bAV: R+V und Union Investment starten Sozialpartner-Modell

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Der Versicherer R+V und die Investmentgesellschaft Union Investment haben gemeinsam eines der ersten Zielrentenangebote für den deutschen Markt entwickelt. Dieser Durchführungsweg der betrieblichen Altersversorgung (bAV) durch die Sozialpartner ist durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz möglich geworden, das zum Jahreswechsel in Kraft getreten ist. Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment, und R+V Vorstandschef Norbert Rollinger präsentierten die gemeinsame Lösung auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main.

Seit Jahren stagniert der Anteil der Arbeitnehmer, die eine bAV besitzen. Laut dem Union Investment Vorsorgeatlas Deutschland haben nur rund 41 Prozent der Berechtigten eine Anwartschaft auf eine bAV oder eine Zusatzversorgung im Öffentlichen Dienst erworben. Vor allem Beschäftigte in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sind unterversorgt. Wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, besitzen 80 Prozent der Mitarbeiter in Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten eine bAV, in Unternehmen mit bis zu 200 Mitarbeitern liegt diese Quote deutlich unter 50 Prozent.

Opting-Out-Option kann Breitenwirkung verstärken
Am 1. Januar 2018 ist das Betriebsrentenstärkungsgesetz in Kraft getreten. Es gibt den Sozialpartnern Spielraum, um branchenweit Angebote für die betriebliche Altersversorgung zu gestalten. Es ermöglicht unter anderem eine neue bAV-Lösung: die Zielrente. Deren Ausgestaltung können Arbeitgeber und Gewerkschaften aller Branchen individuell bestimmen und mit einem passenden Anbieter umsetzen. Reinke sieht in der Einführung einer Opting-Out-Option durch das BRSG einen großen Fortschritt: "Diese Klausel könnte ein hilfreicher Schritt sein die Breitenwirkung der bAV zu stärken". Für KMU sei mit dem Zielrentenmodell eine große Hürde abgeschafft worden, da die Unternehmen von der bisherigen Haftungspflicht entbunden werden.

Die beiden genossenschaftlichen Unternehmen bieten ihr Sozialpartner-Modell über die gemeinsame Tochter R+V Pensionsfonds AG an. Die R+V als bAV-Spezialist übernimmt dabei alle Aufgaben, die mit der Führung der Gesellschaft, der Beratung und der Kundenbetreuung verbunden sind. Union Investment gestaltet den entsprechenden Spezialfonds, in den das Geld für die spätere Betriebsrente der Arbeitnehmer investiert wird.

Für jeden Kunden ein individuelles Konzept
Anhand der Wünsche der Sozialpartner erstellen R+V und Union Investment jeweils ein für die Branche individuelles Konzept der Zielrente. In Abstimmung mit den Sozialpartnern wird eine gemeinsame Renditeeinschätzung vorgenommen. Anhand dieser wählt dann Union Investment die Kapitalanlage-Klassen und definiert eine entsprechende Strategie. Darüber hinaus können in die Zielrente Versicherungsbausteine integriert werden, beispielsweise bei Invalidität oder auch zur finanziellen Absicherung von Hinterbliebenen.

Rollinger erläuterte, dass das Verhältnis der Deutschen zu Aktien traditionell reserviert sei. Das Sozialpartnermodell eröffne die Chance, den Anteil an Aktienvermögen kontrolliert zu steigern.

Genossenschaftliche Vertriebsmacht
Als "Erfolgsfaktor" sieht der R+V-Chef die vertriebliche Schlagkraft des genossenschaftlichen Verbundes. Man verfüge über ein flächendeckendes Vertriebsnetz mit über 5.000 Mitarbeitern. 12.000 Zweigstellen und 900 Banken der Genossenschaftsgruppe stünden für die betriebliche Beratung bereit. Zudem sei der Versicherer ganz nah dran am Mittelstand. "Wir fühlen uns da gut gerüstet", so Rollinger selbstbewusst. Es gehe aber nicht um "die Kannibalisierung der bestehenden Versorgungswerke. Es geht um ein Add on", differenzierte der Vorstandsvorsitzende.

Dass auch andere Anbieter in den neuen Markt drängen, zeigt die zeitgleiche Ankündigung des Rentenwerks. In diesem Konsortium arbeiten Barmenia Lebensversicherung a.G., Debeka Lebensversicherungsverein a.G., Stuttgarter Lebensversicherung a.G., Gothaer Lebensversicherung AG sowie Huk-Coburg Lebensversicherung AG zusammen. Das Rentenwerk bietet den Sozialpartnern ab sofort eine fondsgebundenen Direktversicherung an. Kürzlich haben auch Talanx und Zurich angekündigt, eine Konsortiallösung im Sozialpartnermodell anzubieten. Das geplante Konsortium soll den Namen "Die Deutsche Betriebsrente" tragen.

Autor(en): Alexa Michopoulos

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