Wie funktioniert Social Media?

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Die Versicherungswirtschaft nähert sich wie so oft einem neuen Thema eher zögerlich und droht dabei den Kontakt zu ihren Kunden zu verlieren. Eine aktuelle Publikation will Mut machen, den Kunden erfolgreich auf neuen Wegen zu begegnen.

"Die Menschen wollen etwas erzählen", so beschreiben die Autoren des neuen Ratgebers "Social Media im Versicherungswesen" die Intention für die Nutzung Sozialer Medien. Und das sei gar nicht einmal neu, sondern immer schon so gewesen - nur die Medien haben sich halt geändert: "Und wenn bei Snapchat jemand ein Bild mit `lustigen Ohren´ und `bunter Zunge´ verschickt, hätte er früher vielleicht ein Polaroid-Foto vom Karneval herumgezeigt."

Demografie contra neue Medien
Die Belegschaften der Versicherungsunternehmen und vor allem auch die Versicherungsvermittler altern allerdings zunehmend und entstammen überwiegend Generationen, die nicht mit Internet, Mobildiensten und Sozialen Medien aufgewachsen sind. Das erklärt den immer noch geringen Nutzungsgrad selbst bei Versicherern, wie anhand von Studien belegt wird.

Das Buch hilft, Soziale Medien besser zu verstehen. Dazu werden viele gängige Begriffe erklärt und wichtige Dienste vorgestellt. Soziale Netzwerke, Mikroblogs, Bildernetzwerke, Instant Messenger, Blogs, Videostreaming, Foren und Bewertungsportale werden anhand jeweils verschiedener Beispiele vorgestellt.

Interessante Praxisbeispiele
Unter den vier Autoren ist mit Stefan Jauernig ein Praktiker der Versicherungsbranche, der zahlreiche Jahre Erfahrung als Versicherungsmakler und vorher als Führungskraft einbringt. So stellt er verschiedene Beispiele von Versicherern und von Maklern vor, wie sie sich mithilfe moderner Kommunikationsmittel ihren Kunden nähern. Einige Beispiele werden nur abstrakt und ohne Namensnennung beschrieben, noch anschaulicher wären Links oder Screenshots gewesen, um die durchweg interessanten Beispiele selbst recherchieren zu können.

Weitere Autoren sind Gernot Heisenberg, der eine Professur an der TH Köln für Information Research inne hat, die Online-Redakteurin Maren Selbst und die freiberufliche Texterin und PR-Beraterin Silke Wiegand. Dazu passend sind weitere Schwerpunkte des Buches Fragen der Informationsrecherche, der Planung und Organisation von Social Media-Kampagnen und das Monitoring dessen, was in den sozialen Medien passiert und ein Unternehmen interessieren sollte. Dabei werden viele praktische Ratschläge gegeben, die vor allem von größeren Unternehmen umsetzbar sind, die sich hauptberufliche Fachkräfte für die Öffentlichkeitsarbeit leisten können.

Auswahlkriterium Spaß
Vermittler werden dagegen meist wesentlich pragmatischer und nur mit geringem Ressourceneinsatz an Social Media herangehen können. Aber auch dazu ermuntert das Buch: "Wenn Sie einige Social Media-Anwendungen persönlich kennengelernt und ausprobiert haben, können Sie entscheiden, was Ihnen Spaß macht und was zu Ihnen und Ihrer Firma passt."

Konzentration auf wenige der vielen Spielarten von Social Media sind das Gebot der Stunde. Denn wenn man irgendwo mitmacht, dann muss es auch zeitintensiv richtig gemacht werden, lernen die Leserinnern und Leser. Werden beispielsweise eigene Seiten in sozialen Netzwerken oder eigene Blogs eingerichtet, müssen diese auch laufend aktualisiert werden, damit sie nicht nur keine positive, sondern sogar eher eine negative Öffentlichkeitswirkung erzielen.

Für Vermittler wichtig ist ein Zusammenhang, der dabei hergestellt wird: Spezialisierungen auf bestimmte Zielgruppen helfen sehr, sich auf sinnvolle und mit begrenztem Zeiteinsatz mögliche Aktivitäten zu beschränken. So werden Praxisbeispiele genannt, bei denen Vermittler in sehr speziellen Zielgruppen eine Kompetenzanmutung durch gezielte Auftritte in den bei diesen Zielgruppen wichtigen Social Media-Anwendungen erarbeitet haben. Dann dienen alle Aktivitäten nicht nur einer Selbstdarstellung gegenüber einer schwer durchdringbaren, breiten Masse von vielleicht potenziellen Kunden, vielleicht aber auch nur aus anderen Gründen interessierten Nutzern. Sondern der Zeiteinsatz in den Sozialen Medien dient gleichzeitig der Kundengewinnung und ersetzt traditionelle, offline erfolgende Werbemaßnahmen.

Hier könnte man noch ergänzen, dass man damit bei Nachwuchskräften der Versicherungsbranche weitaus eher Interesse am Versicherungsverkauf weckt, als es der traditionelle Offline-Vertrieb erreichen kann.

Lesetipp
Stefan Jauernig, Gernot Heisenberg, Maren Selbst, Silke Wiegand: Social Media im Versicherungswesen, 132 Seiten, ISBN 978-3-86298-459-6 (E-Book, 34,99 Euro), ISBN 978-3-89952-964-7 (Print, 39 Euro), 2017 Verlag Versicherungswirtschaft.

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Autor(en): Matthias Beenken

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