Ihr Asset Management lässt Allianz jubeln

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Die Allianz hat heute ihre Geschäftsergebnisse für das zweite Quartal präsentiert. Sie ist mit diesem "zufrieden". Besonders viel Freude bereitet dem Unternehmen der deutsche Arm der Lebensversicherung. Beim Asset Management hat das Niveau sogar einen historischen Höchststand erreicht. Und auch die Entwicklung der Combined Ratio im Schaden/Unfall-Sektor lässt sie frohlocken. Wenn bis Ende des Jahres nicht doch Naturkatastrophen auftreten sollten.

Europas größter Versicherer ist mit den Ergebnissen - ganz Understatement - "zufrieden" und glaubt auch an eine weiterhin positive Entwicklung für das laufende Jahr. CFO Giulio Terzariol, Allianz-Financhef seit Anfang 2018, der die Zahlen präsentierte, konnte für das 2. Quartal "keine großen Bewegungen" vermelden, sondern nur eine "eher langweilige" Entwicklung. Die Allianz freut es sicher. Doch noch mehr freut es sie, dass es auch einige positive Aussschläge gibt, so beim Asset Management und der deutschen Lebensversicherungssparte. Allgemein hat die Allianz gute Chancen, das operative Ergebnis 2018 auf einen Wert über dem Vorjahresniveau von 11,1 Milliarden Euro zu steigern.

Bislang stellten CEO Oliver Bäte und CFO Giulio Terzariol gemeinsam die Ergebnisse vor. Heute tat dies Terzariol alleine. Der Grund: Bäte soll künftig nur noch bei den großen Bilanzkonferenzen und "anlassbezogenen Konferenzen" in Erscheinung treten, so zum Beispiel im November diesen Jahres. Dann soll der Allianz-Vorstandschef Bäte die neue Allianz-Strategie erläutern. Diese wird aber wohl nur "eine Evolution, keine Revolution sein". Einen tieferen Einblick in die Pläne des Versicherers wollte CFO Terzariol nicht geben. Zu entlocken war ihm nur, dass die Kundenzentrierung weiter im Fokus des Marktführers stehen wird, natürlich ebenso die Themen Wachstum und Produktivität. Keine wirklich neue Botschaft. Und dass die Digitalisierung bei der Allianz "auch mit einer Simplifizierung der Prozesse" einhergehe. Was auch immer das heißen mag.

Wie sich die Schaden- und Unfallsparte entwickelt
Das operative Ergebnis im Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft war stabil. Der auf die Anteilseigner entfallende Quartalsüberschuss sank leicht auf 1,9 (2,0) Milliarden Euro: Ein negativer Effekt aus dem Verkauf der traditionellen Lebensversicherungsportfolios in Taiwan wurde nach Aussage der Allianz teilweise durch niedrigere Ertragssteuern ausgeglichen.

Giulio Terzariol kommentiert das Ergebnis der Schaden/Unfall-Sparte für das 2. Quartal 2018 mit den Worten: "Die Wachstumsraten für die Schaden- und Unfall-Versicherung waren gut und haben ein sehr starkes Bild abgegeben".

94 Prozent Combinded Ratio absolut im Rahmen des Machbaren
Auch mit Ihrer Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) ist die Allianz sehr zufrieden, denn im 2. Quartal konnte diese eine "sehr gute Quote erreichen". Die angestrebten 94 Prozent für das Gesamtjahr kann nach Aussage von Terzariol sein Haus auch erreicht werden - wenn keine weiteren Großschäden kommen, keine großen Naturkatastrophen. Doch das vergangene Jahr habe eben gezeigt, dass sich das Blatt hier noch schnell wenden könne. Grundlage für die gute Quote ist nach Ansicht des Finanzvorstands auch die Tatsache, dass die Allianz mit ihrer Produktivitätsinitiative bislang gut vorangekommen ist. Höhere Belastungen durch Großschäden und wetterbedingte Schäden hätte das Unternehmen im laufenden Jahr bereits verbuchen müssen, aber eben noch keine Naturkatastrophen.

