Gemeinsam gegen die Big Techs

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Die Zeichen stehen auf Partnerschaft: Während Finanzdienstleister und Fintechs bisher miteinander konkurrierten, müssen sie sich nun gemeinsam gegen den möglichen Markteintritt so genannter Big Techs wie Amazon, Alibaba oder Apple wehren, lautet die Prognose des "World Fintech Report 2018", der von Capgemini und LinkedIn in Zusammenarbeit mit der Efma veröffentlicht wurde.

Verbraucher sind die Profiteure des rasanten Fintech-Wachstums im Finanzdienstleistungsbereich, denn die Start-ups haben das Kundenerlebnis in den Mittelpunkt ihrer Angebote gerückt. Zudem können sie ohne die Altlasten der etablierten Unternehmen neue Technologien direkt zum Kundenwohl einsetzen.

Fintechs fehlt ein Partner-Ökosystem
"Fintech-Firmen sind stark kundenorientiert und schließen damit die Lücke, die traditionelle Firmen hinterlassen haben. Für Fintechs öffnet sich dadurch eine Tür, das Vertrauen in traditionelle Firmen bleibt für die Kunden aber weiterhin wichtig", sagt Penry Price, Vice President, Global Marketing Solutions, LinkedIn.

Obwohl Fintechs seit 2009 mit 110 Milliarden US-Dollar finanziert wurden, sieht der Bericht die meisten von ihnen scheitern, weil ihnen ein effektives Partner-Ökosystem fehle. Gleichzeitig adaptierten traditionelle Finanzinstitute viele Entwicklungen des Kundenservice aus dem Fintech-Bereich und behielten dabei ihre Stärken wie Risikomanagement, Infrastruktur, regulatorische Expertise, Kundenvertrauen, Zugang zu Kapital und vieles mehr bei.

Die Big Techs kommen
Aktuell kündige sich ein Umbruch der Branche durch BigTechs an, so die Studienmacher. Die großen, multinationalen Technologieunternehmen mit einem riesigen Kundenstamm im Einzelhandel sind sowohl für die Finanzdienstleister als auch die Fintechs eine wachsende Konkurrenz. Höchste Zeit also zu kooperieren.

Als Hilfestellung für die Branche hat Capgemini das so genannte ScaleUp-Zertifizierungs-Werkszeug entwickelt. Dieses schafft ein Modell für Kooperation und gegenseitige Verifikation, das die Partnerschaft zwischen traditionellen Firmen und Fintechs fördern soll.

Insurtechs und Versicherer müssen sich finden
Die Forderung nach Kooperation zwischen der alten und der neuen Finanzdienstleistungswelt, schließt auch die Insurtechs ein. "Insurtechs und traditionelle Versicherer kommen nur weiter, wenn sie miteinander kooperieren", sagt Gunnar Tacke, Managing Business Analyst Versicherungen bei Capgemini. Ein passendes Feld für Partnerschaften sieht er in der modernen Schadenbearbeitung unter Einsatz von künstlicher Intelligenz. Hier könnten beide Parteien ihre komplementären Stärken sinnvoll einbringen.

"Die Start-ups haben innovative Technik oftmals schneller und agiler im Einsatz, die traditionellen besitzen den nötigen Datenschatz, um Algorithmen anzulernen. Partner finden wird obligatorisch. Ein gutes Beispiel ist die Liaison der Allianz und tractable in Österreich. Sie nutzen eine selbstlernende Bilderkennungssoftware, um Kfz-Schäden zu erkennen und zu bewerten", so der Experte weiter.

"Als einer der BigTechs in den Markt für Finanz- und Versicherungsdienstleistungen eintreten könnte zum Beispiel Amazon. Das Unternehmen versteht Vertrieb, ist maßgebend für alle Branchen in Sachen Customer Experience und verfügt über allerhand Kapital, auch um mal nur einen Versuchsballon zu starten. Ob sie Spaß daran hätten, ist die andere Frage", Gunnar Tacke, Managing Business Analyst Versicherungen Capgemini

Veranstaltungstipp
Insurtechs, künstliche Intelligenz und Blockchain sind die großen Themen auf der Konferenz für Finanztechnologie (Fintech-Revolution) in Frankfurt am Main. Die Tagung, die von Versicherungsmagazin, Bankmagazin und dem Center for Financial Studies organisiert wird, geht am 20. September 2018 in die nächste und vierte Runde. Anbei ein Rückblick (Besser eigene Ideen entwickeln, Wenn aus einem Hype ein neuer Trend wird) auf die 3. Konferenz für Finanztechnologie. Außerdem folgende Bilderstrecke: Impressionen

Autor(en): Versicherungsmagazin.de

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