GDV: Versicherer schreiben schwarze Zahlen

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Mit Beitragseinnahmen von 197,7 Milliarden Euro (+1,7 Prozent) verbuchten 2017 alle drei Sparten bessere Ergebnisse als erwartet. Dies teilte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Wolfgang Weiler (Bild), am 31. Januar 2018 bei der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Berlin mit. Selbst die Kraftfahrtversicherung und die Wohngebäudeversicherung schrieben im Vorjahr schwarze Zahlen.

Alleine die Lebensversicherung stagnierte, die Beitragseinnahmen dort liegen mit 90,7 Milliarden Euro im Jahr 2017 auf Vorjahresniveau (-0,1 Prozent). Das Einmalbeitragsgeschäft im Neugeschäft sei, so Weiler, mit minus 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr weniger stark zurückgegangen als prognostiziert. Es betrug 26,1 Milliarden Euro. Weniger gut lief es beim Neugeschäft gegen laufenden Beitrag, das 2017 um 4,6 Prozent zurück auf 5,2 Milliarden Euro fiel.

Run-off in der Diskussion
Beim Thema Run-off in der Lebensversicherung war Dr. Markus Faulhaber gefragt, Vorsitzender des Präsidialausschusses Altersvorsorge und Zukunftssicherung (GDV) und Vorstandsvorsitzender der Allianz Lebensversicherungs-AG. Aus der Sicht des Kunden müsse ein Übertrag von Lebensversicherungsverträgen auf eine Konsolidierungsplattform nicht schlecht sein – im Gegenteil. Werde der Bestand im eigenen Unternehmen abgewickelt, gebe es sehr hohe Fixkosten. Bei einer Übertragung auf einen Externen gebe es durch Skalenerträge sogar mehr Chancen auf Überschusserträge für die Kunden, erläuterte Faulhaber. GDV-Präsident Weiler wies noch darauf hin, dass die übernehmenden Unternehmen auch Versicherer seien, die der Regulierung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unterliegen.

Immer mehr Produkte mit alternativen Garantiekonzepten
Die Stornoquote dürfte wie im Vorjahr bei 2,8 Prozent liegen, sagte der Verbandschef. Einen weiter wachsenden Anteil in der Lebensversicherung machen mittlerweile Produkte mit alternativen Garantiekonzepten aus. Im Neugeschäft entfallen darauf inzwischen knapp 50 Prozent, während der Anteil klassischer Policen mit durchgehender Garantieverzinsung auf etwa 40 Prozent gesunken ist.

Riester-Bestand geht zurück
Es wurden 2017 etwa 288.000 neue Riester-Verträge und rund 81.200 neue Basisrentenverträge abgeschlossen. Durch auslaufende Verträge (darunter sind auch Abfindungen, die gezahlt werden, wenn die Riester-Rente eine vorgeschriebene Mindesthöhe nicht erreicht) und Anbieterwechsel geht der Riester-Bestand aber insgesamt zurück auf 10,56 Millionen Verträge. Der Bestand an Basisrenten dürfte hingegen leicht gestiegen sein - auf 2,12 Millionen Verträge.

bAV wird immer wichtiger
Die Betriebliche Altersversorgung (bAV) ist in 2017 als wichtiger Pfeiler der Lebensversicherung noch wichtiger geworden, denn die Anzahl der Verträge hat insgesamt zugenommen: um 1,9 Prozent auf 15,7 Millionen Verträge. 17,9 Prozent der Gesamtverträge entfallen nunmehr auf die betriebliche Altersversorgung. Dabei liegt die Zahl der Direktversicherungsverträge im vergangenen Jahr erstmals über acht Millionen Verträge. Das bAV-Neugeschäft hat sich ebenfalls sehr erfreulich entwickelt. Das Einmalbeitragsgeschäft stieg um 21,2 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Das Neugeschäft gegen laufenden Beitrag stieg um 2,3 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro.

Beitragsplus bei Schaden- und Unfallversicherung
Die Unternehmen der Schaden- und Unfallversicherung registrierten 2017 ein Beitragsplus von 2,9 Prozent (Prognose: +2,1 Prozent) auf 68,2 Milliarden Euro. Die ausgezahlten Leistungen nahmen laut Hochrechnung um 3,2 Prozent auf 51 Milliarden Euro zu. Insgesamt haben die Versicherer damit 2017 erneut schwarze Zahlen geschrieben: Der versicherungstechnische Gewinn dürfte bei 3,4 Milliarden Euro liegen (Vorjahr: 3,5 Milliarden Euro), die Schaden-Kosten-Quote wie 2016 bei 95 Prozent.

Kfz-Versicherung: Totgesagte leben länger
Die Leistungen der Kraftfahrtversicherung die Leistungen erhöhten sich um rund vier Prozent auf 23,6 Milliarden Euro). Eine der Ursachen ist der Preisanstieg bei Ersatzteilen, deren Teuerungsrate deutlich oberhalb der Inflation liegt. Auch die Beitragseinnahmen dürften um rund vier Prozent gestiegen sein auf 27 Milliarden Euro. Unterm Strich konnte ein leichter versicherungstechnischer Gewinn von voraussichtlich 400 Millionen Euro erzielt werden. Diese Zahlen widerlegten alle Prognosen, wonach der Kfz-Versicherung ein abrupter Tod vorhergesagt werde, erklärte Dr. Norbert Rollinger, Vorsitzender des Präsidialausschusses Risikoschutz für Gesellschaft und Wirtschaft (GDV) und R+V-Vorstandschef.  Für einen abrupten Abrieb in der Sparte gebe es keine Hinweise, im Gegenteil, man habe den Höchststand bei den Beiträge und Verträgen erreicht, leider auch bei den Schäden.

PKV weiter bei 8,8 Millionen Vollversicherte
Die Beitragseinnahmen der privaten Krankenversicherungsunternehmen (PKV) haben sich 2017 um 4,3 Prozent auf 38,8 Milliarden Euro erhöht (Vorjahr: 37,3 Milliarden). 36,5 Milliarden Euro davon entfallen davon auf die Krankenversicherung – insoweit ein Plus von 4,1 Prozent. In der Pflegeversicherung lagen die Einnahmen bei 2,3 Milliarden Euro – ein Anstieg von 6,1 Prozent. Die ausgezahlten Versicherungsleistungen der PKV haben 2017 eine Höhe von 27,0 Milliarden Euro erreicht. Das sind 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr (26,6 Milliarden Euro). Auf die Krankenversicherung entfallen davon 25,9 Milliarden Euro, auf die Pflegeversicherung 1,1 Milliarden Euro. Der Bestand aus Voll- und Zusatzversicherungen hat 2017 um fast 600.000 Versicherungen auf eine Gesamtzahl von 34,5 Millionen zugenommen. Im Einzelnen stieg die Zahl der Zusatzversicherungen um 2,4 Prozent auf 25,7 Millionen; die Zahl der Vollversicherung blieb stabil bei 8,8 Millionen Versicherungen.

Autor(en): Bernhard Rudolf

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