Bei normalem Verlauf der Ereignisse, also ohne Naturkatastophen und einer normalen Entwicklung der Kapitalmärkte, könnte die Allianz auch über alle Sparten hinweg "die obere Hälfte ihrer Prognosen erreichen", hofft Terzariol.

Allianz Leben in Deutschland bereitet dem Unternehmen Freude
Besonders stolz ist der Italiener auf die Entwicklung von Allianz Leben in Deutschland. Dieser Sektor sei um 22 Prozent gewachsen, andere Länder wie Italien und Benelux hätten hier eher geschwächelt. Der deutsche Lebensversicherungsarm hat mit seiner guten Entwicklung wohl "die ganze Gruppe getragen".

Die positiven Ergebnisse sieht er vor allem darin beründet, dass sein Arbeitgeber kontinuierlich seinen Produktmix zu kapitaleffizienten Produkten verschoben habe. Dies zeige einmal mehr die Fähigkeit seines Hauses, sich an das schwierige Zinsumfeld anzupassen. O-Ton Terzariol: "Unsere Neugeschäftsmarge von 3,5 Prozent liegt deutlich über Plan, und der Neugeschäftswert stieg im Quartal auf 491 Millionen Euro, was ein erfreuliches Wachstum von fünf Prozent bedeutet“.

Asset Management zeigt historisch positiven Aufwärtstrend
Mehr als positiv sieht der Allianz-Mann aber die Entwicklung beim Asset Management: „Die Kombination aus höherem verwalteten Vermögen, höheren Margen und einem niedrigeren Aufwand-Ertrag-Verhältnis führte zu einem zweistelligen Gewinnwachstum. Während wir im Quartal Nettoabflüsse hatten, verzeichneten wir in den Monaten Juni und Juli Zuflüsse. Wir sind mit der Entwicklung unseres Asset-Management-Geschäftes sehr zufrieden”, sagte der Finanzvorstand lakonisch.

Sogar ein "historisches Höchstniveau" konnte der Finanzexperte im Asset-Management-Sektor vermelden. "Dies ist unser bestes  Ergebnis überhaupt", frohlockte er.

Außerordentlicher Aktienrückkauf vielleicht noch nicht abgeschlossen
Die Allianz hat die Branche und die Presse kürzlich und früher als erwartet mit einem außerordentlichen Aktienrückkauf überrascht. Und zwar in Höhe von drei Milliarden Euro. Darüber, ob in diesem Jahr ein weiterer Aktienrückkauf ansteht, wollte Terzariol keine Aussage machen. Nur, dass sie "weitere Optionen in dieser Richtung abwägen werden". Vielleicht werden diese auch erst im kommenden Jahr angegangen. Der Finanzexperte gab nur zu bedenken, dass man in diesem Kontext "auch das Jahr 2019 im Blick haben müsste". Ergänzte aber dann noch, dass "wir uns auch gut ohne Akquisitionen behaupten können".

Das interne Umsatzwachstum betrug 6,5 Prozent, wobei alle Geschäftsbereiche ein starkes Wachstum verzeichneten. Der Gesamtumsatz stieg um 2,9 Prozent auf 30,9 (zweites Quartal 2017: 30,0) Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg um 2,3 Prozent auf 3,0 (2,9) Milliarden Euro. Im Geschäftsbereich Asset Management stieg das operative Ergebnis aufgrund höherer Erträge.Die Gründe dafür: Ein höheres verwaltetes Vermögen (AuM) und verbesserte Margen. Damit wurde der Rückgang des operativen Ergebnisses im Geschäftsbereich Lebens- und Krankenversicherung mehr als ausgeglichen.

Noch zwei Fußnoten
Den Verkauf von weiteren Lebensversicherungen außerhalb Deutschlands schließt die Allianz aktuell nicht aus. Dabei sei eine "Abwicklung über die Rückversicherung aber die präferierte Lösung".

Außerdem: Die Allianz plant die Einführung einer neuen Direktversicherung, kann und möchte aber erst im November nähere Aussagen zu diesem Vorhaben machen.

Autor(en): Meris Neininger

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