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Cobweb-Modell

Spinnweb-Modell.

1. Begriff: Dynamisches Modell der Preisbildung. Beschreibt den Zusammenhang zwischen dem den Markt räumenden Preis (Gleichgewichtspreis), der häufig langen Produktionsperiode und den Erwartungen der Marktteilnehmer über den zukünftigen (den Markt räumenden) Preis.

2. Geschichtlicher Hintergrund und Beispiel: Klassisches Beispiel ist der sog. Schweinezyklus, den A. Hanau in den Jahren 1924–1934 beobachtet hat: Die Entscheidungen der Bauern zur Ferkelaufzucht beruhen auf dem gegenwärtigen Fleischpreis und sie erwarten, dass dann, wenn die Ferkel groß sind, ein ähnlicher Preis vorliegt. Das ist aber kaum der Fall, da Angebot und Nachfrage auf dem Markt künftig anders sein werden.

3. Darstellung des Modells: Mit Hilfe von vier Bausteinen lässt sich ein dynamisches Marktmodell konstruieren: (1) Die in Periode t nachgefragte Menge xN(t) hänge vom Marktpreis p(t) dieser Periode ab. (2) Die in Periode t angebotene Menge xA(t) hänge aber vom Marktpreis der Vorperiode p(t1) ab. (3) Ein Gleichgewicht (*) liegt dann vor, wenn die zu einem bestimmten Preis angebotene und nachgefragte Menge übereinstimmen. (4) Aufgrund einer Einkommens- oder einer Präferenzänderung (vgl. die steigende Präferenz der Nachfrager für Hühnerfleisch nach Ausbruch der BSE-Krise) verschiebt sich die Nachfrage nach dem betreffenden Gut (im BSE-Beispiel: die Nachfrage steigt von N1 auf N2). Das neue Gleichgewicht (x*2, p*2) wird jedoch nicht sofort erreicht, da wegen der Annahme (2) noch immer dieselbe Menge angeboten wird. Die größere Nachfrage bewirkt aber nun, dass der Preis steigen wird. Dieser Preis führt in der nächsten Periode dazu, dass eine höhere Menge des Gutes angeboten wird. Die größere Angebotsmenge führt wiederum – bei gleichbleibender Nachfrage – zu einem neuen, nun geringeren Preis. Daraufhin reduzieren die Anbieter ihr Angebot in der darauf folgenden Periode usw. Wegen des sich ergebenden Musters der Preis-Mengen-Bewegungen wird von Cobweb-(Spinnweb‑)Prozessen gesprochen, die drei verschiedene Formen annehmen können: Sind die Preis-Mengen-Kurven von Angebot und Nachfrage gleich steil, sind die Schwingungen konstant um den neuen Gleichgewichtspreis. Verläuft die Angebotskurve flacher als die Nachfragekurve (sie ist elastischer, vgl. Elastizität), nehmen die Schwingungen zu (vgl. Abb. 1). Verläuft die Nachfragekurve flacher als die Angebotskurve, nehmen die Schwingungen ab (vgl. Abb. 2).

 

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Abb. 1: Cobweb-Prozess mit zunehmenden Schwankungen

 

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Abb. 2: Cobweb-Prozess mit abnehmenden Schwankungen

Autor(en): Professor (em.) Dr. Dr. h.c. Roland Eisen

 

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