Pflegeversicherung machte 2017 Minus

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Erstmals seit 2007 hat die gesetzliche Pflegeversicherung wieder ein Minus eingefahren: 2,4 Milliarden Euro beträgt das Defizit in der Kasse. Auch die Rücklagen schrumpften von 9,3 auf 6,92 Milliarden Euro. Das entspricht rund 2,2 Monatsausgaben.

Insgesamt betrugen die Ausgaben 37,2 Milliarden Euro. Das waren  25 Prozent mehr als 2016 (28,3 Milliarden 2016). Rund 20 Prozent des Ausgabenanstiegs seien durch Leistungsausweitungen durch die Pflegereform zurückzuführen, rund fünf Prozent Ausgabeanstieg hätte es "auch so" gegeben, erläuterte ein Sprecher des GKV-Spitzenverbandes auf Anfrage.

Fünf Pflegegrade eingeführt
Am 1. Januar 2017 trat Pflegestärkungsgesetz II in Kraft. Es leitete einen Paradigmenwechsel in der Definition von Pflegebedürftigkeit ein und stellt Menschen mit geistigen oder psychischen Erkrankungen denen mit körperlichem Hilfebedarf gleich. Statt drei beziehungsweise vier (später erweitert für Demenz) Pflegestufen, gelten fünf Pflegegrade. Zur Finanzierung der Mehrausgaben war Anfang 2017 der Pflegebeitrag um 0,2 Punkte auf 2,55 Prozent des Bruttolohns angehoben worden.

Die Löwenanteile der Ausgaben 2017 entfielen auf vollstationäre Pflege (36,6 Prozent), Geldleistungen (28,1 Prozent) sowie Pflegesachleistungen (12,7 Prozent).

Ausgaben im Vergleich für:

 

2016

2017

in Prozent

Vollstationäre Pflege*

10,9 Milliarden Euro

13,0 Milliarden Euro

+ 16

Geldleistungen

6,8 Milliarden Euro

10,0 Milliarden Euro

+ 32

Pflegesachleistungen

3,8 Milliarden Euro

4,5 Milliarden Euro

+ 16

*ohne vollstationäre Pflege in Behindertenheimen, ohne stationäre Vergütungszuschläge; Quelle: GKV-Spitzenverband

 

Bei der langfristigen Betrachtung der Leistungsausgaben zeigt sich ein Trend zu Gunsten der Geldleistungen. Von 2012 bis 2017 verringerte sich der Anteil der vollstationären Pflegekosten an den Gesamtausgaben 45,6 auf 36,6 Prozent. Der Anteil der Geldleistungen stieg im gleichen Zeitraum von 23,2 auf 28,1 Prozent an.

Bis 2020 soll der Beitragssatz stabil bleiben
2017 bezogen 3,30 Millionen Menschen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung (2,96 Millionen 2016). Davon waren 5,1 Prozent im Pflegegrad 1 eingestuft, 44,1 Prozent im Pflegegrad 2, 28,4 Prozent im Pflegegrad 3, 15,4 Prozent im Pflegegrad 4 sowie sieben Prozent im Pflegegrad 5.

"Wir gehen davon aus, dass der Beitragssatz bis mindestens 2020 stabil bleiben kann", heißt es beim GKV-Spitzenverband. Dazu erklärt Vorstand Gernot Kiefer: "Die Pflegeversicherung ist trotz der steigenden Ausgaben derzeit aufgrund der Rücklagen in einer guten finanziellen Verfassung. Dass die Beitragssätze auch angesichts der deutlichen Ausweitung der Leistungen in den kommenden Jahren stabil bleiben können, spricht für die Stärke unseres Solidarsystems."

Autor(en): Alexa Michopoulos

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