Teure Fahrräder: Gefährliche Lücken günstig schließen

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Radler sollten die Absicherung für ihren Drahtesel prüfen. Oft dürfte die Versicherung nicht mehr ausreichend sein oder nur mageren Schutz bieten.

Der Pedelec-Markt boomt weiter. Über 800.000 neue Fahrräder mit Elektroantrieb sollen 2018 verkauft werden, so die Prognose des Zweirad-Industrie-Verbands. Beim größten Online-Fahrradhändler Europas, Rose Bikes aus Bocholt, kostet das günstigste Pedelec derzeit rund 2.700 Euro. Top-Räder liegen bei über 5.000 Euro. Vor allem Senioren steigen immer öfter auf ein Pedelec um, das ihnen bis 25 km/h „Rückenwind“ gibt. Auch die teuren Pedelecs können meist in der Hausratpolice gegen Diebstahl mitversichert werden.

Hausrat ideal erweitern
Dafür müssen die Kunden aber in aller Regel ihre Police erweitern. Wer noch keinen Radschutz eingeschlossen hat, bekommt mit neuen Bedingungen fast ideale Verhältnisse. So bieten die meisten Tarife auch in der Nacht durchgängig Schutz, wenn das Rad mit einem Schloss gesichert wird. Radler sollten darauf achten, dass die Versicherungslücke zwischen 22.00 und 6.00 Uhr geschlossen ist und die so genannte Nachtzeitklausel gestrichen wurde. Auch die Nachtzeiteinschränkung, die die Zweiradbesitzer zwingt, das Gefährt in einem vorhandenen Fahrradkeller unterzustellen, gibt es in besseren Tarifen nicht mehr.

Bei den meisten Hausratversicherungen kann der Schutz auf fünf Prozent der Hausratversicherungssumme erhöht werden. Bei einer Wohnung mit 100 Quadratmeter (qm) liegt der Schutz dann bei 3.250 Euro. Grund: 650 Euro pro qm reichen in der Regel als Unterversicherungsschutz für die Wohnung. Eine höhere Absicherung ist aber möglich und schon bei zwei Pedelecs notwendig.

Der Wettbewerb um die Kunden ist scharf. So bietet etwa Die Haftpflichtkasse im Tarif „Einfach Besser Senior“ den Schutz für Fahrräder und Pedelecs ohne Aufpreis für bis zu 10.000 Euro an. Bei der Allianz gilt im Tarif „Hausrat Sicherheit Plus"  sogar die volle Summe für den Hausrat als Entschädigungsgrenze. Bei der Konkurrenz schwankt der Aufschlag nach einer Stichprobe des Maklervergleichsprogramms Sniver von Smartinsurtech zwischen etwas über sieben und mehr als 50 Prozent, - wenn lediglich fünf Prozent der Hausratsumme abgesichert werden.

Ärger mit Teile-Diebstahl
Kunden können somit durch den Wechsel ihrer Hausratpolice günstigen Versicherungsschutz für ihr Rad erhalten. Sie müssen dabei nicht auf hochwertigen Hausratschutz verzichten. Immer mehr Tarife machen keine Abzüge bei grob fahrlässig verursachten Schäden. Ein Problem gibt für die Radfahrer aber: Der Diebstahl hochwertiger Teile ist manchmal nicht mitversichert oder die Bedingungen sind unklar gefasst. So heißt es beispielsweise bei der DEVK: „Für die mit Ihrem Fahrrad oder Ihrem Anhänger lose verbundenen und regelmäßig seinem Gebrauch dienenden Sachen besteht Versicherungsschutz nur, wenn sie zusammen mit Ihrem Fahrrad oder Ihrem Anhänger abhandengekommen sind.“ Laut DEVK sind mit „lose verbundenen“ Sachen beispielsweise Fahrradpumpe oder Fahrradtasche gemeint. „Das Laufrad mit Schnellspanner, Federgabel, Sattel oder beispielsweise einen Stoßdämpfer betrachten wir als feste Bestandteile des Fahrrads. Daher sind sie auch dann mitversichert, wenn sie einzeln gestohlen werden“, erläutert DEVK-Sprecher Michael Fraunhofer.

Dies bestätigen auch die Allianz und die Debeka, die ähnliche Formulierungen in ihren Bedingungen haben. Bei der Allianz ist zudem der „lose“-verbundene Fahrradanhänger mitversichert, auch wenn er separat gestohlen wird. Andere Bedingungen sind noch problematisch. So nimmt die Ammerländer „mit dem Fahrrad verbundene“ Sachen vom Teilediebstahl aus. Das gilt auch für die Concordia, die Teilediebstahl nicht erwähnt. Daher sei er im Umkehrschluss auch nicht abgesichert, so das Unternehmen.

 

 

 

 

Ersatz nur dann, wenn speziell versichert
Demgegenüber will die VHV bei fest mit dem Fahrrad verbundenen Teile nach einem Diebstahl entschädigen. Erwähnt wird aber nur der Pedelec-Akku, der wie bei anderen Anbietern auch, nur dann ersetzt wird, wenn er speziell gegen Diebstahl gesichert, also in der Regel abgeschlossen ist.

Vermittler sollten für die Rechtssicherheit ihrer Kunden den Umfang des separaten Teilediebstahls notfalls schriftlich abklären. Denn in zumindest einem Fall ging der Fahrradfahrer leer aus. Hier wurde dem Kunden vom Rad der hintere Stoßdämpfer abgeschraubt und gestohlen. Der Wert des Bauteils betrug 525 Euro. Diesen Betrag und die Kosten für den Einbau eines neuen Stoßdämpfers in Höhe von 100 Euro ersetzte die Versicherung nicht. Denn Teile seien laut den Versicherungsbedingungen nur versichert, wenn sie mit dem Fahrrad selbst abhandengekommen sind. Das Amtsgericht München gab der Assekuranz Recht. (Az. 212 C 14241/11).

Senioren sollten Extra-Unfallschutz wählen
Schäden, die anderen Verkehrsteilnehmer durch einen Pedelec-Fahrer zugefügt werden, sind in der Privaten Haftpflicht abgedeckt. Die Zahl der Unfälle vor allem mit Senioren steigt, wie das Statistische Bundesamt festgestellt hat. Präsident Georg Thiel, findet es „besorgniserregend“, dass sich die Zahl der Unfälle der Fahrräder mit Hilfsmotor zwischen 2014 und 2017 mehr als verdoppelt habe.

Zwei Drittel der getöteten 68 Pedelec-Fahrer seien älter als 75 Jahre gewesen. Mit einem Pedelec seien Unfallfolgen meistens schwerer als mit einem klassischen Fahrrad. Senioren, die sich ein solches Zweirad zulegen, sollten besonders defensiv fahren. Zudem empfiehlt es sich, über einen zusätzlichen privaten Unfallschutz nachzudenken. Denn: Viele Senioren-Policen werden mit umfangreichen Serviceleistungen angeboten.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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