Rückversicherer suchen strategische Partnerschaften mit Insurtechs

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Das weltweite Investitionsvolumen in Insurtechs ist im vierten Quartal 2018 erneut gestiegen und erreichte 1,59 Milliarden US-Dollar, wie das aktuelle "Insurtech Briefing" von Willis Towers Watson zeigt. Die Anzahl der weltweiten Insurtech-Transaktionen ist gegenüber dem vierten Quartal 2017 um 24 Prozent auf 63 gestiegen, auch das Finanzierungsvolumen stieg um 155 Prozent.

Das Finanzierungsvolumen in der Sach- und Unfallversicherung erhöhte sich gegenüber dem dritten Quartal 2018 um 57 Prozent und gegenüber dem vierten Quartal 2017 um 89 Prozent gestiegen. Das Finanzierungsvolumen im Leben und Krankensektor erhöhte sich gegenüber dem dritten Quartal 2018 nur um ein Prozent, stieg jedoch gegenüber dem vierten Quartal um 362 Prozent.

So viele strategische Partnerschaften wie noch nie

Der Großteil der Finanzierung, mehr als drei Milliarden US-Dollar, wurde durch 28 Investitionen von jeweils über 30 Millionen US-Dollar erzielt. Nach mehreren Jahren des Anstiegs sank zwar im vierten Quartal 2018 die Zahl der Insurtech-Investitionen durch Rückversicherer, ihre Investitionstätigkeit nahm jedoch zu. Elf Gesellschaften investierten insgesamt 218 Millionen US-Dollar, 230 Prozent mehr als im vorangegangenen Quartal.

Derzeit unterhält die globale Rückversicherungsindustrie 31 dauerhafte strategische Partnerschaften mit versicherungsorientierten Startups -so viele wie noch nie zuvor. Die Munich Re etwa hat eine Partnerschaft mit Fraugster geschlossen, einem AI-Unternehmen, das ein Produkt zur Betrugserkennung entwickelt hat. Auch Axa SL, Hannover Rück oder Hiscox sind aktiv auf dem Partnerschaftsmarkt.

Cyber-Bedrohungen sind vielschichtig

Im aktuellen Briefing liegt der Fokus auf Softwaretools für das Management von Cyber-Risiken. "Cyber-Bedrohungen sind ein facettenreiches und vielschichtiges Phänomen", sagt Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung bei Willis Towers Watson in Deutschland. "Die einzige Möglichkeit, diesem adäquat zu begegnen, ist eine ebenso vielfältige Zahl von Ansätzen zur Angriff-Abwehr zu entwickeln." Die Start-ups böten den etablierten Playern durch strategische Partnerschaften die Chance, sich mit einem Cyber-Angebot breiter aufzustellen, ohne sich selber darauf spezialisieren zu müssen.

"Es gibt ein gesundes Ökosystem aus Versicherern, Maklern und Rückversicherern, die daran arbeiten, individuelle Cyber-Risiko-Portfolios zu quantifizieren und zu bewerten", ergänzt Niki Winter, Director bei Willis Towers Watson und verantwortlich für Digitalisierungsthemen. "Allerdings stehen wir dabei erst am Anfang. Es muss noch einiges getan werden, zum Beispiel um auch Silent-Cyber, also Cyber-Risiken, die durch herkömmliche Haftpflichtversicherungen abgedeckt sind, angemessen begegnen zu können", so Winter weiter.

DFV als Vorbild

Das aktuelle Briefing beschäftigt sich unter anderem auch mit dem ersten europäischen Börsengang eines Insurtechs: Die Deutsche Familienversicherung DFV ging am 4. Dezember 2018 an die Börse und sammelte 52 Millionen Euro ein. Auch wenn die DFV nach wie vor ein Nischenplayer im deutschen Markt ist, bescheinigen ihr die Analysten von Willis Towers Watson großes Potenzial. Das Unternehmen versorge den Markt mit einfachen und transparenten Produkten und setze konsequent auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Durch flexible Schnittstellen könnten innerhalb von wenigen Tagen neue Produkte lanciert oder bestehende modifiziert werden.

Im Mittelpunkt des DFV-Wertversprechens stehe der Kunde, der eine vollständige digitale Customer Journey erlebe, erläutern die Experten. Als erster Versicherer in Europa, biete das Unternehmen Kunden die Möglichkeit über Amazons Sprachassistent Alexa zu kommunizieren. Beratung und Abschluss einer Versicherung seien innerhalb von Sekunden möglich. Gezahlt werden könne sowohl durch traditionelle Methoden als auch durch Amazon Pay oder PayPal. Durch die Zusammenarbeit mit Alexa positioniere sich die DFV an der vordersten Front der digitalen Innovation. Das digitale Vertriebsmodell reduziere die Kundenakquisitionskosten und Provisionen drastisch.

Quelle: Willis Towers Watson

Autor(en): Versicherungsmagazin.de

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