Verbraucherschützer: Alle Privathaftpflicht-Policen auf den Prüfstand

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Alle Verbraucher sollten "dringend" ihre private Haftpflichtversicherung kontrollieren. Dazu hat der Bund der Versicherten (BdV) die Bürger in Deutschland aufgerufen.

"Unsere Erfahrung zeigt, dass die Versicherungssummen oft viel zu gering sind", so der BdV. Teilweise soll der Schutz sogar nur 100.000 Euro betragen. Unklar ist, wie viele Kunden betroffen sind. Auch Haus- und Grundbesitzer sowie Tierhalter, wie Hundebesitzer, die der sogenannten Gefährdungshaftung unterliegen, sollten ihre Absicherung kontrollieren.

60 Millionen Euro möglich
Ein Schutz, der im Ernstfall nicht voll leistet, ist brandgefährlich. Schon ein Unfall mit einem Fahrrad, bei dem beispielsweise ein Fußgänger so schwer verletzt wird, dass er lebenslang gepflegt werden muss, kann einen Millionenschaden verursachen. Dabei sind im Markt mittlerweile Summen von bis zu 60 Millionen Euro erhältlich, wie eine aktuelle Auswertung des Analysehauses Innosystems zeigt. Demgegenüber empfiehlt der BdV lediglich eine Mindestabsicherung von fünf Millionen Euro.

Gleichzeitig raten die Verbraucherschützer, die Police mit sinnvollen Deckungserweiterungen aufzubessern. "Bei Privathaftpflicht Versicherungen hat es in den Bedingungswerken in den vergangenen Jahren deutliche Verbesserungen gegeben. So sind zum Beispiel häufig Schäden an geliehenen beziehungsweise gemieteten Sachen mitversichert", stellt der BdV fest.

Personen-Vollkasko einschließen
Empfohlen wird gleichzeitig die sogenannte Forderungsausfalldeckung, auch "Personen-Vollkasko" genannt. Ist der Verursacher eines Schadens nicht versichert und verfügt über keine sonstigen finanziellen Mittel, kann der Geschädigte seine Ansprüche nicht durchsetzen und bleibt auf seinen Kosten sitzen. Vor diesem Risiko schützt eine Forderungsausfalldeckung. Immerhin haben nach einer Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) noch 15 Prozent der Kunden gar keine private Haftpflichtpolice abgeschlossen.

Bestände systematisch durchforsten
Überproportional sind Geringverdiener schutzlos. Dabei sind selbst Policen mit einer Höchstdeckung von 50 bis 60 Millionen Euro und dem Einschluss der Forderungsausfalldeckung ab einer Jahresprämie von rund 70 Euro erhältlich. Aktuell weist Innosystems für Familien 37 Angebote aus, die mindestens 50 Millionen Euro Schutz bieten und eine Forderungsausfalldeckung einschließen. 14 Angebote liegen mit ihrer Jahresprämie unter 100 Euro. Alle Angebote sind ohne Selbstbeteiligung. "Bei einer zu geringen Deckungssumme kann sich statt einer Erhöhung auch der Wechsel in einen neuen Tarif oder zu einem anderen Anbieter lohnen", rät der BdV. Vermittler sollten ihre Bestände systematisch durchforsten. Der Anteil der Policen ohne Höchstdeckung von 50 Millionen und Forderungsausfallschutz dürfte extrem hoch sein.

Innosystems hat übrigens die Tarife der privaten Haftpflicht 2014 bewertet. Nur drei der 37-Familien-Angebote erhalten nicht die höchste Bewertung "A" mit zwei Sternen. Nur mit "A" und einem Stern wird die Allianz Police, "PH Sicherheit Best" eingestuft, die die höchste Schutzsumme von 60 Millionen Euro aufweist und pro Jahr rund 126 Euro kostet. Die gleiche Bewertung gilt für das günstige Angebot Adcuri "Top 50plus" mit einer Prämie von rund 71 Euro pro Jahr. Doch schon das zweitgünstigste Angebot, die Direktversicherungspolice Adam Riese "XXL" der Württembergischen Versicherung erzielt die Höchstbewertung.

Autor(en): Uwe Schmidt-Kasparek

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