Kostenquoten bewegen sich nur langsam

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Die Lebensversicherungs-Branche steht weiterhin unter besonderer Beobachtung. Wie sich die Versicherer 2017 bei wichtigen Kennzahlen geschlagen haben.

Die Hitliste der Versicherer verändert sich hinter Branchenprimus Allianz immer wieder einmal. Verantwortlich dafür ist das recht volatile Geschäft mit Einmalbeiträgen. Noch stärker aber muss die Branche derzeit auf zwei Kennzahlen achten, die unter besonderer politischer Beobachtung stehen: der Abschluss- und der Verwaltungskostenquote.

Bessere Produkte, effizientere Prozesse

Beide Kostenquoten haben in Zeiten niedriger Zinsen eine besondere Durchschlagskraft in die Ergebnisse hinein, die für die Kunden erreicht werden. Konnte man noch vor 20 Jahren signifikant höhere Kostenquoten in den hohen Kapitalanlageergebnissen verstecken, treten mangels Kapitalerträgen heute die Kosten offen zutage. Eine wesentliche Differenzierung können die Lebensversicherer im Wettbewerb nur noch an zwei Stellen erreichen: Zum einen bei der Produktgestaltung, zum anderen bei der Kosteneffizienz. Beide Größen stehen allerdings in einem Spannungsverhältnis - je höher die Produktkomplexität, desto höher die Kosten, mit denen diese Produkte beraten, verkauft und verwaltet werden.

Insofern muss man die seit mehreren Jahren zu hörenden Appelle der Versicherungsaufsicht an die Lebensversicherer kritisch sehen, dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld mit stärker differenzierten Produkten jenseits altbekannter, Deckungsstock-gestützter Garantieprodukte zu begegnen. Mehr Komplexität und mehr Wettbewerbsdifferenzierung ziehen höhere Kosten nach sich. Nun aber hat das der Bafin vorgesetzte Bundesfinanzministerium eine andere Parole ausgegeben: Die Kosten müssen runter.

Verursachen nur Vermittler Kosten?

Wobei unter Kosten jedenfalls laut dem Evaluationsbericht des Ministeriums an den Deutschen Bundestag anscheinend höchst verengend nur die Vermittler-induzierten Abschlusskosten gesehen werden, vor allem also die Provisionen und Courtagen. Diese machen zwar zwei Drittel der gesamten Abschlusskosten der Branche von immer noch knapp sieben Milliarden Euro jährlich aus, ein Drittel aber eben auch nicht. Das wird bei den Versicherern selbst erzeugt, für die Organisation des Vertriebs und die Antragsprüfung und Policierung.

Auch die Verwaltungskosten sind dem Ministerium nur eine kurze Erwähnung wert. Diese seien vor vielen Jahren einmal höher als die heutigen, branchendurchschnittlichen 2,3 Prozent oder rund zwei Milliarden Euro gewesen. Damit scheint man in Berlin zufrieden zu sein und keinen weiteren Handlungsbedarf mehr zu erkennen.

Verwaltungskosten stagnieren

Dass aber die Verwaltungskosten bei den größten 50 Gesellschaften wie Allianz, Targo oder Europa zwischen knapp unter einem Prozentpunkt am einen Ende, am anderen Ende aber auch bis zu knapp über fünf Prozentpunkten bei Ergo schwanken, sollte allein schon ein Hinweis darauf sein, dass Prozesseffizienz einen bedeutenden Hebel zu stabileren und kostengünstigeren Lebensversicherern darstellen kann.

Und hier hat sich weiter nichts bewegt, die Kostenquote scheint bei 2,3 Prozent eingefroren zu sein, wie aktuell die "Zeitschrift für Versicherungswesen" aufzeigt. Ihr Chefredakteur Marc Surminski gibt auch einen pessimistischen Ausblick: "Die Verwaltungskosten" dürften "auch in den nächsten Jahren kaum signifikant sinken, vielleicht sogar zunächst steigen", schreibt er. Als Gründe nennt er vor allem den Rückstand bei der Digitalisierung und den Bedarf, unflexible alte Verwaltungssysteme durch neuere ersetzen zu müssen.

