Gemeinsame E-Akte von GKV und PKV geht an den Start

740px 535px

Ab sofort können 13,5 Millionen Versicherte von zwei privaten (PKV) und 14 gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ihre persönlichen Gesundheitsdaten in einer digitalen Gesundheitsakte speichern, verwalten und weiterleiten. Die Anwendung Vivy, des gleichnamigen Start-ups, steht den Versicherten als App kostenfrei zur Verfügung.

Die privaten Krankenversicherer Allianz, die zu 70 Prozent an dem Start-up beteiligt ist sowie Barmenia sind an dem Projekt beteiligt. Auf Seiten der gesetzlichen Kassen nehmen die DAK-Gesundheit, die Innungskrankenkassen IKK classic, IKK Nord, IKK Südwest sowie die Betriebskrankenkassen Bertelsmann, Diakonie, Dürkopp Adler, Gildemeister, Heimat, HMR (Herford, Minden, Ravensberg), Melitta Plus, mhplus, Pronova, sowie Stadt Augsburg teil.

Versicherte entscheiden, wer ihre Daten sehen darf

Nutzer können ab sofort Gesundheitsdaten ihrer Vivy-App speichern: Sie allein entscheiden welche Daten sie mit dem behandelnden Arzt, einem Labor oder einem Krankenhaus teilen. In die Anwendung integriert ist auch ein Gesundheitsassistent. Wer zum Beispiel regelmäßig verschiedene Medikamente einnimmt, kann sich über Wechselwirkungen informieren. Weitere Leistungen sind unter anderem ein Gesundheitscheck, ein digitaler Impfplan, Vorsorgeerinnerungen, digitalisierte Medikationspläne, Medikationserinnerungen sowie die Anbindung von Wearables.

Eine asymmetrische Ende-zu-Ende Verschlüsselung der Dokumente soll sicherstellen, dass Dokumente ausschließlich vom Versicherten am Endgerät gelesen werden kann. Nur er soll über die Verwendung der Daten entscheiden. Der hohe Sicherheitsstandard hat aber auch seinen Preis: Verliert der Nutzer den Schlüssel, ist ein Zugriff auf die Daten nicht mehr möglich.

Neue Schnittstellen kommen dazu

Ab Anfang 2019 wird Vivy zudem die Schnittstelle KV-Connect Mobile für den verschlüsselten Datenaustausch mit Ärzten in Praxen, Krankenhäusern und Laboren nutzen. KV-Connect ist der Kommunikationsdienst, der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), der in allen Praxisverwaltungssystemen, vielen Krankenhausverwaltungssystemen und Laborinformationssystemen zur Verfügung steht. Ebenfalls ab Anfang 2019 will der zweitgrößte deutsche Praxissoftware-Anbieter Medatixx eine Schnittstelle zu Vivy in seine Software für Ärzte integrieren. 22.300 Praxen können dann künftig direkt aus ihrer Software heraus Gesundheitsdaten verschlüsselt an ihre Patienten mit Vivy-Akte senden.

Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage ist das Interesse an einer elektronischen Gesundheitsakte bei den Deutschen groß: Mehr als ein Drittel (38 Prozent) gab in der Umfrage an, eine elektronische Gesundheitsakte in Form einer App auf dem Smartphone auf jeden Fall nutzen zu wollen, ein weiteres Drittel (36 Prozent) kann sich dies  vorstellen. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen wünschen sich sogar 43 Prozent so eine Lösung, weitere 38 Prozent sind dafür offen.

Allianz steht hinter dem Start-up

Hinter Vivy steht der Allianz-Konzern, der zu 70 Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist. Der heutige Allianz-Vorstand und frühere FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr, hat das Projekt maßgeblich vorangetrieben. Künftig könnten sich noch mehr gesetzliche Krankenkassen beteiligen, denn Vivy gewann die Ausschreibung von Bitmarck, dem IT-Dienstleister von mehr als 90 Kassen. Potenziell können so bis zu 25 Millionen Versicherte zum Nutzerkreis gehören.

"Die Bereitstellung aller Gesundheitsdaten in einer App ist eine der größten Veränderungen im Gesundheitssystem seit vielen Jahren." Christian Rebernik, Gründer und Geschäftsführer Vivy GmbH, Berlin

Autor(en): Versicherungsmagazin.de

Mehr zu elektronische Gesundheitsakte

Alle Branche News