetzungen beilegen lassen. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren um sechs Prozentpunkte gestiegen.

Schließlich verdeutlicht der Rechtsreport, dass die Digitalisierung auch vor dem Justizsystem nicht Halt macht. 46 Prozent der Befragten begrüßen es, dass sich mit den digitalen Angeboten von Legaltechs – zum Beispiel bei Schadenersatzforderungen oder der automatisierten Vertragserstellung – rechtliche Angelegenheiten lösen lassen, wohingegen nur 27 Prozent meinen, dass in Zukunft für solche Aufgaben weiterhin ausschließlich Anwälte zuständig sein sollten.

Hintergrundinformationen zum Rechtsreport

Bereits im zwölften Jahr in Folge hat das Institut für Demoskopie Allensbach für die repräsentative Studie über 1.000 Bürgerinnen und Bürger zu ihrer Meinung zum deutschen Rechtssystem befragt.

Der Roland Rechtsreport 2022 inklusive der Ergebnisse zum Thema „Fake News, Meinungsfreiheit, Verschwörungstheorien und die Rolle sozialer Medien“ gibt es hier.

Quelle: Roland

 

Autor(en): versicherungsmagazin.de

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