Wie sich die Assekuranz den regulatorischen Anforderungen stellt

740px 535px

Die Assekuranz wird schon lange von den Themen Zins und Regulatorik getrieben. Kein Wunder, dass sie auch auf dem diesjährigen Messekongress "Finanzen & Risikomanagement" der Versicherungsforen Leipzig im Mittelpunkt standen.

Über 100 Teilnehmer nutzen die Veranstaltung, um aktuelle Fragestellungen rund um Solvency II, Berichtspflichten, Kapitalanlage und Finanzkommunikation zu diskutieren. Neben den Anforderungen, die an Versicherer gestellt werden, standen aber vor allem die Erfahrungen der Teilnehmer mit den umfangreichen Prüfungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), im Mittelpunkt.

Mehr Face-to-Face-Kommunikation
In der Eröffnungskeynote erörterte Gerrit Böhm (Volkswohl Bund Versicherungen) zunächst, ob und wie man beim Jahresabschluss von agilen Prinzipien der Softwareentwicklung lernen kann. Unter dem Schlagwort "Fast Close" ist schon länger eine beschleunigte Erstellung von (Jahres-)Abschlüssen bekannt. Die Erstellung eines solchen stellte Böhm kritisch zur Diskussion.

Als sinnvolle Optimierungsmethoden für die Erstellung von Abschlüssen sieht er etwa das Vermeiden von Medienbrüchen, eine regelmäßige Abstimmung von Konten, aber auch eine Vereinfachung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden. Zudem könne man sich auch ein Prinzip der agilen Softwareentwicklung abschauen, nämlich die engere Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungen mit mehr Face-to-Face-Kommunikation anstelle von Mails oder Telefonaten. Hier liegen große Chancen für Verbesserungen.

Umfangreiche Berichtspflichten Ralf Kantak (Süddeutsche Krankenversicherung) sprach über die Herausforderungen beim Risikomanagement und bei der Kapitalanlagestrategie im aktuellen Zinsumfeld. Er stellte heraus, dass die privaten Krankenversicherungen durch die lange Duration ihrer Verträge Rückstellungen für besonders lange Laufzeiten bilden müssen. Im aktuellen Zinsumfeld ließen sich mit klassischer Kapitalanlage wie Pfandbriefe und Staatsanleihen jedoch keine ausreichenden Erträge erzielen. Sachwertreserven wie Immobilien oder Aktien könnten helfen, zukunftsfähig zu bleiben. Sein Unternehmen versuche daher die Kapitalanlage unter optimaler Nutzung von Risikobudgets aufzuteilen.

Zweite Säule von Solvency II zu straff geschnürt?
Solvency II und die umfangreichen Berichtspflichten wurden auch auf der Veranstaltung diskutiert. Einen vorausschauenden Umgang mit Risiken in der Unternehmenssteuerung sieht Reimar Volkert (LVM Versicherung) als notwendig an, jedoch ist seiner Meinung nach das Korsett ORSA dafür zu straff geschnürt.

Unternehmenssteuerung und Risikomanagement seien eine kontinuierliche Managementaufgabe. Er warf die Frage auf, ob eine Berichterstattung über die Managemententscheidungen im vergangenen Jahr sinnvoller sei als die jetzige Vorgabe des ORSA. Auch bemängelte er, dass die hohen formalen Anforderungen und die drohenden Sanktionen nicht förderlich für einen vorausschauenden und transparenten Umgang mit Risiken seien.

Kritik an Bafin-Prüfungen
Thomas Korte (Ottonova) führte an, dass glaubwürdig umgesetzte und transparente Strategien zum Umgang mit Risiken, gerade unter Solvency II für alle Beteiligten ein Schlüssel zum Unternehmenserfolg sind. Als kürzlich gegründetes Versicherungsunternehmen habe die Erstellung des ORSA Ottonova jedoch vor einige Herausforderungen gestellt.

Umfassend diskutiert wurden auch die Bafin-Prüfungen die Solvency II vorsieht. Christian Winter (Signal Iduna Gruppe) berichtete von den Erfahrungen seines Hauses mit der letzten Prüfung. Die Prüfung habe erhebliche innerbetriebliche Konsequenzen gehabt und wichtige Impulse gebracht, die noch langfristig nachwirken würden. In der Diskussion mit den Teilnehmern, von denen schon viele eine Bafin-Prüfung mitgemacht hatten, wurden jedoch auch kritische Stimmen laut. So bemängelte man nahezu einstimmig, dass die Bafin häufig Kritik übe, die Versicherer jedoch im Dunkeln lasse, wo genau man nachbessern solle.

Elinvar überzeugte das Publikum
Zum ersten Mal gab es beim Messekongress eine Pitchrunde mit drei Start-ups. Die jungen Unternehmen Alyne, Anbieter von Risikomanagement als Software-as-a-Service, Elinvar, eine digitale Plattform für Vermögensverwalter und Banken, sowie Fincite, ebenfalls Anbieter in der digitalen Vermögensverwaltung, stellten den Teilnehmern ihre Geschäftsmodelle vor.

Eine Abstimmung im Publikum kürte Elinvar als besten Pitch; das Start-up darf nun im September auf dem Partnerkongress der Versicherungsforen Leipzig mit neun anderen jungen Unternehmen um den Rockstar Award kämpfen.

Autor(en): Katharina Thiemann, Versicherungsforen Leipzig

Mehr zu Solvency II

Alle Branche News