Pflegezusatzversicherung: Absatz kommt nicht aus dem Quark

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Alle Experten sind sich einig, dass die Pflegekosten in den kommenden Jahren massiv steigen werden. Die gesetzliche Pflegeversicherung trägt nur einen Teil der Kosten. Trotzdem kommt  der Verkauf von Pflegezusatzversicherungen nicht voran. Laut Zahlen des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV) hatten im vergangenen Jahr rund 3,7 Millionen Versicherte eine Pflegeergänzungsversicherung, dies entspricht 4,5 Prozent der Pflegepflichtversicherten. Der Blogbeitrag "Pflegezusatzversicherung - Es bleibt noch viel zu tun", der aktuell auf der Homepage des Analysehauses veröffentlicht wurde, beschäftigt sich mit den Gründen für diese Missverhältniss.

Als eine der wesentlichen Ursachen für das rückläufige Wachstum im Markt der Pflegezusatzversicherung sieht der Autor Russel Kemwa die Umsetzung des zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II). Da die Umstellung von drei Pflegestufen in fünf Pflegegrade ab 2017 auch mit einer Leistungsausweitung für bestimmte Pflegebedürftige einherging, seien nun breite Bevölkerungsschichten dem "Irrglauben" verfallen, für den Pflegefall ausreichend abgesichert zu sein.

Politik klärt nicht ausreichend auf

Daneben könnten auch die mit dem PSG II verbundenen teilweise hohen prozentualen Beitragsanpassungen, die sogar in den zweistelligen Bereich gingen, zum Jahreswechsel 2017 Bestandskunden zur Kündigung ihrer Pflegetagegeldversicherung animiert haben. Die mit den Anpassungen einhergehenden höheren Neugeschäftsbeiträge hätten den Verkauf der Pflegeergänzungsversicherung zudem erschwert.

Die Politik werde nicht müde, über ihre zahlreichen Maßnahmen zur Verbesserung der Situation zu berichten, vergesse dabei aber zu erwähnen, dass es sich bei der gesetzlichen Pflegeversicherung nur um eine Teilabsicherung handele, so Kemwa.

Auch künftig intensives Beratungsfeld

Für 2020 erwarten die Experten von Assekurata aufgrund der gestiegenen Leistungsausgaben und des Anpassungsdrucks beim Rechnungszins eine weitere Beitragssteigerung. Deshalb sei kurzfristig nicht mit einer wesentlichen Belebung des Neugeschäfts sondern eher mit einer Seitwärtsbewegung zu rechnen. Ein Nettozuwachs von rund 100.000 Personen 2019 und 2020 sei bereits als Erfolg zu werten.

Die Versicherer hätten auf den schleppenden Absatz mit flexiblen Produkten reagiert. Inzwischen böten fast die Hälfte der Marktteilnehmer Policen an, bei denen zumindest ab Pflegegrad 2 sowohl bei ambulanter als auch bei stationärer Pflege 100 Prozent des vereinbarten Tagessatzes gezahlt werde und die Leistungshöhe individuell vereinbart werden könne. "Inwieweit das die Nachfrageseite beleben kann, wird die Zukunft zeigen. Sicher ist, dass das Thema Pflege auch künftig ein intensives Beratungsfeld sein wird", so der Autor.

Quelle: Assekurata

Autor(en): Versicherungsmagazin.de

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