Bald mehr Multi-Kulti im Pflegesektor

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Der größte Teil des Fachkräftebedarfs in der Pflege soll durch inländische Arbeitnehmer gedeckt werden. Darüber hinaus gibt es aber auch Projekte seitens der Bundesregierung, um ausländische Fachkräfte für einen Pflegeeinsatz in Deutschland zu gewinnen. Aus welchen Ländern die Menschen kommen und wie viele Personen bislang gewonnen wurden, zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP.

Pflegefachkräfte aus Drittstaaten mit einem anerkannten ausländischen Berufsabschluss haben bereits heute Zugangsmöglichkeiten zum deutschen Arbeitsmarkt. In Zusammenarbeit mit der Wirtschaft wie auch den Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen plant die Bundesregierung, eine bedarfsorientierte und gezielte Werbestrategie, um Fachkräfte aus ausgewählten Zielländern zu gewinnen.

Dabei arbeitet sie unter anderem mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA) zusammen. Deren Kernaufgabe ist die Gewinnung, Beratung und Vermittlung von internationalen Fachkräften. Darunter fällt auch die Gewinnung von Pflegekräften aus Staaten der Europäischen Union (EU) sowie Drittstaaten.

Pilotprojekt mit Brasilien läuft seit November 2018

Einige Projektbeispiele: Im März 2018 wurde von der ZAV ein Projekt mit Unterstützung der mexikanischen Arbeitsverwaltung begonnen, in dessen Rahmen die ZAV ausgebildete Pflegekräfte aus Mexiko gezielt an Arbeitgeber aus der Altenpflege mit hohem Personalbedarf vermittelt. In Brasilien soll im November 2018 ein Pilotprojekt der ZAV zur Rekrutierung qualifizierter Pflegekräfte anlaufen.

Die BA sieht darüber hinaus innereuropäische Rekrutierungspotenziale in der Gesundheits-und Krankenpflege in Italien und Spanien sowie in der Altenpflege in den Ländern Italien, Kroatien, Slowakei, Spanien, Bulgarien und Portugal. Die ZAV hat bei ihren Rekrutierungsaktivitäten qualifizierten Pflegekräften die Drittstaaten Bosnien-Herzegowina, Serbien, Philippinen und Tunesien besonders im Blick, da ihres Erachtens dort besonders viele pflegekräfte gewonnen werden könnten.

Deutsche Pflegeeinrichtungen sollen autonom neue Kräfte im Ausland suchen

Mit Modellprojekten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zur Ausbildung junger Menschen aus Vietnam zu Pflegekräften soll deutschen Pflegeeinrichtungen ein Weg aufgezeigt werden, in Zukunft möglichst autonom eigene Kooperationen mit vietnamesischen Partnereinrichtungen einzugehen. In der Altenpflege wurde ein Pilot-Modellvorhaben von 2012 bis 2016 erfolgreich durchgeführt, das inzwischen von der Pflegebranche eigenständig in Nachfolgeprojekten mit Erfolg umgesetzt wird.

Ein Folgeprojekt in der Krankenpflege läuft von 2016 bis 2019. Für das Pilot-Modellvorhaben in der Altenpflege wurden für die Vorarbeiten und Umsetzung in Vietnam – einschließlich des Sprachkurses durch das Goethe-Institut – und die Begleitung in Deutschland 1,99 Millionen Euro veranschlagt.

Portale informieren Interessierte über das Arbeiten in Deutschland

Mit dem Portal „www.make-it-in-germany.com“ informiert die Bundesregierung Fachkräfte aus dem Ausland über das Arbeiten und Leben in Deutschland – auch in den Bereichen Pflege, Medizin und Gesundheit. Das Portal www.anerkennungin-deutschland.de/html/de des Bundesinstituts für Berufsbildung liefert die zentralen Informationen zur Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen in elf Sprachen.

Im Sonderprogramm Mobipro-EU haben mehr als 600 Teilnehmende eine Berufsausbildung in der Alten- und Krankenpflege begonnen. Aktuell befinden sich noch 169 Teilnehmer in der Ausbildung. 94 Menschen konnten bislang ihre Ausbildung erfolgreich abschließen.

2.385 Pflegekräfte aus vier Kooperationsländern

Im Übrigen wurden ausländische Pflegekräfte durch Projekte, die die ZAV eigenständig beziehungsweise in Kooperation mit anderen Akteuren durchführt, angeworben: Im Programm Triple Win wurden seit Projektbeginn im Jahr 2013 bis zum 12. Oktober 2018 insgesamt 2 385 Pflegekräfte aus den vier Kooperationsländern Bosnien-Herzegowina, Serbien, Philippinen und Tunesien nach Deutschland vermittelt. Davon sind bereits 1 618 Pflegekräfte nach Deutschland eingereist, um hier ihre Arbeit aufzunehmen. Die übrigen Personen nehmen noch an Sprachkursen im Herkunftsland teil.

Plan: Weitere Länder in bestehende Programme aufnehmen

Mit dem 2017 beendeten Projekt mit China konnten 39 Pflegekräfte für den deutschen Arbeitsmarkt gewonnen werden. Aus Mexiko hat die ZAV in diesem Jahr im Rahmen einer Pilotierung 85 qualifizierte Pflegekräfte an Arbeitgeber vermittelt.

Die ZAV bereitet derzeit eine Ausweitung der Aktivitäten in den bestehenden Kooperationsländern vor. Daneben wird in Absprache mit in- und ausländischen Partnern geprüft, ob weitere Länder in die bestehenden Programme aufgenommen werden können. Auch sind seitens der ZAV Aktivitäten in weiteren EU-Staaten geplant.

Quelle: Deutscher Bundestag

Autor(en): Versicherungsmagazin

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