Run-Off: Nur gesunde Bestände weitergeben

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Die Aufsichtsbehörde hat anlässlich einer Diskussion auf der Wissenschaftstagung des Bund der Versicherten (BdV) deutlich gemacht, dass sich Verbraucher bei einem genehmigten Run-Off keine Sorgen machen müssen. Bisher sei eine Freigabe nur für gesunde Bestände erteilt worden. 

"Einen Lebensversicherer der sich auflöst gibt es nicht", betonte Kay Schaumlöffel Leiter der Abteilung für Lebensversicherung und Kapitalanlage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Die Aufsicht hätte genügend Frühwarnsysteme, um Fehlentwicklungen rechtzeitig festzustellen. "Wir sind der Arzt und es hängt von der Krankheit ab, welche Medizin für den Lebensversicherer richtig ist", so Schaumlöffel. Der Gang zu einem neuen Aktionär könne wichtig sein.

Run-Off ist normaler Aktionärswechsel
Der Aufsichtsexperte verwies darauf, dass es bei Lebensversicherungen keinen typischen Bestand gebe. "Aber bei keinem der sechs Bestände, die bisher in einen externen Run-Off gegangen sind, gab es einen Sanierungsfall." Die Aufsicht lasse sich in jedem Fall umfassend von Verkäufern und Käufern informieren. "Unter Umständen verlangen wir, dass der Erwerber noch mehr Sicherheit bietet", so Schaumlöffel. Beispielsweise könne verlangt werden, dass die Verwaltung für einen fixen Preis erfolgt. Eventuell müsse gesondert Kapital hinterlegt werden. Schaumlöffel sieht in einem externen Run-Off einen ganz normalen Vorgang. Die Kunden hätten eigentlich nur einen neuen Aktionär bekommen. Das sei bei Verträgen, die 30 Jahre laufen würden nichts Ungewöhnliches. Viele Kunden hätten ihre Lebensversicherung ursprünglich bei einem ganz anderen Unternehmen abgeschlossen.

Kostengewinne durch intelligente Verwaltung
Demgegenüber rügten Verbraucherschützer, dass die Kunden durch den Verkauf ihre Lebensversicherung zutiefst beunruhigt wären. "Was künftig mit den Abwicklungsplattformen passiert, ist ein Blick in die Glaskugel", warnte Lars Gatschke Referent im Team Finanzmarkt, Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Demgegenüber erläuterte Bernd Neumann, Vorstand Finanzen der Frankfurter Leben-Gruppe, dass Aufkäufer ohne Neugeschäft besser planen können, als klassische Versicherer. Das gelte beispielsweise für die Kapitalanlage.

Neumann: "Bei andern gewinnt bei der IT immer das Neugeschäft, wir können uns auf den Bestand konzentrieren." Migration sei an der Tagesordnung. Zwei Projekte seien voll im Plan. Dazu erläuterte Bafin-Experte Schaumlöffel: Auch wenn die Bestände rechtlich getrennt seien, können sie über "mandantenfähige" IT-Systeme zentral verwaltet werden. Das wäre nicht einfach, da müsse man erst mal "Gehirnschmalz" reinstecken und investieren, aber dann seien Kostengewinne möglich.“

Langfristig schrumpfen Bestände
Ängste hinsichtlich des chinesischen Investors, der hinter der Frankfurter Gruppe steht, versuchte Aufkäufer Neumann zu zerstreuen. "Fosun hat eine Marktkapitalisierung von 13 Milliarden Euro und ist hier, um langfristig in Europa zu investieren“" so der Vorstand. Demgegenüber steht der BdV Run-Off-Plattformen kritisch gegenüber. "Wenn der Bestand in die Abwicklung geht, dann schrumpft der, dann werden die Kostenvorteile immer geringer", sagte Constantin Papaspyratos BdV-Sprecher von Stabsstelle Rechts- und Fachberatung. So wundert sich der Experte über die angeblichen Kostengewinne der Abwicklungsplattformen. Immerhin müssten ja weiterhin auch Bestandsprovisionen gezahlt werden. Nach seiner Einschätzung ist der Vertrauensverlust bei den Kunden nicht wieder gut zu machen.

Daher müsse nach Ansicht von Peter Schwark, Mitglied der Geschäftsführung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Branche und die Aufsicht noch stärker kommunizieren, dass sich an den Vorsorgeverträgen durch einen Run-Off nichts ändert.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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