Mittelstand bemängelt schlechte Voraussetzungen für Existenzgründer in Deutschland

Der ifo-Geschäftsklimaindex für August hat es zuletzt wieder deutlich gemacht: Die Unternehmen in Deutschland sehen für die kommenden sechs Monate tiefschwarze Wolken am Konjunkturhimmel aufziehen. Und nirgendwo in Europa beurteilen Mittelständler die Rahmenbedingungen für Existenzgründer so schlecht wie in der Bundesrepublik, wie nun der Spezialversicherer in einer Umfrage herausfand.

Als eines der Haupthindernisse für die Existenzgründung geben 81 Prozent der befragten deutschen Mittelständler mangelhafte finanzielle Unterstützung an. Damit belegt Deutschland einen Spitzenplatz im internationalen Ranking. 72 Prozent der französischen und 64 Prozent der britischen Mittelständler sind der Meinung, dass es schwierig ist, Finanzierungshilfen für ein neues mittelständisches Unternehmen zu finden. Deutlich entspannter die Situation in den Niederlanden und den USA: Nur jeweils 55 Prozent und 58Prozent der Befragten bemängeln die finanzielle Starthilfe.

Bürokratie blockiert Mittelstand
Auch die vielen bürokratischen Hürden werden von der deutschen Wirtschaft als Hindernis für die Existenzgründung genannt. So gaben 67 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmer hierzulande, dass die Bürokratie den Mittelstand bremst. Noch zugespitzter ist die Lage nur in Frankreich: Drei Viertel der Franzosen (76 Prozent) zählen die Bürokratie zu den Haupthindernissen für die Gründung des eigenen Unternehmens. Etwas weniger unzufrieden sind Amerikaner (68 Prozent) und Holländer (55 Prozent).

Bessere Bedingungen schaffen
"Im internationalen Vergleich erscheint der deutsche Mittelstand sehr pessimistisch. Wir wissen aber, dass der Mittelstand in schweren Zeiten sehr flexibel und anpassungsfähig ist. Während große Unternehmen Verluste und massive Entlassungen vermelden, reagiert der Mittelstand mit Expansion, der Erschließung neuer Geschäftsfelder und Personalaufbau. Für deutsche Existenzgründer müssen aber dafür erst bessere Bedingungen geschaffen werden", fordert Robert Dietrich, Vorstandsvorsitzender der Hiscox AG.

Wenig Risikobereitschaft
Die pessimistische Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage gehe einher mit einer relativ geringen Risikobereitschaft. Im Gegensatz zu den Amerikanern, von denen 78 Prozent das Risiko als Herausforderung betrachten, bezeichnen sich 61 Prozent deutscher Mittelständler als risikoscheu. 14 Prozent wünschten sich sogar, dass es für das eigene Unternehmen gar kein Risiko gäbe.

Autor(en): Angelika Breinich-Schilly

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