Rürup-Rente wird falsch eingeschätzt

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Einen fast schon einsamen Kampf für die Rürup-Rente führt Geschäftsführer Professor Michael Hauer vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP): "Aus meiner Sicht ist die Basisrente eine sehr effiziente Altersvorsorge für gutverdienende Arbeitnehmer, 50plus und insbesondere für Frauen - und für Selbständige sowieso."

Doch damit dringt der Rentenexperte anscheinend nicht bis zu den Vertrieben und der Bevölkerung durch. Denn im vergangenen Jahr erlitt die Rürup-Rente wieder einen Dämpfer. Nach aktuellen Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden nur noch 76.000 neue Verträge verkauft. Damit ging das Neugeschäft um 6,2 Prozent zurück. Als Schuldigen hat GDV-Präsident Wolfgang Weiler die Politik ausgemacht. "Der Rückgang im Neugeschäft dürfte auf die geplante Einführung einer Sicherungspflicht für Selbstständige zurückzuführen sein", mutmaßte er vor der Presse in Berlin.

Diskussion über Pflichtrente für Selbstständige geht weiter

Diese Diskussion geht derzeit munter weiter, ohne, dass die Politik bisher konkrete Vorstellungen vorgelegt hat, wie die Sicherungspflicht für Selbstständige denn nun aussehen soll. Hauer: "Ich denke die Politiker wissen derzeit ebenfalls nicht wie dieses Thema im Detail umgesetzt werden soll." Immerhin ist die deutsche Rentenversicherung (DRV) hier mit Vorschlägen aktiv. So fordert die DRV-Präsidentin, Gundula Roßbach, dass die Pflicht-Altersvorsorge von Selbstständigen möglichst "bürokratiearm" werde. Generell sollten die Betroffenen zwischen der gesetzlichen Rentenversicherung und als Opt-out-Lösung anderen geeigneten Vorsorgearten wählen können, so die Idee der Regierung. Rund drei Millionen Selbstständige mit "ungeklärter Alterssicherung" soll es in Deutschland geben.

2,2 Millionen Rürup-Verträge

Eigentlich sollte die Rürup-Rente durch die Diskussion über Altersarmut eher beflügelt werden. Denn wer als Selbständiger nachweist, dass er bereits für den Ruhestand vorsorgt, braucht eine Pflicht-Altersvorsorge nicht mehr zu fürchten. Laut GDV beläuft sich der Bestand an Rürup-Renten derzeit aber nur auf 2,2 Millionen Verträge.

Das IVFP wird jedoch nicht müde die Vorteile der Basisrente aufzuzeigen und plädiert für fondsgebundene Policen. Weil bei der Rürup-Rente auf die Bruttobeitragsgarantie verzichtet wird, erhöhten sich die Chancen auf eine höhere Rendite und Rente noch einmal deutlich. Positiv sei auch, dass die Basisrente von jedem abgeschlossen werden könne und so das Fördervolumen familienintern verteilt werden kann. Im Blick hat das IVFP vor allem die Partner der Unternehmer.

Rürup-Förderung: Gutes Geschäft

Bei der Rürup-Rente werden die Beiträge steuerlich als Sonderausgaben geltend gemacht. Derzeit können 88 Prozent der Beiträge steuerlich abgesetzt werden. Dieser Prozentsatz steigt jährlich um zwei Prozentpunkte und wird 2025 dann 100 Prozent erreichen.

Im Gegenzug wird die Rente bei Bezug besteuert. Bei Renteneintritt im Jahr 2025 beträgt der Besteuerungsanteil 85 Prozent. Daher bleibt der absolute Betrag, der sich aus den 15 Prozent der Rentenleistung des Jahres nach Rentenbeginn ergibt, dauerhaft auch in den Folgejahren steuerfrei. Der steuerpflichtige Teil ist mit dem individuellen Steuersatz zu veranlagen. "Da in der Rentenphase in der Regel der persönliche Steuersatz zusätzlich noch deutlich niedriger ist als in der Ansparphase, ist dies ein gutes Geschäft", meint das IVFP. Aktuell liegt der jährlich steigende Höchstbetrag für die Beiträge bei 24.305 Euro, für Verheiratete gilt die doppelte Summe.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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