FDP kritisiert mangelndes KI-Engagement der Bundesregierung

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Die FDP-Fraktion macht sich für Künstliche Intelligenz (KI) stark, ist mit den bisherigen Aktivitäten der Bundesregierung aber nicht ganz zufrieden. Darum fordert sie von dieser, die für Dezember angekündigte KI-Strategie erfolgsorientiert auszurichten. Was das genau heißt, lesen Sie hier.

KI gehört zu den wichtigsten Technologien unserer Zeit. Während konservative Forscher von einem Hype und einem Evolutionsschritt des „Machine Learning“ sprechen, sehen visionärere Vertreter eine disruptive Entwicklung und die ersten Schritte eines transhumanen Zeitalters.

KI-basierte Produkte zielen momentan darauf ab, bestimmte, genau definierte Aufgaben zu lösen. In der bekanntesten Anwendung - dem "Machine Learning" - benötigt der Entwickler viel Geduld und Zeit, um die KI-Systeme dazu zu bringen, selbst einfache Aufgaben zu erledigen. Obwohl KI künftig zur Schlüssel-technologie der digitalen Transformation wird, ein transhumanes Zeitalter wird die Technologie noch lange nicht erschaffen.

Französische Regierung hat Vorbildcharakter

Auch in der Politik gerät das Thema um die Schlüsseltechnologie KI in den Fokus. In Frankreich beispielsweise unterliegt die Verantwortung für die KI-Strategie dem Fields-Medaillen-Träger Cédric Villani. Im Vergleich zur deutschen Diskussion fällt die Klarheit und Richtungsweisung, vor allem durch die Bündelung der Kompetenzen eines Hauptverantwortlichen, auf. Die französische Regierung zeigt deutlich, dass sie dabei ist, auf diesem Gebiet die Führung in Europa zu unternehmen. Die französische Regierung stellt dafür 1,5 Milliarden Euro für KI-Projekte, Forschung und Startups zur Verfügung.

Die deutsche Bundesregierung beschäftigt sich zur Zeit mit der Einrichtung eines Digitalrates und der Datenethikkommission. Erst im Juli 2018 hat sie ein Eckpunktepapier zu KI vorgelegt, auf dessen Basis eine Strategie erarbeitet werden soll. Die Strategie der Bundesregierung KI soll zum Digitalgipfel Anfang Dezember 2018 offiziell bekannt gegeben werden. Zusätzlich liegen Kompetenzen zu KI im Bundeskanzleramt, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie oder dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Zahlreiche Länder haben bereits nationale KI-Strategien vorgelegt, in denen sich viele gute Ideen finden lassen.

Obwohl KI künftig zur Schlüsseltechnologie der digitalen Transformation wird, ein transhumanes Zeitalter wird die Technologie noch lange nicht erschaffen.

Politik soll eindeutige Signale senden

Deutschland muss die Entwicklung bei KI durch erfolgsorientierte, institutionelle Rahmenbedingungen stützen, den Forschergeist stärken und Innovationen durch einfache Wettbewerbsregeln und Patentrechte fördern. Um die Chancen der Technologie im globalen Wettbewerb zu nutzen und gleichzeitig die Akzeptanz der Gesellschaft zu stärken, muss die Politik eindeutige Signale senden, wie sie zukünftig die rechtlichen sowie gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für den weiteren Transfer der Schlüsseltechnologie KI entwickeln möchte.

FDP fordert Bundesregierung zu mehr KI-Engagement auf

Entwicklung und Einsatz der KI-Technologie voranzubringen und zu gestalten wird zur zentralen gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Herausforderung. Aus diesem Grund fordert die FDP-Bundestagsfraktion die Bundesregierung zu folgenden Aktivitäten auf (eine Auswahl):

  1. genaue Zielvorgaben zu identifizieren, wie sie KI zu einem Erfolgsprodukt entwickeln wird, so dass Deutschland mittelfristig zu den globalen Playern USA und China aufschließt,
  2. eine Erfolgsmessung im Sinne der "Stiftung Neue Verantwortung e.V." zu entwickeln, die ein wichtiger Bestandteil erfolgreicher KI-Strategien sein muss, und die Fortschritte und die Erreichung der zuvor definierten Ziele erkennbar macht,
  3. eine international wettbewerbsfähige KI-Infrastruktur aufzubauen und zu fördern,
  4. kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) über staatlich geförderte KI-Labore bzw. Experimentierräume zu unterstützen, in denen Unternehmen kostengünstig und mit wenig Regularien mit KI experimentieren können,
  5. Wagniskapital über öffentliche Fonds zu mobilisieren und bessere Anreize für Investitionen in KI zu schaffen,
  6. eine Aufklärungskampagne über die Chancen der KI in die Strategie zu in-tegrieren, um die Akzeptanz und den Rückhalt in der Gesellschaft zu stärken,
  7. alle Themenbereiche, politische Handlungsfelder sowie Kompetenzen in einem sogenannten Digitalministerium zu bündeln, in dem digitale Technologien wie KI, Quantencomputing, Distributed-Ledger und andere Zukunftstechnologien einen höheren Stellenwert bekommen.

Auch in der November-Ausgabe von Versicherungsmagazin spielt das Thema KI eine wichtige Rolle:

"Mal ehrlich: Würden Sie Ihrem 18jährigen Sohn empfehlen,Versicherungsmakler zu werden? In ein paar Jahren könnte der Vertrieb völlig anders funktionieren als bisher. Kollege Roboter ist bereits im Anmarsch. Er will sukzessive das Geschäft übernehmen. Was würde dann aus Ihrem Sohn? Ein ungutes Gefühl beschleicht vermutlich viele Eltern, die abwägen, ob ihr Spross in ihre Fußstapfen treten soll.

Eine Gemeinschaftsstudie von Adcubum, einem Hersteller von Standardsoftware für die Assekuranz, und den Versicherungsforen Leipzig, liefert möglicherweise die Antwort: In zehn bis 15 Jahren werde sich der persönliche Vertrieb durch einen Menschen auf einen exklusiven Kundenkreis beschränken, der eine Beratung von Angesicht zu Angesicht aktiv einfordert. Der Vermittler werde dabei von einem künstlichen, intelligenten System „optimal unterstützt“. Es wird also immer noch Makler aus Fleisch und Blut geben, aber knapp 47.000 wie aktuell nicht mehr – höchstens einen Bruchteil davon.

Holger Rommel, Chief Operating Officer bei Adcubum und Mitautor der Studie, ist überzeugt: 'Der Vermittler als zentrale Schnittstelle zum Kunden und sein Beziehungsnetzwerk als Basis für den Verkauf verlieren sukzessive an Bedeutung. Vertrieb und Beratung werden stärker durch virtuelle Assistenten unterstützt und können langfristig sogar – auch bei komplexen Produkten – komplett vom Robo Advisor übernommen werden.' Seiner Meinung nach erledigen virtuelle Berater künftig das, was früher eine wesentliche Aufgabe des Vermittlers war: Kontaktanlässe erkennen und für die Ansprache nutzen."

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Quellen: Deutscher Bundestag, Stefan Terliesner (Versicherungsmagazin 11/2018)

Autor(en): Versicherungsmagazin

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