Warum Versicherer auf nachhaltige Kapitalanlagen setzen sollten

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Die Allianz Investment Management SE setzt zunehmend auf nachhaltiges Kapitalanlagemanagement. Wie und warum sie dies tut, erläuterte Claus Stickler, Managing Director & Global Co-Lead bei dem Investment-Arm des Versicherers, auf dem 19. Vorlesungstag an der Universität Leipzig.

Claus Stickler erachtet nachhaltige Kapitalanlagen nicht nur als eine Mode, sondern er glaubt, dass die Branche hier „am Beginn eines Paradigmenwandels steht“. Und für sein Haus würde diese Anlageform auf jeden Fall immer relevanter.   

Man müsse heutzutage grundsätzlich weg von ökonomischen Betrachtungen und sich sozialen und nachhaltigen Betrachtungen öffnen. So würde die Allianz Investment Management SE auch mit ihren Mitarbeitern immer häufiger über gesellschaftliche Verantwortung sprechen und welche Rolle nachhaltige Anlagen hier spielen könnten.

Beim Thema Nachhaltigkeit eröffnen sich Risiken als auch Chancen

Der promovierte Volkswirt sieht Nachhaltigkeit als einen Trend an, dem auch Versicherungsunternehmen folgen sollten. Nachhaltiges Investment berge dabei sowohl Risiken und Chancen in sich, werde für die Branche aber immer mehr zu einem zentralen Thema, da sie auch enorme gesellschaftliche Verantwortung trage.

Der Nachhaltigkeitsansatz der Allianz ist ganzheitlich. Das heißt, dass alle Portfolien in Betracht kommen, so dass alle Länder ins Nachhaltigkeits-Management einbezogen werden. Außerdem berücksichtigt die Allianz alle Asset-Klassen (Bonds, Equity and Alternatives). Nach Ansicht von Stickler ist es auch wichtig, ein breites ESG-Verständnis (Enviroment/Umwelt, Social/soziale Verantwortung, Governance/gute Unternehmesführung) zu leben, wobei es absolut notwendig sei, messen zu können, ob und was der veränderte Management-Ansatz (be)wirke.

Was ESG bedeutet und welche Faktoren ESG beinhalten

Was versteht die Allianz unter ESG und den diesbezüglichen Faktoren? ESG-Faktoren sind nicht-finanzielle Faktoren, die die Geschäftsaktivitäten des Versicherers beeinflussen und von diesen beeinflusst werden können. Wenn sie nicht angemessen behandelt werden, können sie zu erheblichen Risiken werden. Beispiele für ESG-Risiken sind Menschenrechtsverletzungen, illegale Abholzungsaktivitäten oder schwere Korruptionsvorwürfe. Der Versicherer beobachtet nach eigenen Angaben ESG-Risiken sorgfältig, um sicherzustellen, dass diese sich nicht zu Geschäftsrisiken weiterentwickeln.

Nach Auffassung des Versicherers können ESG-Faktoren alternativ auch Chancen bieten, positive Veränderungen bewirken wie die Nachfrage nach Investitionen in erneuerbare Energien oder Lösungen für Schwellenmärkte erhöhen. O-Ton Stickler: „ESG hat sehr viel mit Transparenz zu tun und ESG funktioniert unseres Erachtens nur im Dialog. Dieser Weg ist für die nächsten Jahre und Jahrzehnte für uns und die Branche essentiell“.

Wichtiges Ziel: Bis 2050 klimaneutral sein

Die Allianz will bis 2050 bei Investments und Versicherungen klimaneutral sein. Eine künftige Herausforderung würde darin bestehen, eine globale Abdeckung erreichen zu wollen, die aber die Einhaltung von Mindeststandards der Unternehmen immer im Blick haben müsste. Ein intensiver Dialog mit den Partnern vor Ort müsse immer gegeben sein, Einzelfallprüfungen vor Ort würden der Sicherheit dienen.

Ein Problem beschäftigt sein Haus aber immer wieder. Viele Firmen würden „Greenwashing“ betreiben, auch sei leider keine klare Definition vorhanden, was „Green Bonds“ seinen. Sie hätten aber ihren Kunden versprochen, dass Werte (von Unternehmen) nicht mehr als fünf Prozent vom Index abweichen dürfen.

Allianz Leben setzt auf Scoring beim Thema Nachhaltigkeit

Auch die Allianz Leben setzt auf Nachhaltigkeit. Dafür bewertet sie mit Hilfe eines Scorings ihre Kapitalanlagen im Hinblick auf deren Nachhaltigkeit. Ihr Chefanleger Andreas Lindner beschrieb dieses Verfahren in einem Interview: „Wir wollen in zukunftsträchtige Assets investieren. Und wir wollen wissen, mit welchen Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen wir bei einzelnen Anlagen rechnen müssen. Deshalb messen wir mit dem Scoring erstmals inwieweit sogenannte ESG-Kriterien bei unseren Kapitalanlagen eingehalten werden.

Als Lebensversicherer und Langfristanleger haben wir bei unserer Anlagestrategie schon immer auf stabile und sichere Anlagen gesetzt. Das neue ESG-Scoring ergänzt nun unseren Nachhaltigkeitsansatz sinnvoll. Denn die Maßnahmen und Entscheidungen, die wir aus dem ESG-Scoring ableiten, sind an den wirtschaftlichen Interessen unserer Kunden ausgerichtet. Mit dem Scoring decken wir eine weitere Risikodimension bei unseren Investments ab und verbessern dadurch das Risiko-Rendite-Profil unserer Kapitalanlagen. Übrigens haben wir das Scoring gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen (NGO) entwickelt.“

Autor(en): Meris Neininger

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