Neue Rezepte für das PKV-Geschäft

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Ich soll mich privat krankenversichern? Da wäre ich ja blöd! Gerade erst hat mir ein Freund erzählt, dass er acht Prozent mehr zahlen muss. Nein, lass mal. Ich fühl mich bei meiner gesetzlichen Kasse wohl." Sätze wie diese kennt vermutlich jeder Makler, der private Krankenversicherungen vermittelt.

Tatsächlich sind die zu beobachtenden Beitragssprünge nicht nur ein Ärgernis für Versicherte, sondern auch ein argumentativ kaum zu überwindendes Hindernis für Vermittler. Betroffenen die ausgeklügelten gesetzlichen Vorgaben zu erklären, unter welchen Bedingungen die Produktgeber ihre Beiträge erhöhen dürfen, ist zeit- und arbeitsintensiv. Selbst wenn eine Police ideal zum Bedarf eines Kunden passen sollte, winken viele potenzielle Versicherungsnehmer ab. Makler haben dem wenig entgegenzusetzen.

Monopolkommission fordert mehr Wettbewerb
Hinzu kommen Befürchtungen von Privatversicherten, einen einmal gewählten Anbieter kaum noch wechseln zu können, weil sie allenfalls einen sehr geringen Anteil ihrer Alterungsrückstellungen mitnehmen können. Genau an dieser Stelle fordert die Monopolkommission mehr Wettbewerb in der PKV.

"Dies ist Voraussetzung, um … die Kosten zu senken", teilte im März 2017 der Vorsitzende der unabhängigen Regierungsberater, Achim Wambach, mit. Die Anbieter gehen bei solchen Ideen zwar reflexartig auf die Barrikaden, für Makler wäre mehr Freiheit für die Versicherten aber gut.

Geschäft mit Bestandskunden liegt brach
Im jetzigen System konkurrieren die Produktgeber und Vermittler um Neukunden. Das Geschäft mit Bestandskunden liegt brach. Nur unseriöse Vermittler überreden einen langjährig Versicherten zum Anbieterwechsel, wenn er dadurch seine Alterungsrückstellungen komplett an das verbleibende Versicherungskollektiv verlieren würde. Ohne einen Totalverlust ist ein Wechsel nur bei Verträgen möglich, die ab dem Jahr 2009 abgeschlossen wurden.

Aber auch dann wäre ein Großteil dieser Finanzmittel, die der einzelne Versicherte ja zurücklegt, um im Alter seinen Beitrag stabil zu halten, futsch. Apropos: Anfang Mai 2018 meldete der PKV-Verband, dass die Alterungsrückstellungen in der privaten Kranken- und Pflegeversicherung die Marke von 250 Milliarden Euro erreicht haben.

Am gleichen Tag übrigens gab die Bundesregierung die Eckdaten für den neuen Haushalt bekannt. Er sieht Ausgaben von 340 Milliarden Euro vor. Das zeigt die Dimension der Alterungsrückstellungen.

Zusatzpolicen laufen noch, Vollversicherung ist out
Auch die Praxis einiger Versicherer, mit überzogen billigen Tarifen auf Kundenfang zu gehen, würde bei verbesserten Wechselmöglichkeiten erschwert. Heute springen bei einzelnen Tarifen die Beiträge auch deshalb in die Höhe, weil die Ausgaben für die versprochenen Leistungen schneller steigen, als das Unternehmen kalkuliert hat. All das wissen oder ahnen zumindest etliche Bürger. Das Ergebnis ist eine latente Abwehrhaltung insbesondere gegenüber privaten Vollversicherungen. Makler erleben sie im Alltag, wie eine Stichproben-Befragung von Versicherungsmagazin ergab.

"Voll-PKV mache ich nicht mehr. Was gut geht, sind Zusatzpolicen", ist eine typische Antwort von kleinen Vermittlerbüros. Momentan fühlten sich viele Menschen in der GKV gut aufgehoben. Bestehende Vorsorgelücken würden sie mit Zusatzpolicen schließen. Hier ist Maklers Rat gefragt.

Zahl der Vollversicherten sinkt kontinuierlich
Die Angst vor steigenden Beiträgen liegt wie Mehltau auf der privaten Krankenversicherung. Marktwachstum ist kaum möglich. Im Gegenteil: Seit Jahren sinkt die Anzahl der Vollversicherten. Zwar verweist Uwe Laue, Chef der Debeka, Deutschlands größtem PKV-Anbieter auf eine Verlangsamung des Rückgangs seit 2013, und im zweiten Halbjahr 2017 lag die Branche seinen Ausführungen zufolge "sogar wieder ordentlich im Plus".

Von einer Trendumkehr freilich kann keine Rede sein. Im besten Fall stagniert die Anzahl der Vollversicherten. Dabei steigen die Einkommen zahlreicher Beschäftigter wegen der anhaltend guten Konjunktur relativ kräftig. Das heißt: Immer mehr Menschen liegen über der gesetzlich vorgegebenen Verdienstgrenze von derzeit 59.400 Euro im Jahr, ab der ein Wechsel in die PKV überhaupt erst erlaubt ist. Dennoch ist der Marktanteil der privat Vollversicherten an allen Krankenversicherten von 11,4 Prozent im Jahr 2011 auf aktuell 10,8 Prozent gesunken.

Die vollständige Titelgeschichte "So wird die PKV endlich attraktiver" können Sie in der aktuellen Juli-Ausgabe von Versicherungsmagazin nachlesen. Hier geht es wahlweise zum Heftarchiv oder zur eMag-Ausgabe.

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Autor(en): Stefan Terliesner

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