Nachhaltiges Investment: Vom weichen zum harten Anlagekriterium

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Der von Union Investment in Zusammenarbeit mit Professor Henry Schäfer von der Universität Stuttgart erstellte Stimmungsindex zur nachhaltigen Kapitalanlage institutioneller Investoren stieg im Vorjahresvergleich um 1,9 auf 19,4 Punkte. Der Anteil der Großanleger, die nachhaltige Strategien in der Kapitalanlage nutzen, erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um vier Prozentpunkte auf 64 Prozent.Vor fünf Jahren lag er noch bei 48 Prozent.

In diesem Jahr nahmen 204 Großanleger wie Versicherer, Pensionskassen, Banken, Unternehmen und Stiftungen mit einem verwalteten Gesamtvermögen von fast fünf Billionen Euro an der Befragung teil. Lag der Stimmungswert im Jahr 2013 noch bei plus 5,4 Punkten,  so erhöhte er sich in den vergangenen Jahren beständig auf aktuell fast  plus 20 Punkte.

"Nachhaltige Investments sind längst kein Feigenblatt mehr, sondern gehören für viele Großanleger zum Alltag", Alexander Schindler, im Vorstand von Union Investment zuständig für institutionelle Kunden.

Doch es gibt auch Kritik an den nachhaltigen Angeboten: An erster Stelle steht hier die mangelnde Transparenz der angebotenen Lösungskonzepte  (62 Prozent), eine unzureichende Abbildung des notwendigen Rendite-Risiko-Profils sowie ein zu enges Anlageuniversum (51 Prozent).

"Anbieter müssen künftig Investorenbedürfnisse noch passgenauer abbilden und für mehr Transparenz sorgen", fordert Alexander Schindler, zuständiger Vorstand bei Union Investment für institutionelle Kunden. Einen Ausstieg aus der nachhaltigen Kapitalanlage könnten sich 77 Prozent der Großanleger allerdings nicht mehr vorstellen.

Klimaschutzaspekte werden wichtiger
Wurden in den Anfangsjahren der nachhaltigen Kapitalanlage vor allem ethische, soziale und ökologische Aspekte als relevant erachtet, so rückte später zunehmend die ökonomische Dimension in den Blick. Ökonomische Aspekte in der aktuellen Befragung stehen für 64 Prozent (2013: 42 Prozent) der Investoren im Vordergrund. "Nachhaltigkeit hat sich von einem weichen zu einem harten Anlagekriterium im Portfoliomanagement entwickelt. Dieser Wandel hat die Professionalisierung der nachhaltigen Kapitalanlage unterstützt", sagt Schindler.

Klimaschutzaspekte  sind in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus der Investoren gerückt. 2016 berücksichtigten 21 Prozent den Klimaschutz in ihren Anlagerichtlinien, 2017 waren es bereits 43 Prozent. Laut Schindler wird sich diese Entwicklung fortsetzen: „Der Klimaschutz hat über alle Wirtschaftssektoren hinweg gravierende Auswirkungen auf Geschäftsmodelle und Ertragsaussichten. Investoren kommen nicht mehr daran vorbei, Klimarisiken in ihrem Portfolio zu berücksichtigen.“

Es gibt noch Informationsbedarf
Großanleger werden mittlerweile auch durch Regulierungsvorschriften in Richtung Nachhaltigkeit gedrängt. So müssen nach einer vom EU-Parlament im November 2016 erlassenen Richtlinie, Betriebspensionsfonds ihre Gelder künftig auch unter Beachtung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien sowie Klimarisiken anlegen. Die regulatorischen Anforderungen sind daher der mit Abstand wichtigste Impuls (52 Prozent, 2013: 32 Prozent) für institutionelle Investoren, sich stärker mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.

Doch trotz aller Entwicklungen sind viele Investoren mit vielen Aspekten der Nachhaltigkeit noch nicht vertraut. So verfügen 67 Prozent der Großanleger über keine oder geringe Kenntnisse der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals). Nur ein Fünftel bezieht diese in die nachhaltige Kapitalanlage ein. Ebenfalls nur 20 Prozent verfügen über Informationen zu den Klimawirkungen ihres Portfolios.

Das Spektrum der Befragten umfasste folgende Investorengruppen:

  • Kreditinstitute 21 Prozent
  • Versicherer 17 Prozent
  • Stiftungen/Kirchen 17 Prozent
  • Großunternehmen 16 Prozent
  • Kapitalanlagegesellschaften 15 Prozent
  • Altersversorger/Pensionskassen 14 Prozent

Quelle: Union Investment

Autor(en): Alexa Michopoulos

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