Warum Frauen das Haifischbecken Finanzindustrie meiden

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Weibliche Führungskräfte in der Finanzindustrie sind rar gesät. Im vergangenen Jahr lag der Frauenanteil in den Vorständen und Geschäftsleitungen der 60 größten deutschen Versicherer bei 9,3 Prozent. Bei den 100 größten deutschen Banken lag der Anteil weiblicher Spitzenkräfte bei 8,9 Prozent, in der Fondsbranche bei schlappen sechs Prozent. Aus welchen Gründen Frauen die Finanzunternehmen als Arbeitgeber meiden, hat eine Studie untersucht.

Eine Studie der Universität Mannheim, die dem "Handelsblatt" vorliegt, konstatiert dass viele Frauen offenbar um die Finanzindustrie einen deutlichen Bogen machten. Wie die Zeitung berichtet, ist die Sparte sowohl für männlich als auch für weibliche Studierende ein Haifischbecken, dass nur geringe Aussichten auf eine "Arbeit im Einklang mit den eigenen Moralvorstellungen" biete. Zudem hätten Frauen klar geringere Gehaltsaussichten als männliche Kollegen. Befragt wurden knapp 1.200 Studierende der Wirtschaftswissenschaften der Universitäten Mannheim, Frankfurt am Main und St. Gallen.

Frauen haben Skrupel
Sowohl Studentinnen als auch Studenten schätzten das Ansehen der Finanzbranche als extrem schlecht ein. Unter 13 verschiedenen Industrien landeten Versicherer, Kreditinstitute und Fondsgesellschaften auf dem vorletzten Platz vor der Energiebranche. Trotz der Kritik gehöre die Finanzindustrie bei männlichen Studierenden zu den drei attraktivsten Branchen.

Frauen sähen die Branche kritischer. Folgende Argumente sprächen für sie gegen einen Job in der Finanzbranche:

  1. Unvereinbarkeit mit persönlichen Moralvorstellungen und Integrität
  1. Starker Fokus auf Wettbewerb und weniger auf Teamgeist
  1. Arbeitsbedingungen nicht familienfreundlich und männerdominiert

Studentinnen strebten deshalb eher nach Jobs im Marketing oder im Personalbereich.

Für Alexandra Niessen-Ruenzi, Professorin für Betriebswirtschaft an der Universität Mannheim und Studienautorin, spiele in der negativen Einschätzung der Branche die Zeit der Finanzkrise eine große Rolle. Die Wissenschaftlerin empfehle den Finanzunternehmen dringend, ihre Arbeitsstrukturen fundamental zu verändern. Teamgeist und die Einhaltung moralischer Standards sollten an die Stelle von Profitmaximierung und Wettbewerb treten. Als Vorbild könnten die Vorstellungen des Ökonomen Robert Shiller dienen: Nach ihm sollten Finanzen nicht nur als Manipulation von Geld oder Risikomanagement definiert werden, sondern als treuhänderische Verwaltung von Gesellschaftsvermögen.

Quelle: Handelsblatt

Autor(en): Versicherungsmagazin.de

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