Riester nicht Riester nennen und schon klappt es

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Die Riester-Rente ist besser als ihr Ruf. Das ist eine Tatsache, doch leider glaubt dies kaum mehr jemand. Sobald das Wort "Riester" fällt, gehen bei den meisten Verbrauchern die Rollläden runter. Das hat auch Verdi erkannt und so einfach ihr bAV-Riester-Angebot umbenannt. Sie heißt nun bAV-Zulagenrente. Wie das funktioniert, erläuterte Judith Kerschbaumer, Leiterin des Bereichs Sozialpolitik in der Verdi Bundesverwaltung beim HDI bAV-Expertenforum 2019 in Köln.

Das große Ziel von Verdi ist die Bekämpfung der Altersarmut. Dies geht nach Ansicht von Kerschbaumer am besten mit dem 2-Säulen-Modell, mit der gesetzlichen Rente und der betrieblichen Altersversorgung. Beide Systeme zu stärken, müsste das Ziel aller an dem Vorsorgesystem Beteiligten sein. Dazu gehöre, vor allem das Rentenniveau zu stabilisieren und anzuheben, bessere Erwerbschancen zu schaffen, in allen Bereichen die bAV zu stärken sowie im Niedriglohnsektor eine  bAV einzuführen und mit Hilfe des Betriebsrentenstärkungsgesetzes (BRSG) zu verbessern.

 In vier Minuten und viel Humor die Betriebsrente schmackhaft gemacht

„Wir müssen versuchen, das schlechte Image der Riester-Rente zu überwinden. Die Kommunikation ist hier das große Problem. Daran müssen wir arbeiten. Mit der Zulagenrente gelingt dies hoffentlich“. Grundsätzlich sei die betriebliche Altersversorgung ein komplexes Thema, auf das die wenigsten Menschen Lust hätten. Doch hier hat Verdi schon einen guten Schritt nach vorne geschafft und zwar mit einem vierminütigen Video "Betriebsrente – Verdi erklärt" (https://www.youtube.com/watch?v=Q6ekNAmmAV8).

In diesem wird verständlich, aber auch mit viel Humor erklärt, warum eine Betriebsrente wichtig ist, was der Arbeitnehmer tun muss, damit die Rente am Ende reicht, was der Arbeitgeber leisten kann. In dem Cartoon wird an diversen (Zahlen-)Beispielen deutlich, wie sich Sparen auch und besonders für alleinerziehende Geringverdiener lohnt. "Riester-Förderung ist alternativlos", so die Verdi-Frau, eine Position, die auch die HDI-Verantwortlichen teilen. Ungewohnter Einklang.

Ein Zahlenbeispiel aus dem Film zum Thema "bAV im Niedriglohnbereich":
Anna ist 35 und arbeitet 27 Stunden pro Woche im Einzelhandel. Sie verdient 14 Euro pro Stunde, sie hat zwei Kinder, die 2010 und 2014 geboren wurden. Ihre Rente (Stand heute) beträgt 781 Euro, nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung noch 695 Euro. Mit der neuen Grundrente sähen die Zahlen schon anders aus: 1.031 Euro brutto (918 Euro). Und mit einer bAV beliefe sich die Rentenzahlung sogar auf 1.181 Euro brutto (1.068 Euro). Das Resultat dieser Rechnung für Anna: 400 Euro brutto jeden Monat mehr im Geldbeutel.

Ehemalige Gegner müssen zu Partnern werden

Bislang gibt es noch kein so genanntes Sozialpartnermodell, doch verschiedene Branchenteilnehmer arbeiten schon kräftig an einem, so dass die Einführung eines solchen kurz davorsteht. Doch die auf diesem Sektor aktiven Akteure müssten noch mit diversen Problemen kämpfen, unter anderem auch damit, dass die einzelnen Parteien "Sozialpartner werden müssten, obwohl sie im Vorfeld gegeneinander gekämpft hätten". So zum Beispiel Versicherer und Gewerkschaften.

 

Pilot nicht möglich, erstes Modell muss funktionieren

Gegenüber den Tagungsteilnehmern bat die Verdi-Verantwortliche bezüglich des Startpunktes für ein Sozialpartnermodell um etwas Geduld, denn alle Tarifpartner müssten "sehr sorgfältig vorgehen, einen Pilot können wir hier nicht starten, das erste Modell muss passen." Zudem würden alle warten, bis einer der Interessenten loslegten, besonders "die kleinen Partner auf die großen".

Kerschbaumer  ließ auf der Tagung aber anklingen, dass möglicherweise im Sommer oder Herbst dieses Jahres ein Sozialpartnermodell auf den Markt kommen könnte. Ihre Gewerkschaft befände sich augenblicklich mit sieben Versicherungsunternehmen in Verhandlung, eines davon sei auch HDI. Bei dem Betriebsrenten-Modell würde die erste und zweite Säule (Staat und bAV-Anbieter) zum Tragen kommen, "die Kapitaldeckung ist hierbei kein Thema für uns".  

 

Autor(en): Meris Neininger

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