Abschlusskosten sinken - leicht

Die Abschlusskostenquote hat sich dagegen zumindest leicht bewegt, und zwar in die von der Politik gewünschte Richtung nach unten. Die Zeitschrift gibt die aktuelle Quote 2017 mit 4,7 Prozent der Beitragssumme des Neugeschäfts an, das ist etwas weniger als die 4,8 Prozent des Vorjahrs.

Aber auch hier gibt es weiterhin eine enorme Bandbreite an Kostenquoten, mit denen die einzelnen Versicherer ihr Geschäft jeweils einkaufen. So geben beispielsweise Debeka, LVM und Barmenia 3,5 Prozent und weniger von der Beitragssumme des Neugeschäfts aus. Dagegen kaufen Versicherer wie HDI und Deutsche Leben das Geschäft zu mehr als neun Prozent ein.

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Hier sollte ebenfalls zum einen hinterfragt werden, ob nicht mehr Prozess- und Steuerungseffizienz auf Versichererseite möglich ist. Zum anderen sind höchst unterschiedliche, differenzierte Provisionszusagen zunehmend kritisch zu sehen, denn § 48a VAG zwingt die Versicherer eigentlich dazu, die Provision nicht mehr als Instrument einzusetzen, Vermittler unter Umständen davon abzuhalten, dem Kunden das tatsächlich dringend benötigte Produkt und nicht ein weniger geeignetes anzubieten. Insbesondere Makler sollten dabei stets bedenken, dass die Abschlusskosten ihres Vertriebswegs nicht ausschließlich aus den Courtagesätzen bestehen, die selbst erhalten. Das Maklergeschäft wird oft über Pools kanalisiert, und die arbeiten auch nicht für Gotteslohn. Ebenso findet man vereinzelt im Ausschließlichkeitsvertrieb immer noch teure Strukturen, bei denen viele Hände bei einem Abschluss aufgehalten werden.

Die Politik sollte aber auch zwei Argumente nicht vergessen: Zum einen braucht sie Vermittler, die Lebensversicherungen zur ergänzenden, privaten Vorsorge vertreiben, obwohl dieselbe Politik die Rahmenbedingungen dafür deutlich verschlechtert hat. Die beiden wichtigsten Verkaufsargumente früherer Zeiten wurden mit Absicht einkassiert: hohe Zinsen und eine weitgehende Steuerfreiheit. Nun kann die Bundesregierung nicht erwarten, dass der Vertrieb sogar noch kompliziertere Produkte mit laufendem Beratungs- und Anpassungsbedarf für weniger Provision vertreibt. Das funktioniert nicht.

Schleichend auf dem Weg zu einem Reichen-Produkt

Zum anderen sollte es die Politik nicht ruhig lassen, dass die Lebensversicherung schleichend auf dem Weg zu einem Reichen-Produkt ist. Der langfristige, massive Trend weg vom jahrzehntelangen Sparprodukt hin zu Einmalbeiträgen in Großverträge spricht Bände, welches Klientel die Branche zunehmend anspricht. Deshalb sollte nun dringend wenigstens ein Teil der Zur Haushaltssanierung und Bankenstützung einkassierten Zinserträge ersetzt werden durch eine wesentlich attraktivere steuerliche Förderung der Altersvorsorge. Wenn dies dann auch nicht mehr wie bei Riester mit unendlich komplexen Nebenbedingungen und Verwaltungsvorschriften verknüpft wird, kann ein Versicherungsvertrieb auch mit schlankeren Kosten effizient Altersarmut bekämpfen.

Kostenqoten Beenken 9/2018

Autor(en): Matthias Beenken

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