Der Weg zum datengetriebenen Versicherer

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55 Teilnehmer fanden sich auf der zweiten Fachkonferenz "Big Data und Data Analytics" der Versicherungsforen Leipzig und der Softwareforen Leipzig ein, um den Weg zum datengetriebenen Versicherer zu diskutieren und sich über aktuelle Projekte auszutauschen.

Dass dieser Weg nicht einfach ist und einige Unwägbarkeiten mit sich bringt, zeigte bereits der erste Vortrag von Tobias Rump, Head of IT Cross-Functional Systems & Data Analytics bei der Zurich Gruppe Deutschland. In seinem Vortrag ging er auf die neue Rolle der IT ein, die sich mit der Entwicklung hin zu datengetriebenen Geschäftsmodellen deutlich ändern werde. Zum einen übernehme die IT künftig vielschichtige Rollen: die des Drivers, Influencers, Enablers und Controllers. Zum anderen müsse diese übergreifende und wichtige Rolle genutzt werden, um alle weiteren Mitarbeiter anzusprechen und in die Prozesse einzubinden. Dies sei neben der strategischen Ausrichtung und der Integration neuer Technologien laut Rump einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren für die digitale Transformation.

Beispiele bei Axa und Lufhansa

Konkrete Anwendungsbeispiele für Advanced Analytics stellte Christoph Eichel, Leiter Analytik und Steuerung Schaden bei der Axa Konzern AG, vor. So nutzt der Konzern beispielsweise die eigenen Daten und die Daten von Gerichtsurteilen, um die Höhe des Schmerzensgeldes bei Personenschäden abschätzen zu können. Im Einsatz ist das Modell aktuell nicht, im Test habe es sich aber schon beweisen können und gezeigt, dass Data Analytics eine wertvolle Unterstützung für den Sachbearbeiter sein können. Mit Blick auf die vorgestellten Anwendungsbeispiele betonte Eichel, dass die Datenverfügbarkeit, die Nähe zur Fachabteilung als Business Sponsor und die eigentliche Implementierung die häufigsten Hürden sind.

Die Möglichkeiten von Data Analytics und mobilen Apps an der Kundenschnittstelle stellte Marcel Kling, Director und Program Lead Smile bei der deutschen Lufthansa AG, vor. Mit dem Projekt "Smile" will der Konzern die Customer Journey verbessern und sich mittels neuer Kundenansprache, datengestützter Leistungen und Services von den Wettbewerbern abheben. Die Erlebnisse der Passagiere werden je nach Freizeit- oder Geschäftsreisen individualisiert und neue personalisierte Angebote, etwa Lounge-Besuche für Wenigflieger, geschaffen. Kling betonte, dass vor jedem Projekt drei Fragen geklärt werden müssen: Ist die Maßnahme notwendig? Sind die notwendigen Daten verfügbar? Ist ein Durchstich, also eine effiziente Projektrealisierung, möglich? Zudem ging er auch auf die neuen Anforderungen an die Data Scientists ein, die neben dem reinen Fachwissen auch Business-Wissen mitbringen sollten.

Datenmenge wächst permanent

Dirk Höring, Leiter Produktmanagement Privat SHUK bei der HDI Versicherung AG, machte deutlich, dass die Menge an Daten durch den technologischen Wandel stetig wächst, insbesondere auch, weil vernetzte Produkte und das Internet of things immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Der kostengünstige Speicherplatz sowie eine deutlich erhöhte Rechenleistung tragen außerdem dazu bei, dass es immer einfacher ist, die zum Teil unstrukturierten Daten zu sammeln. Beim weiteren Vorgehen scheitere es dann allerdings oftmals daran, diese auszuwerten und Anwendungsmöglichkeiten für das eigene Unternehmen zu priorisieren und umzusetzen. Hieraus ergeben sich für das Produktmanagement laut Höring neue Anforderungen in Bezug auf technische und analytische Fähigkeiten. Produktmanagement, Technik und Aktuariat müssten stärker ineinandergreifen, um die Möglichkeiten von Advanced Analytics vollständig nutzen zu können.

Noch viele Entwicklungsmöglichkeiten offen

Die Veranstaltung zeigte,  dass bereits viele verschiedene Ansätze und Ideen für den Einsatz von Data Analytics in den einzelnen Häusern bestehen. Nach wie vor steckt ein hohes Entwicklungspotenzial in der Verarbeitung der aktuellen Datenbasis, da diese die Grundlage für neue Geschäftsprozesse und Produkte bilden. Besondere Chancen bietet das Thema Big Data für eine verbesserte Kundenansprache und eine damit einhergehende Verbesserung der Kundenbeziehung. Der Zugang zu den Daten und die Selektion relevanter Daten stellt dabei auch künftig einen entscheidenden Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Versicherungsunternehmen dar

Autor(en): Katja Wagenknecht, Versicherungsforen Leipzig

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