FDP sorgt sich um Tragfähigkeit, Bundesregierung beruhigt

740px 535px

Die FDP-Fraktion macht sich wohl Sorgen, um die aktuelle und künftige Tragfähigkeit deutscher Lebensversicherungsgesellschaften im Zuge der Niedrigzinsphase. In einer kleinen Anfrage fordern darum einige FDP-Politiker die Bundesregierung auf, zu dieser Problematik Stellung zu nehmen.

Auslöser für diese Besorgnis sind einige Lebensversicherer, die dazu übergegangen sind, Teile ihrer Bestände an Run-Off-Plattformen zu übertragen. Ein Weg, den einige Lebensversicherer im Zuge des niedrigen Zinsumfeldes vermehrt gehen oder gehen wollen. Die Entscheidung dafür fällt seit einiger Zeit auch leichter. Der Grund: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat Anfang des Jahres 2017 erstmalig die Übertragung von klassischen Lebensversicherungsbeständen an externe Abwickler zugelassen.

Nach Bafin erfüllen jedenfalls alle deutschen Lebensversicherer die regulatorischen Anforderungen und können dies auch mittelfristig leisten.

Wichtige Daten, Zahlen und Fakten
Ende 2016 gab es 82 Lebensversicherungsunternehmen, in deren Bestand sich 53,5 Millionen klassische Kapitallebensversicherungen mit einem laufenden Beitrag in Höhe von 37,6 Milliarden Euro befanden. Neun Lebensversicherer betreiben kein Neugeschäft mehr.In den Jahren 2013 bis 2017 wurden fünf Lebensversicherungsunternehmen von einer Run-Off-Plattform erworben und ein Bestand auf eine Run-Off-Plattform übertragen. Im Geschäftsjahr 2016 betrugen die verdienten Bruttobeiträge dieser Versicherungsbestände 1,6 Milliarden Euro. Dies entspricht 1,9 Prozent der verdienten Bruttobeiträge der Lebensversicherungsbranche.

Alle Plattformen sind deutsche Lebensversicherer
Drei Run-Off-Plattformen sind aktuell im Bereich der Lebensversicherung tätig. Bei allen Run-Off-Plattformen handelt es sich um deutsche Lebensversicherer unter Aufsicht der Bafin. Die Investoren stammen überwiegend nicht aus der deutschen Finanzwirtschaft.

Die Bundesregierung sieht die positiven und negativen Faktoren dieser Plattformen: Bei entsprechender Größe können ihres Erachtens Run-Off-Plattformen Versicherungsbestände effizient und kostengünstig verwalten, zumal keine Vertriebskosten anfallen.

Auch glaubt sie, dass in der Kapitalanlage sich wegen des fehlenden Neugeschäfts Vorteile ergeben können, weil die Bestandsentwicklung und die künftigen Ein- und Auszahlungen genauer prognostiziert werden können. Nachteile für Run-Off-Plattformen könnten sich daraus ergeben, dass der Betrieb zu teuer wird, wenn das Bestandsvolumen zu klein geworden ist.

Europäische Kommission arbeitet an einer Alternative
Doch die derzeitige Abwicklungspraxis wird nun in Frage gestellt und soll modifiziert werden. Denn nach Kenntnis der Bundesregierung erwägt die Europäische Kommission, einen Vorschlag für eine Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Versicherungsunternehmen vorzulegen. Zeitplan und Umfang dieses Vorhabens sind aber noch offen.

Quelle: Deutscher Bundestag

 

Autor(en): Versicherungsmagazin

Mehr zu Bafin

Alle Branche News