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Hedgefonds

. Begriff: Bislang in Wissenschaft und Praxis nicht einheitlich definiert.



2. Merkmale: Ein Großteil der Hedgefonds hat seinen Sitz in sog. Offshore-Zentren. Sie unterliegen daher einer geringen bis nicht vorhandenen aufsichtsrechtlichen Regulierung ohne Restriktionen hinsichtlich der Anlagestrategien und -objekte und können das investierte Kapital weitgehend frei verwenden. Wesentliche Unterscheidungsmerkmale der Hedgefonds zu traditionellen Anlageklassen sind die ausgeprägt häufige Verwendung von Derivaten (Derivative Finanzinstrumente), der Leerverkauf von Wertpapieren, um an fallenden Kursen zu partizipieren, und der Einsatz von Kreditfinanzierungen zur Erzielung von Hebel-Effekten (Leverage). Letzteres meint, dass Hedgefonds Teile der von ihnen gehaltenen Vermögensanlagen als Sicherheit für Fremdfinanzierungen stellen, um somit höhere Investitionsmittel für den Fonds zur Verfügung zu haben. In Krisenszenarien wird das zum Problem, denn die Rückzahlung der Fremdmittel ist gegenüber den Investorengeldern vorrangig. Um die Fremdmittel zurückzuzahlen, muss der Fonds in einem hochvolatilen und fallenden Markt Vermögenswerte mit Abschlägen verkaufen. Dies verschäft den Werteverfall für die Eigenkapitalinvestoren. Der Übergang zu Assetklassen wie Private Equity oder Credit Funds ist fließend.



3. Anlagestrategien: Hedgefonds sind in allen Segmenten des Kapitalmarkts aktiv. Ihre Handelsstrategien sind vielfältig und können grundsätzlich in direktionale und nicht-direktionale Strategien unterschieden werden. Während bei direktionalen Strategien auf eine Marktpreisentwicklung in eine bestimmte Richtung gesetzt wird, versuchen nicht-direktionale Strategien, systematisch Arbitragegewinne aufgrund kurzfristig unterschiedlicher Marktpreise zu generieren. Das Marktrisiko wird hierbei auf ein Minimum reduziert. Je nach der angestrebten Zielrendite einer Hedgefonds-Strategie variiert auch das zugrunde liegende Anlagerisiko. Hedgefonds-Anlagen werden nach sechs Hauptstrategien unterschieden: a) Relative Value (z.B. Fixed Income Arbitrage, Convertible Bond Arbitrage, Volatility Arbitrage);

b) Event Driven (z.B. Merger Arbitrage, Distressed Debt, High Yield, Activist);

c) Equity Hedged (z.B. Equity Neutral);

d) Tactical Trading (z.B. Managed Futures, Global Macro, Multistrategy);

e) Commodities;

f) Fund of Funds. Ein breit über die Strategiestile diversifiziertes Portfolio erzielt bei einem nur leicht über dem Risikoniveau von Unternehmensanleihen mit einem Investment-Grade liegenden Anlagerisiko Renditen, die normalerweise zwischen drei und 4 % über dem risikofreien Zinssatz rangieren.



4. Anreizsysteme: Hedgefonds-Manager unterliegen einem starken finanziellen Anreizsystem. Neben einer kostendeckenden Management-Gebühr (i.d.R. 2 % des Fondsvermögens) sind sie substanziell an den Gewinnen des von ihnen verwalteten Fondsvermögens beteiligt. Die Gewinnbeteiligung liegt üblicherweise bei 20 %, in Einzelfällen auch darüber.



5. Hedgefonds in Deutschland: In Deutschland wurden Hedgefonds erst mit dem Investment-Modernisierungsgesetz im Jahr 2004 zugelassen. Sie unterliegen jedoch sehr restriktiven Auflagen und dürfen nur an institutionelle Anleger verkauft werden. Privatanleger können lediglich über Dachfonds und Zertifikate an der Entwicklung von Hedgefonds partizipieren.

Autor(en): Jürgen Meisch

 

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