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Quantitative Impact Studies (QIS)

1. Begriff: Auswirkungsstudien, die im Rahmen von Solvency II zeitweise zu den künftigen Solvenzkapitalanforderungen durchgeführt werden.

2. Ziele: Die QIS sollen die vorgeschlagene Berechnungsmethode auf Angemessenheit und Praktikabilität prüfen. Darüber hinaus sollen auf Basis der Ergebnisse Anpassungen vorgenommen werden. Eine hohe Beteiligung der Versicherungsunternehmen ist daher von großer Bedeutung.

3. Stufen: a) QIS 1 (4. Quartal 2005): In der ersten Studie stand die Bewertung der versicherungstechnischen Rückstellungen im Mittelpunkt. Die Einschätzung über die Verlässlichkeit sowie Genauigkeit der Ergebnisse war aufgrund fehlender Vergleichswerte schwierig.
b) QIS 2 (Mai–Juli 2006): In der zweiten Studie lag der Fokus auf der Ausgestaltung des Standardmodells (siehe auch Solvency Capital Requirement, kurz SCR, und Minimum Capital Requirement, kurz MCR), auf dem Vergleich unterschiedlicher Modellierungstechniken und Bewertungsprinzipien zur Berechnung der Kapitalanforderungen sowie auf den versicherungstechnischen Rückstellungen. Problematisch waren zum einen die Komplexität der Methodik zur Berechnung des MCR sowie die Berücksichtigung der Diversifikationseffekte in der Versicherungsgruppe für die Bestimmung des Risikokapitals auf der Gruppenebene. In der Folge wurde eine Überprüfung der Gewichte der verschiedenen Marktrisiken und ihrer Korrelationen notwendig. Zum anderen entstand ein hoher Aufwand in den Bereichen Datenmanagement und Informationstechnik sowie durch fehlendes aktuarielles Know-how.
c) QIS 3 (April–Juni 2007): Die Aufgabenstellung der dritten Studie entsprach weitestgehend der von QIS 2. Vorab wurde v.a. das Standardmodell unter Berücksichtigung der Ergebnisse von QIS 2 angepasst. Trotz einer tendenziellen Steigerung der Datenqualität stellen die Formeln von QIS 3 nicht das endgültige Regelwerk von Solvency II dar, so dass aus den Ergebnissen noch nicht auf die tatsächliche Solvabilität eines Versicherungsunternehmens geschlossen werden konnte.
d) QIS 4 (April–Juli 2008): Die vierte Studie knüpfte wiederum an den Ergebnissen von QIS 3 an. Im Fokus von QIS 4 stand ebenfalls das europäische Standardmodell. Darüber hinaus wurde ein besonderes Augenmerk auf die Qualität der Risikosysteme und der internen Modelle der Versicherer gelegt. QIS 4 berücksichtigte verstärkt die quantitativen Auswirkungen von Solvency II auf die Versicherungsgruppen, dies sowohl in Bezug auf die Einzelsolvabilität der einbezogenen Versicherungsunternehmen als auch auf die Gruppensolvabilität. Trotz des hohen Arbeitsaufwands konnte bei QIS 4 zum ersten Mal eine repräsentative Stichprobe von Teilnehmern europäischer Versicherungsgruppen erreicht werden, womit die quantitativen und qualitativen Auswirkungen von Solvency II getestet werden konnten.
e) QIS 4b (Juli–Oktober 2009): Vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. initiierte Studie nur mit deutschen Versicherern zur Weiterentwicklung von QIS 4, wobei z.B. die Kapitalanforderungen für Katastrophenrisiken (Großschadenrisiko) und die Berechnung des versicherungstechnischen Risikos verfeinert wurden.
f) QIS 5 (August–November 2010): Die fünfte Studie griff abermals die Ergebnisse von QIS 4 auf. Das Augenmerk lag dabei nicht nur auf quantitativen Abschätzungen zur Bilanzneubewertung, zur Bestimmung des Solvabilitätskapitalbedarfs und der Eigenmittel, sondern auch auf ausführlichen inhaltlichen Kommentierungen zur generellen Bewertung und insbesondere zur praktischen Durchführbarkeit von Solvency II. Eine wichtige Funktion der Studie war die Analyse von Design, Kalibrierung und Auswirkungen der Durchführungsmaßnahmen im Rahmen von Solvency II. Insbesondere aufgrund der sich im Rahmen der Durchführung von QIS 5 abzeichnenden Probleme bei der Bewertung langfristiger Garantieprodukte in Zeiten der Niedrigzinsphase führte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) im Jahr 2012 eine freiwillige Auswirkungsstudie (QIS 6) im deutschen Versicherungssektor durch. Auf europäischer Ebene wurden Maßnahmen zur Behebung dieser Probleme im Rahmen des Long-Term Guarantee Assessments im Jahr 2013 durchgeführt.

Autor(en): Prof. Dr. Heinrich R. Schradin

 

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